Nachrichten aus Psychiatrie und Selbsthilfe

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01.05.2008

NOMINIERT "Balsam für die Seele" 2007 «KURZGESCHICHTEN»
Schreib-, Grafik- und Fotowettbewerb der Redaktion Lichtblick
1. Februar 2007 bis 28. September 2007 (BEENDET !)








Texte, Kurzgeschichten

Rubrik FOTOS Rubrik GEDICHTE
Rubrik MALEREI Rubrik TEXTE (Kurzgeschichten)



Glücklich sein

Wieder einmal sitz ich da, sinnend und doch so leer.
Der ganze vergangene Tag hatte so schwerwiegende Stunden und Inhalte.
Ich bin froh, dass die Ruhe der Nacht insgesamt eintritt.
In das Geschehen im Ort, in unserem Häusle und auch in mir!
Warm und behaglich wird es mir.
Meine Gedanken beginnen Lieblingsplätze von mir hervorzuholen.
Diesen Fantasien gebe ich mich ganz wohlig hin.
Ein kleines Fleckchen Lichtung, zwei Rehkitze mit ihrer Mutter,
sich gegenseitig sanft anschubsend in verspielter Weise.
Lieblich bestrahlt von dem jungen noch betauten Morgen.
Die Wiese im frischen Grün, der Himmel gefüllt mit hellem Azurblau.
Vögel hin und her fliegend, dabei fröhlich zwitschernd,
in der Leichtigkeit dieses Tages mitschwingend.
Wunderbar erdiger Hauch des Waldbodens, gemischt mit Tannendüften.
So gerne bin ich hier!
Laufen dort nicht meine kleinen Freunde, die Elfen?
Oh ja, freudig wie fast immer tanzen sie auf dem schmalen,
winzigen Weg zwischen den Walderdbeeren und Farnen.
Wenn ich genau lausche, höre ich ihre feinen Klänge,
ihre verzaubernde, herzerwärmende Musik.
Ich sinke ganz in diesen harmonischen Moment.
In diesen Gedanken bleibe ich und nichts kann mir diese kleine Erlebniswelt je nehmen.
So schließe ich diesen Tag mit einem feinen Traum noch ab.

Ella Schneider
88422 Oggelshausen


Das kleine Licht in Dir!

Wieder einmal finde ich die Gelegenheit, um in dem überwältigenden, herbstlich geschmückten Wald spazieren gehen zu können! Ich atme tief ein, genieße die Luft hier, die ich so sehr liebe. Meine Empfindung ist innerlich freudig entspannt. Ja, tiefe Zufriedenheit breitet sich in mir aus. Hielte dieses Gefühl nur allezeit an.

Ein sanftes Rascheln neben mir. Ein milder Schein von Helligkeit ist zu erkennen. Da steht plötzlich meine kleine Freundin, die Elfenkönigin neben mir.

"Ich mag Dir heute einen besonderen Gedanken anvertrauen." Lieblich in ihrer Weise begann sie weiter zu sprechen. "Ihr Menschen seid in einer harten Welt, Geld hat die Macht über euch. Materielle Dinge werden vielen wichtiger als Familie und Freundschaften. Eigenliebe lässt euch die Gemeinsamkeiten des Lebens vergessen! Eure Lebensweisen werden immer abnormaler und primitiver. Immer mehr Menschen werden innerlich krank, weil sie das nicht ertragen, nicht mögen! Das Dunkle, die Hilflosigkeit, sowie die Traurigkeit zieht in sie ein! Das darf nicht sein!

Gib das bitte weiter: In einem jeden Menschenkind, egal welchen Alters und anderes mehr, ist ein kleines Lichtlein! Es ist die Verbundenheit mit dem Schöpfer aller Dinge. Er schenkte mit seinem Odem dieses Licht der göttlichen Herrlichkeit! Ja, man kann auch sagen, die Sehnsucht nach dem Paradies. Doch durch so viele Dinge wird dieses Licht in manch einem fast ausgelöscht!

Ihr erlebt und tut Sachen, die so sehr abstumpfen. Wenn keine Liebe mehr weitergegeben wird, weil zu wenig Zeit dafür ist. Fernsehen, Video, Alkohol und Drogen und anderes mehr lenken ab, von den wahren schönen Dingen des Lebens! Die Gedankenwelt wird immer düsterer! Doch es kann unterbrochen werden! Sucht Freundschaften, bereitet einander Freude, versucht ärmeren, hilfloseren Kraft und Mut zu schenken. Sucht die Schönheit der Natur, auch deren Zusammenhänge und die Ursprünge. Meidet harte machtbezogene Ich-Menschen!

