Nachrichten aus Psychiatrie und Selbsthilfe

Startseite RUBRIK E-Mail Aktualisiert
Beiträge - Übersicht Aufsätze & Berichte Redaktion 09.11.2003
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 |
2003 | 2004 |
eBook & Printausgabe




Hilfe auf Knopfdruck - Hausnotrufdienst kann Alternative zum Altenheim sein


Von ddp-Korrespondentin Katrin Neubauer

Berlin/Lüneburg (ddp). Fürs Pflegeheim fühlt sich Hedwig Schneider noch zu rüstig. Trotz einer Hüftoperation und einem schwachen Herzen kommt die 80-Jährige in ihrer Wohnung allein gut zurecht. Allerdings birgt die Selbstständigkeit auch Risiken. Wenn sie stürzt oder einen Herzanfall bekommt, kann der Weg zum Telefon zu lang sein. Schnelle Hilfe versprechen Hausnotrufdienste. In kritischen Situationen müssen ältere oder behinderte Menschen nur einen Alarmknopf drücken, der am Handgelenk befestigt ist. Per Funk werden sie dann mit einer Notrufzentrale verbunden.

«Hausnotrufdienste können für chronisch Kranke, Pflegebedürftige oder hochbetagte Menschen eine gute Alternative zu Heimen sein, vor allem, wenn sie ihre Selbstständigkeit nicht aufgeben wollen», betont Thomas Isenberg, Gesundheitsexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin. Bei Alarm erscheinen auf dem Computerbildschirm der Notrufzentrale wichtige Daten des Anrufers wie Krankheiten, Medikamente und Hausarzt. Im Ernstfall werden nach einem zuvor festgelegten Plan Verwandte, Nachbarn, der Hausarzt oder - falls nötig - ein Rettungswagen benachrichtigt.


Keine Hilfe bei schwerer Altersdemenz oder Unruhe- und Angstzuständen

«Der Alarm per Knopfdruck hat manchem schon das Leben gerettet», sagt Heinz Jarmatz, Vorsitzender des niedersächsischen Verbands der Allgemeinärzte. Gerade für Alleinstehende mit Akuterkrankungen - wie zum Beispiel schwer einstellbarer Diabetes, Herz-Rhythmusstörungen, epileptischen Anfällen, schweren Allergien - oder bettlägerige Menschen sei das Gerät unter Umständen ein Rettungsanker. Damit im Notfall die Verständigung klappt, ist jedoch regelmäßiges Training nötig. Bei schwerer Altersdemenz oder Unruhe- und Angstzuständen sind Hausnotrufdienste allerdings keine Hilfe, da die Betroffenen vergessen können, den Knopf zu bedienen.

Hinter solchen Notrufdiensten stehen unter anderem karitative Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz, der Arbeiter-Samariter-Bund oder der Malteser Hilfsdienst. Allerdings unterscheiden sich Service, Kompetenz und Vertragsbedingungen der Anbieter mitunter beträchtlich. Wer sich für einen Hausnotrufdienst entscheidet, sollte verschiedene vergleichen und abchecken, ob die einzelnen Leistungen mit den eigenen Bedürfnissen übereinstimmen, rät Isenberg.

Wichtig ist beispielsweise, dass die Freisprecheinrichtung, über die sich Zentrale und der in Not Geratene verständigen können, von allen Räumen aus funktioniert. Vor Abschluss eines Vertrages sollte der Anbieter ins Haus kommen, die Freisprecheinrichtung einstellen und Details klären. Dazu gehört auch, die Stärke des Alarmsignals so zu prüfen, dass es unter Umständen auch von der Terrasse oder vom Keller aus die Notrufzentrale erreicht. Der Experte rät, ruhig mal einen Notfall durchzuspielen.

Der Vertrag mit der Zentrale sollte keine Mindestlaufzeit enthalten. Nur dann ist bei schlechtem Service der schnelle Wechsel zu einem anderen Anbieter möglich. Isenberg empfiehlt eine Kündigungsfrist von zwei, höchstens aber vier Wochen. Von einem Vertrag mit «Haftungsausschluss» rät er ab. Das würde bedeuten, dass Anbieter beim Defekt des Geräts alle Kosten auf den Kunden abwälzen können. Die Haftung des Nutzers sei nur akzeptabel, wenn die Anlage durch eigenes Verschulden kaputt gegangen ist.

Viele Hausnotrufdienste verlangen nach Angaben der Zeitschrift «test» monatlich 17,90 Euro für die Grundleistungen und eine einmalige Anschlussgebühr von 10,23 Euro. Menschen, die bereits Pflegestufe I haben, können bei ihrer Pflegekasse einen Antrag auf Kostenübernahme stellen, sagt Isenberg. Dafür ist allerdings ein ärztliches Gutachten notwendig, in dem der Hausarzt die Notwendigkeit des Geräts ausführlich begründet. Sozialhilfeempfänger können beim Sozialamt einen Kostenzuschuss beantragen.




Hausnotrufdienste mit guten Noten

Berlin (ddp). Die Zeitschrift «test» hat acht Anbieter von Hausnotrufdiensten unter die Lupe genommen.
In verschiedenen Kategorien schnitten sie wie folgt ab:

++ Der Umgang mit einem Hilferuf in der Notrufzentrale wurde als «gut» beurteilt beim Arbeiter-Samariter-Bund, Johanniter-Unfall-Hilfe, Malteser Hilfsdienst, Pro Vita und Vitakt.

++ Persönliche Beratung in der Wohnung vor Abschluss eines Vertrags boten der Arbeiter-Samariter-Bund, das Deutsche Rote Kreuz, Johanniter-Unfall-Hilfe, Malteser Hilfsdienst und Pro Vita an.

++ Vorbildlich bei der Erläuterung der Technik und Installation des Dienstes zeigten sich das Deutsche Rote Kreuz, Malteser Hilfsdienst, Pro Vita und Vitakt. Arbeiter-Samariter-Bund und Johanniter-Unfall-Hilfe wurden mit «gut» bewertet.

++ Ob der Alarm auch außerhalb der Wohnung funktioniert, probte nur ein einziger Anbieter: Pro Vita.

Anbieter von Hausnotrufdiensten sind laut «test» in den Gelben Seiten, über Krankenkassen, Wohlfahrtsverbände oder direkt über die Dachorganisation, den Bundesverband der Hausnotrufanbieter, Bremerhavener Str. 157, 28219 Bremen, zu finden. Tel.: 0421 - 389 81 23

Internet: http://www.bv-hausnotruf.de


August 2003




RUBRIK
Aufsätze & Berichte

Beiträge - Übersicht
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 |

14 | 15 |
nach oben | E-Mail | Startseite  | Newsletter | Impressum |


nach oben Kontakt Startseite