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Von ddp-Korrespondent Peter Leveringhaus Berlin (ddp). Macht er's im nächsten Jahr vielleicht doch noch mal? Das war die heiß diskutierte Frage auf der zehnten Aids-Benefizgala am Samstagabend in der Deutschen Oper Berlin. Doch für Vicco von Bülow alias Loriot war es kurz vor seinem 80. Geburtstag das achte und unwiderruflich letzte Mal, dass er mit gewohnt fein-trockenem Humor den musikalischen Teil der glanzvollen Gala moderierte. Viele der zahlreichen prominenten Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur bedauerten, dass sie auf die «Notwendigen Bemerkungen zu dramatischen Musikbeispielen» im Rahmen der Gala künftig verzichten müssen. Einen Gastgeber wie Loriot könne man «nicht austauschen», sagte Gala-Schirmherrin Rita Süssmuth. Ein Ersatz ist auch nicht geplant, stellte die Co-Initiatorin der Festlichen Operngala, Irina Pabst, klar: «Für Herrn von Bülow kann es keinen Nachfolger geben.» Bei fürstlichen Eintrittspreisen zwischen 250 und 650 Euro machten weit über 1500 Gäste die Gala erneut zu einem gesellschaftlichen Top-Event in der Hauptstadt. Bis in die frühen Morgenstunden feierten sie für den guten Zweck mit den 300 Ehrengästen, unter ihnen Bundespräsident Johannes Rau, die Schauspielerin Geraldine Chaplin, Managerin Regine Sixt, Top-Model Nadja Auermann und Modeschöpfer Wolfgang Joop. Die Veranstalter hofften in diesem Jahr auf einen Erlös von 400 000 Euro, der diesmal einem Wohn- und Pflegehaus für Aids-Kranke in Berlin zugute. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gab in seinen Begrüßungsworten an die Gäste zu bedenken, dass der Kampf gegen Aids keinesfalls gewonnen sei. Vor allem das sorglose Verhalten vieler Jugendlicher im Umgang mit Sexualität sei alarmierend. Auch wenn Aids kein Tabuthema mehr sei, bestehe die Gefahr, dass das Problem «an Aufmerksamkeit verliert», warnte Wowereit. Die südafrikanische Literatur-Nobelpreisträgerin Nadine Gordimer sprach von der «Seuche des Jahrtausends». «Alle 14 Sekunden infiziert sich weltweit ein Mensch mit einem HI-Virus», sagte Gordimer. Nach den mahnenden Worten hatten die Opernstars ihren großen Auftritt. Unter der musikalischen Leitung von Star-Dirigent Kent Nagano boten sie ohne Gage Kostproben ihres Könnens. Für einen der Höhepunkte sorgte Sopranistin Michele Crider, deren Arie der Tosca aus der gleichnamigen Puccini-Oper das Publikum von den Sitzen riss. Tosenden Beifall der fachkundigen Gäste erhielt auch Bass Rene Pape für seine Darbietung der «Register-Arie» des Frauenhelden Don Giovanni aus der Mozart-Oper «Die Hochzeit des Figaro». Giovanni brüste sich damit , allein in Spanien 1003 Liebschaften gehabt zu haben, erinnerte Loriot hintersinnig. «Da gerät man auch als fleißiger deutscher Pauschaltourist weit ins Hintertreffen», merkte er listig an. Und: «Von Erholung kann da keine Rede sein.» Beifallsstürme erntete der Humorist auch, als er einen Überraschungsgast für einen Auszug von Franz Schuberts «Winterreise» mit Rene Pape ankündigte: «Ein junger Pianist, der schon jetzt Anlass zu den größten Hoffnungen gibt: Daniel Barenboim!» Doch auch die Frauen werden an diesem Abend gebührend bedacht. Die «Carmen» aus George Bizets gleichnamiger Oper sei «mit ihren häufig wechselnden Liebhabern» ein Beleg für «die ständige Gefährdung der Männer durch Frauen». Zum großen Finale aus der «Fledermaus» von Johann Strauß glänzten noch einmal alle Solisten des Abends, unter ihnen Countertenor Jochen Kowalski, Anne Schwanewilms und Adrianne Pieczonka. Loriot versüßte den Abschied gewohnt mit einem Bonmot: «Ich wünsche Ihnen wie immer zum letzten Mal noch einen schönen Abend.» Am übernächsten Donnerstag gehen die Loriot-Festspiele in der Deutschen Oper weiter, wenn dort anlässlich seines 80. Geburtstages eigens eine Musikgala gegeben wird. Moderieren wird dann jemand, der sich nach Meinung von Beobachtern auch gut als Moderator der Aids-Gala eignen würde: Günther Jauch. Der hat sich aber mit diesem Gedanken, wie er selber sagt, «noch gar nicht beschäftigt. Ich freue mich darauf, Loriot zum Geburtstag gratulieren zu können.» © ddp, 09.11.2003 |
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