Euer Lichtlein wird langsam wieder den Schein in euch erhellen. Freude kehrt wieder ein und andere werden es sehen! Schenke mit diesen Worten Mut den Traurigen, Verzeifelten und Hilflosen! Es sind so viele, sie sind gequält so dass sie dringend Hilfe brauchen! - Alles Liebe Dir meine Freundin!"

Ich werde deinen Wunsch gerne ausführen, lieben Dank für Deine Hilfe. Verschwunden war die kleine Elfenkönigin. Harmonie empfand ich tief in mir drin. Wunderbar diese kleinen Wesen und ihre Liebe zu uns Menschen.

Dankbar ging ich nach Hause um diese wertvolle Botschaft aufzuschreiben. Ich hoffe so sehr, das jeder Leser hiermit wieder sein kleines Lichtlein empfinden kann!

Ella Schneider
88422 Oggelshausen

Foto Wettbewerb "So leben wir"


Philosophie

Ob man wäre, ist unerfassbar. Ob ein Sein überhaupt möglich ist, wäre banal. Würden wir uns freuen können, wenn wir nicht wären? Wir spüren Frohsinn, also sind wir. Oder wären wir nur lieber in einer Dimension, in der wir nicht sein können?
Existieren wir in der Realität und wollen Sterben in der Wirklichkeit? Sie ist nicht fassbar. Setzt die Wirklichkeit erst nach dem Sterben ein? Wozu stirbt man? Damit man wieder geboren werden kann? Diese Fragen sind innenpolitisch, da sie nicht übergreifen. Warum nimmt man sich wichtig, in einem Spiel, dessen Spielanleitung man nicht kennt?
Ist es Balsam für die Seele, dass man lebt? Oder ist Balsam für die Seele nicht etwas, für die, die schon tot sind? Aber in was für einer Dimension lebt man dann? Wäre es ermessbar oder würde es lediglich fraglich sein, in was für einer Zeit man wäre, oder in welcher man zu sein scheint?
Ich würde gern sein, aber ich wäre nicht. Ob man wäre, oder würde sein, bleibt Konjunktiv und würde nicht sein.

Ilona Grießel
34613 Schwalmstadt




Andurin

Ich lehne den Kopf an die Scheibe. Draußen ist es schon dunkel. Die Wolkendecke reißt auf und gibt den Blick auf zwei Sterne frei, die in einigem Abstand am Himmel stehen. Zwei weiße funkelnde Punkte an einem rabenschwarzen Firmament. Der Abstand zwischen ihnen gibt mir das Gefühl von Hochgestimmtheit, trügerisch, dass etwas Aufregendes geschehen wird: das da sich Andurin ankündigt.

Auch am Tag, beim Aufwachen schon, bleibt das Gefühl in meinem Magen bestehen. Ich kann bei Sonnenlicht die Sterne nicht sehen, aber ich weiß genau, wo sie sich befinden. Die Erinnerungen an Andurin sind flach und spinnenwebenfein.

Lange sitze ich da und starre die Wand an. Sehr lange, denn als ich auf die Uhr sehe, ist über eine Stunde vergangen. Bald bricht die Nacht wieder herein. In dieser Nacht komme ich nach Andurin.

Kalte, klare Luft schlägt mir entgegen. Von einem grünen, blassen Himmel heben sich wie Zacken schwarze Häuserschatten ab. Ich betrete Pflastersteine, meine Schritte hallen wieder in der menschenleeren Stadt. Die Häuser sind teilweise zerfallene Ruinen. Ihre Fenster sind leere Augenhöhlen. Das Alter hat sich in die Fasaden gefressen, den Stein mit einem unheimlichen grünen Glanz überzogen. Wo sind die lebhafte Stadt meiner Erinerung, die übervölkerten Straßen, die bunten Märkte geblieben?

Ich komme zu einer goldenen Statue, bestimmt sechs Meter hoch. Sie stellt eine Frau in einem langen Gewand dar. Ich gehe um sie herum, doch sie trägt keinen Namen. „Wer ist das?" Meine Stimme klingt wie Papier.

Dann kommt das Wiedererkennen als ob man einen Schalter umgelegt hätte: Die Goldene Kaiserin von Andurin. Die Statue stellt mich selbst dar. Ich staune ob dieses Wunders. Doch diesmal möchte ich nicht bleiben. Obgleich es ein Rätsel zu lösen gibt.

Mein Hals ist trocken, ich stehe auf, um mir ein Glas Wasser zu holen. Ich bin zurück. Die Anziehungskraft des Raumes zwischen den beiden Sternen brennt noch immer auf meiner Stirn, aber ich bin zurück.

Ich trinke das Wasser mit großen Schlucken. Ich streife mit dem rechten Zeigefinger an meiner linken Fußsohle entlang und spüre Staub, den grauen, uralten, leichten Staub von Andurin.

Wenn ich zurückkommen kann, wann immer ich will, ist alles gut, dann brauche ich keine Furcht mehr zu haben. Dann wandle ich unter den Sternen und in dieser Welt und bin frei von Angst und meine Seele tanzt und freut sich.

Linda Zenner
24340 Eckernförde




Schluss mit den Vorurteilen !

Ein neues Jahr hat so seine Eigenarten. Man nimmt sich viel vor. Ob die guten Vorsätze wirklich realisiert werden, bleibt dahin gestellt. Aber so ein neuer Start verleitet ohne Zweifel zum Aufräumen. Wenn man sich doch nur von so etlichem Ballast trennen könnte! Auch von seelischem Unrat! Da sausen doch mir eine Fülle unnützer Gedanken durch den Kopf. Warum? Wo ich doch gerade beim Aufräumen bin: weg damit! Leider geht das nicht so einfach!

Schade eigentlich, dass es keinen Schalter im Kopf gibt. Den Schalter einfach umgelegt und schon hätte man seine Ruhe. Aber zu meiner Beruhigung stelle ich immer wieder fest, dass das so eine Sache mit dem Entrümpeln ist! Da schwirrt doch noch ganz schön viel geistiger Müll in den Köpfen mancher Mitmenschen. Es kommt doch tatsächlich vor, dass es noch Leute gibt, die psychische Erkrankungen immer noch mit Verrücktsein, Durchgeknallt, Abnormität oder ähnlichem gleichsetzen.

Erstaunlich, denn Tatsache ist: Jeder dritte Deutsche erkrankt im Laufe seines Lebens einmal an einem seelischen Leiden! Und das ist bestimmt nur eine Dunkelziffer. Viele Betroffene verdrängen dieses "Unwohlsein", sehen dahinter gar keine so brisante Erkrankung!

Aufklärung ist dabei nur eine wichtige Seite. Der Umgang mit psychisch Erkrankten eine andere Seite. Dieses fällt vielen Menschen immer noch sehr schwer. Typisches Beispiel: ich treffe nach langer Zeit Kollegen, die so gar nicht wissen, wie sie sich mir gegenüber verhalten sollen. "Ach, Du bist es. Ich wollte dich schon immer mal anrufen!“ - Ja, hätte derjenige als es mir wirklich schlecht ging doch einfach gemacht! Ein paar aufmunternde Worte wären Balsam für die Seele gewesen. - Hätte, wäre ...

Auch Arbeitgeber sind oft überfordert mit so einer Situation. Eigentlich ist das in einem Land, das auf Innovation und Effizienz ausgerichtet ist, verwunderlich. Wie viel Zeit muss noch vergehen, bevor psychische Leiden nicht mehr wie ein "Tabuthema" behandelt werden?

Aufklärung tut Not und das nicht nur in Firmen, sondern auch in Schulen etc. Weil Betroffene dazu neigen sich zurück zu ziehen - das gilt auch schon für Kinder und Jugendliche - heißt es wachsam zu sein und aufeinander zuzugehen! Dann schöpfen auch Betroffene neue Hoffnung und damit Kraft!

Charlotte Rose
18119 Rostock



lichtblick

seit meiner ersten erkrankung sind neun jahre vergangen.
ich habe in dieser zeit ganz gut gelernt mit ihr klar zu kommen.
aber ich habe viel selbständigkeit eingebüßt.
wie kann ich mein selbstwertgefühl wieder stärken?
früher bin ich viel alleine verreist - kann ich mir das jetzt noch zutrauen?"
- so dachte ich bei mir und hab dabei die urlaubsangebote durchgestöbert.

'djerba - ein erlebnis für den kleinen geldbeutel' - "das mache ich".
gedacht, getan.
zwei wochen später bin ich auf der insel angekommen.
ich fühlte mich fremd.
"ich spreche die sprache nicht und kenne niemanden.
was tue ich hier?"
plötzlich spricht mich eine frau an:
"setzen sie sich, geht es ihnen gut?"
ich schaute verunsichert und sagte:
"wenn ich ehrlich bin, komme ich mir hier etwas verloren vor".
sie bot mir das DU an und sagte:
"keine angst meine liebe - ich bin ja da".
eine wildfremde frau schenkte mir dadurch enorme geborgenheit.

am nächsten tag trafen wir uns am pool und ich genoss ihre nähe schweigend,
da ich ihr nicht lästig fallen wollte.
ich verließ kurz meine liege und als ich zurückkam war sie von jemand anderem besetzt,
der meine sachen einfach weggelegt hatte.
traurig wollte ich mich zurückziehen.
die gute seele streckte mir die hand entgegen und sagte:
"meine liebe, ich gebe dir jetzt ganz viel kraft, gehe zu deiner liege und hol sie dir zurück".
mit dieser kraft trat ich zögernd auf die fremde person zu und forderte meine liege zurück
und zu meinem erstaunen räumte die person tatsächlich die liege und ich hatte mir
nicht nur eine liege zurückerobert, sondern die gesellschaft einer wunderbaren frau und
auch etwas selbstvertrauen.

ein kleiner schritt, aber stück für stück will ich mir die welt zurückerobern und meinen platz in ihr neu finden.

Sieglinde Heger
90408 nürnberg



Ich wollte überleben, ich habe überlebt

Ich bin Annerose J. und wurde am 17. September 1955 in einem kleinen Dorf in der Nähe von Bautzen geboren. Meine Eltern waren Bauern. Dort wuchs ich mit meiner älteren Halbschwester und meiner jüngeren leiblichen Schwester unter einfachen und eigenartigen Verhältnissen auf.

Ich bin sieben Jahre lang sexuell missbraucht worden. Die Folgen meiner entwürdigten Kindheit zogen sich wie ein roter Faden durch mein ganzes Leben.

Meine beiden Tanten, die Schwestern von meinem Vater hatten eine soziale Behinderung und wohnten bei uns. Sie nahmen viel Einfluss auf meine Erziehung und haben mein Leben geprägt. Besonders meine Patentante. Sie hat immer zu mir gesagt, die Menschen sind schlecht. Sie haben mich mit erzogen und ich habe sie trotz ihrer Eigenartigkeit auf meine Weise geliebt. Sie wurden von den Dorfmenschen nicht so akzeptiert wie sie waren und verachtet. Das wurde auf unsere Generation weitervererbt. Wir waren so etwas wie Abschaum. Ich habe sehr früh zu spüren bekommen wie die Umwelt auf mich gewirkt hat. Ich war jahrelang in meiner Schulklasse seelischer Gewalt ausgeliefert und die Lehrer haben weggesehen.

Bei uns im Dorf sind Verbrechen passiert. Ich hatte Seelenmord und konnte damals nicht ahnen, was das für Folgen für mein ganzes Leben haben wird. Ich hatte damals beschlossen, alles was ich erlebt habe, aus meinem Gedächtnis zu streichen, für immer zu schweigen und es mit ins Grab zu nehmen. So ging ich 1976 nach Rostock und habe alles hinter mir gelassen und wollte ein neues Leben anfangen. Ich habe geheiratet, eine Familie gegründet und drei Kinder geboren.

Nach 1990 bin ich in ein tiefes Loch gefallen. Ich habe mich an meine Kindheit erinnert und die Vergangenheit hat mich wieder eingeholt. 1992 hatte ich Mobbing und ich musste Nervenärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Ich hatte Depressionen und bekam Antidepressiva. Ich hatte Angstzustände und bin wieder in meine Kindheit zurückgefallen. Ich fühlte mich wieder wie das Kind von damals und durchlebte alles noch einmal. Mein Ziel war, ich musste durch das 6-monatige Praktikum während meiner Umschulung kommen. Als alles vorbei war, habe ich diese Sache beendet und die Tabletten weggeworfen.

Ich beschloss meine Sache allein zu regeln und habe hart an mir selbst gearbeitet. Jedoch bin ich in den folgenden Jahren immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgerufen worden. Ich bin immer wieder in die Tiefe gefallen und habe immer wieder gegen mich selbst gekämpft. Ich hatte zwar auch Zeiten des Glücks, die waren aber nur von kurzer Lebensdauer. Die Zeiten der Trauer und des Leids waren viel länger und bestimmten mein weiteres Leben.

Anfang 2002 bin ich wieder mit dramatischen Ereignissen in Berührung gekommen. Ich wurde wieder in die Tiefe gerissen und war wieder in meiner Kindheit angekommen und wurde somit selbst zur Betroffenen und zum Opfer. Ich habe noch versucht dagegen zu steuern, aber meine Kraft reichte nicht mehr aus. So habe ich für mich beschlossen, ich ergebe mich kampflos. Um zu überleben habe ich meinen Zustand so akzeptiert wie er ist. So habe ich eine Ruhepause eingelegt und mich treiben lassen und abgewartet was weiter mit mir passiert. Als nach mehreren Monaten meine Lage sich noch nicht ausreichend gebessert hatte, habe ich kapiert, was Fakt ist. Die genaue Ursache für meinen Leidensweg wusste ich damals noch nicht. Ich wollte es aber herausfinden.

So ging ich Anfang 2004 zu einer Psychologin. Nach einem Jahr kannte sie meine Biographie. Beim letzten Gespräch gab sie mir auf dem Weg - als Vorteil - dass ich durch meine Lebensgeschichte gute Kompetenz und Lebenserfahrung habe. Danach kam ich mir ausgenutzt und Missbraucht vor. Jedoch habe ich während dieser Therapie den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt als Selbständige geschafft. Zur Zeit befinde ich mich in meinem größten beruflichen Erfolg, den ich je hatte. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich nicht richtig lebe. Meine Seele ist vor langer Zeit gestorben.

Ich weiß jetzt, man muss persönliche Erinnerungen von dramatischen Ereignisse bekämpfen und ausmerzen. Nur dann besteht Hoffnung auf Heilung für einen selbst. Die Seele will doch gepflegt sein!

Annerose J.
18106 Rostock



Ursula, 63

Seitdem ich Jesus als meinen Herrn anerkannt habe und ihn liebe, fällt es mir viel leichter, die zehn Gebote einzuhalten.

Es ist schon einige Jahre her, als ich die Frau des Pastors aus der Baptistengemeinde kennen lernte. Wir verstanden uns sofort gut, zogen einander an. Ich bin ja blind, und Dagmar hat enorme Hörprobleme, so hat halt jeder seine Schwäche, mit der er lernen muss umzugehen. Die Flucht in die Depression ist der einfachste, aber auch belastendste Weg für den Betroffenen und sein Umfeld. Mein Glauben macht mich stark, gibt mir Hoffnung. Nun muss ich keine Tränen mehr vergießen, sondern lebe in Freude auf den Himmel, wo wir dann alle vereint sind, die gläubig sind. "Die Gott lieben, werden alle Dinge zum Besten dienen", so steht es in der Bibel. Ich grübele nicht mehr darüber nach, warum gerade ich ... Es ist nicht notwendig, dass ich verstehe, warum ich diese Behinderung habe. Eines Tages wird es sich von allein lösen, es wird mir erklärt werden. Gott wird mir sagen, wozu alles gut war, davon bin ich überzeugt. Die Liebe kann nicht im Kopf sein - Liebe kommt aus dem Herzen. Ich liebe Gott und vertraue ihm. Der größte Wunsch in unserer Gemeinde ist es, dass Friede auf Erden sei. Hilfe bieten wir jedem an, der sie braucht, so war es für uns geradezu selbstverständlich, im letzten Sommer für die Flutopfer zu sammeln.

In unserer Gemeinschaft geht es warm und herzlich zu. Ich fühle mich sehr wohl dort. Häufig musizieren wir zusammen, ich spiele ja Mandoline. Diese besondere Atmosphäre beim gemeinsamen Instrumentespielen lässt uns menschlich näher zusammenrücken. Nicht umsonst sagt man: "Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder“.

Unserem Miteinander verdanke ich meine zuversichtliche Ausstrahlung. Dadurch kann ich mit anderen Menschen gut auskommen. Nicht selten mache ich anderen Mut damit, wie ich die Dinge des Lebens angehe. Viele kommen von allein zu mir, wenn sie Probleme haben oder in einer aussichtslosen Situation stecken. "Du, ich frag dich mal", leiten sie meistens das Gespräch ein. Dann weiß ich schon, hier ist meine Lebenserfahrung gefragt. Und es tut doch gut, für jemanden da zu sein. "Denn die Liebe, die wir geben, kehrt ins eigene Herz zurück" - so ist es nun mal.

Irgendwie bin ich trotz meiner 63 Jahre doch ein Kind geblieben. Ab und zu lade ich ein Mädchen oder einen Jungen aus der Gemeinde zu mir ein. Es macht mir Spaß, mit ihnen zu spielen, als wäre ich selbst noch klein, das gebe ich ehrlich zu.

Ich kann mich gut an meine Kinderzeit erinnern. Wir waren ein ganzer Haufen von Brüdern, Cousins und Cousinen. Die anderen hatten keine Hemmschwelle mir gegenüber. Wir wohnten auf dem Land, das Umfeld war weit. Ich wurde überall mit hingeschleppt. Es war selbstverständlich, dass ich nicht sehen konnte, die anderen und ich kannten es ja nur so. Teilweise gingen die Mitspieler auf mich ein. Es kam aber auch vor, dass ich gegen einen Pfahl lief, weil keiner auf mich geschaut hatte. Aufstehen und weitermachen, groß jammern gab es nicht. So war das dann auch in der Schule. Mit acht kam ich in die Blindenschule, das ging aber nur mit einer Unterbringung im Internat. Da gab's nicht viel Zuwendung, darunter habe ich wie alle Kinder arg gelitten. Ich vermisste mein schönes Zuhause, wo es äußerst herzlich zuging, von Anfang an. Ich hatte Glück, dass mich die Hausmutter besonders mochte. Wenn ich die Haarschleifen aus meinen langen Zöpfen verlor, schenkte sie mir neue, damit ich dem Schelten der Erzieherin nicht ausgesetzt war. Den Oberschulteil absolvierte ich an einer anderen Einrichtung, danach beendete ich eine Lehre als Masseurin. Schnell hatte ich begriffen, dass ich gut mit Menschen umgehen kann und mein Tastgefühl besonders ausgeprägt war. Wenn einer der Sinne wegfällt, so entwickeln sich die anderen um so besser.

Eitel war ich schon immer, was heißt eitel. Wer freut sich nicht über Komplimente? Deshalb ließ ich mir Prothesen, also Glasaugen, einsetzen. Mein eines Auge war klein geblieben. Ich wollte nicht zum Fürchten aussehen. Die Operation war zwar nicht gerade angenehm, aber ich habe es nie bereut. Direkt wild war ich nicht gerade auf Männer, aber einen haben wollte ich doch und so leben wie die anderen alle. Oft nahmen meine Kolleginnen mich mit zum Tanzen. Einmal interessierte sich einer besonders für mich. Gleich am nächsten Tag brachte er mir Eis ins Schwesternhaus, und abends gingen wir zusammen weg. Schon nach einem Jahr heirateten wir.

Es war von Beginn an nicht der Traummann. Aber ich hatte ja das Defizit des Blindseins, und mir war klar, dass ich den schönsten und klügsten Mann der Welt so nicht finden würde. Klaus hatte ebenfalls ein Defizit, er war Legastheniker, hatte also eine Lese- und Rechtschreibschwäche. Auch fehlte es ihm an Bildung, was mich von Anfang an empfindlich störte. Aber auf der anderen Seite ergänzten wir uns gut, nach dem Motto: "Was ich nicht kann, kannst du." So war es selbstverständlich, dass Klaus die Gäste bediente, wenn wir Besuch hatten, mir war das zwar möglich, aber es dauerte sehr lange. Meine Schwiegereltern waren nette Leute und hatten sich schnell daran gewöhnt, mir Erklärungen zu Filmen im Fernsehen zu geben. Darüber ausgetauscht habe ich mich dann am nächsten Tag mit meinen Kolleginnen, denn das konnte man mit Klaus nicht. Sie haben häufig mit unserer inzwischen geborenen Tochter Maria Hausaufgaben gemacht, das war eine Sache, wozu wir aus unterschiedlichen Gründen beide nicht in der Lage waren.

Ich bin nicht der Typ, der unbedingt auf Sex aus ist; gehört eben dazu. Am Anfang unserer Beziehung genoss ich die Wärme und das Berühren. Für Klaus war Sex von Beginn an das Wichtigste an unserer Ehe. Er hatte übermäßige Bedürfnisse. Vor allem, als er dann anfing zu trinken, begrapschte er mich, egal wo es war. Ich fand das eklig und wehrte mich oft, dann kam es jedes Mal zum Streit. Es war widerlich. Sonntagnachmittags war ich meist pappensatt. Schon am Gang hörte ich, was mit ihm los ist. Außerdem stank er zehn Meilen gegen den Wind nach Schnaps. Mit Grauen erinnere ich mich an den Geruch. Dann habe ich mich schnell ins Kinderzimmer verkrümelt, in der Hoffnung, er lässt mich in Ruhe. Nein, er zog mich in Anwesenheit des Kindes dort raus, beschimpfte mich und verlangte sein Recht. Das hat uns natürlich entfremdet. Lange habe ich gebraucht, den Schritt der Trennung zu wagen. Klaus war davon überzeugt, dass ich wegen meiner Blindheit allein nicht klarkommen würde und ich auf ihn angewiesen sei.

Ich denke, dass ich mein gesundes Selbstbewusstsein meinem guten Elternhaus zu verdanken habe. Irgendwann kam der Punkt, wo ich wusste, ich schaffe es alleine und die Scheidung einreichte. "Ich bring dich um', war die Reaktion von Klaus auf den Brief des Rechtsanwaltes. Er war inzwischen wegen des Alkohols vom Kraftfahrer zum Hausmeister degradiert worden. Ich konnte mich nur noch im Kinderzimmer einschließen. Nachbarn riefen die Polizei. Nach der Scheidung ging der Kampf weiter.

Endlich bekam ich eine neue Wohnung, und Maria konnte selbst entscheiden, bei wem sie bleiben wollte. Wir hatten es zunächst nicht leicht miteinander. Maria war gerade 12, also in der Pubertät. Man bestellte mich zum Direktor, weil es Probleme in der Schule gab. Du hast schon so viel geschafft, du wirst doch wohl mit dem Kind klarkommen, sagte ich mir. Alle Bemühungen blieben jedoch erfolglos. Bis dann eines Tages der Knoten platzte. Ich klingelte, als ich nach Hause kam, und sie öffnete mir aufbrausend die Tür: "Wehe du wagst es noch einmal, zu klingeln.' Da rastete ich aus und verprügelte sie nach Strich und Faden, was ich bis dato noch nie getan hatte. Von da an ging alles wunderbar, sie hatte plötzlich alles begriffen und wurde kooperativ. Nach der Trennung verwöhnte ihr Vater sie mit Geschenken, bald aber ließ er nichts mehr von sich hören.

Ich liebe Jesus, den Herrn. Sex vermisse ich schon lange nicht mehr. Nach meiner Scheidung hatte ich paar kleine Abenteuer, aber das zählt nicht. Habe ich einfach vergessen, als wäre es nie passiert. Vielleicht ist das deshalb so, weil mir diese an sich schöne Sache so verdorben wurde von Klaus. Da gab es Zeiten, wo es mich schon ekelte, an Sexualität zu denken. Ich bin froh, dass ich ohne Mann leben kann, es ist für mich nicht mehr wichtig.

Für mich ist die Liebe zu anderen Menschen von Bedeutung. So bin ich im Behindertenverband aktiv. Wen ich etwas organisieren und in der Gruppe erleben kann, bin ich glücklich. Dort zeigt man sich auch Wärme und Herzlichkeit, umarmt einander und nimmt teil an anderer Freud und Leid. Ich könnte ohne Kommunikation nicht leben. Deshalb habe ich vor kurzer Zeit gelernt, mit dem Computer umzugehen. So kann ich manch eine Aufgabe schneller und besser erledigen, außerdem erhalte ich eine Menge Informationen. Ich bin nach wie vor sehr neugierig. Fernsehen, Filme, Bücher, alles interessiert mich. Ich freue mich über jeden gebildeten Menschen, mit dem ich mich austauschen kann.

Gabi Pertus



Gegensätze des Lebens

Das Leben.
Was ist das schon?
Glück oder Schmerz? Freude? Oder einfach nur eine große Last?

Der Glaube an das ewige Leben ist für die Einen ein großer Traum. Für mich ist es ein schrecklicher Albtraum. Tag für Tag falle ich in ein Loch. In ein tiefes Loch. Versuche immer wieder nach oben zurückzukehren, doch wennn ich es fast schaffe, dann ist immer jemand da, der mich wieder hinunter stößt. Sie sehen alle zu, wie ich falle. Wie ich immer tiefer falle. Tun sie was dagegen?
Nein. Sie bleiben stehen und drücken absichtlich noch tiefer in meine Wunden.
Früher habe ich versucht, mir nichts anmerken zu lassen, doch nun ist es vorbei damit.

Warum soll ich mich freuen, wenn ich das Leben hasse?
Warum soll ich lachen, wenn ich lieber weine?
Warum soll ich leben, wenn ich lieber sterbe?

Mandy Peiffer
L-4707 Petange
Luxemburg



Geschichte von S. (pdf)
Susann Reimer
17424 Seebad Heringsdorf



Kiwis frieren nicht

"Die Aussicht war einfach atemberaubend", höre ich meinen Vater am Telefon schwärmen, aber ich weiß nicht, worauf genau sich das bezieht. Es spielt auch keine Rolle, denn er tut ohnehin so, als wäre einfach alles hier unglaublich schön. Er kann nicht einfach "Christchurch" sagen, er nennt die Stadt immer "die Gartenstadt" - als hätte er noch nie zuvor einen Park oder einen botanischen Garten gesehen. Er redet über Neuseelands Küste, als wäre es die einzige der Welt, und Arthur's Pass ist für ihn der einzige Bergpass, auf den es ankommt.

Na gut, vielleicht sollte ich gerecht sein. Vielleicht ist dies ein schöner Ort - für Ferien. Aber warum müssen wir hier bleiben? Und warum tut Papa so, als ob alles großartig wäre? Kann er nicht einfach zugeben, dass er hier einen besseren Job gefunden hat und dass das der Grund ist, weshalb wir leider unsere Freunde und die Sommersonne in Deutschland zurücklassen müssen? Es ist Juli und ich vermute, dass meine Freundinnen schon ihre Sonnenbräune vergleichen, während ich hier in meinem Zimmer sitze mit drei Lagen Kleidung. Aber das ist immer noch besser als das, was ich in der Schule tragen muss - eine Uniform! Zuhause in Deutschland würde ich es nicht einmal wagen, in so altmodischen Klamotten überhaupt auf die Straße zu gehen, geschweige denn in die Schule. Und wie dieser Rock juckt! Außerdem ist es sowieso lächerlich, mitten im Winter einen Rock tragen zu müssen. Draußen sind es ungefähr Null Grad, aber meinem Vater macht das nichts aus. Er scheint auch nicht zu bemerken, wie klein unser Haus ist und wie sich die Vorhänge bewegen, auch wenn die Fenster geschlossen sind. Egal, was in seinem Ausweis steht, ich bin mir sicher, dass Papa denkt, er sei ein echter Kiwi. So nennen sich die Neuseeländer nämlich selbst, wobei keiner weiß, ob der Vogel oder das Obst gemeint ist. Lächerlich ist es allemal. Aber eines steht fest: Kiwis frieren nicht. Sie tragen "Chandals" im Winter, die überall sonst als Flip-Flops bekannt sind, aber Kiwis mögen keine amerikanischen Worte. Auch kurze Hosen und T-Shirts sind jetzt kein Problem für sie, während nicht einmal meine Stiefel meine Füße richtig warm halten. Ich gebe ja zu, dass deutsche Winter manchmal noch kälter sind, aber dort säße ich jetzt in einem gut isolierten Haus mit Doppelverglasung, mit einer heißen Tasse Tee (oder Glühwein, wenn Papa es gerade nicht mitbekäme) in der Wärme der Zentralheizung. Aber hier konnte ich sogar meinen Atem sehen, als ich heute früh aufgewacht bin. Mir ist kalt; mir war noch niemals so kalt wie jetzt. Und ich brauche eine Tasse Tee. Ich gehe in die Küche und lasse langsam Wasser in den altmodischen Kessel laufen. Ich nehme eine Tasse aus dem Schrank und zögere kurz. Dann entscheide ich mich, eine zweite Tasse zu nehmen.

Kurz darauf betrete ich das Wohnzimmer, den einzig wirklich warmen Raum in diesem Haus dank des Heizlüfters. Papa lächelt mir aufmunternd zu und fragt: "Wie geht es dir?" Ich setze mich neben ihn und gebe ihm seine Tasse. Plötzlich fällt mir ein, dass die Worte Isolierung und Isolation von demselben lateinischen Wort abstammen. Wenn das Haus ersteres nicht hat, muss man also vielleicht auch letzteres nicht ertragen. "I'm good, ay", antworte ich, ohne zu bemerken, dass ich schon wie ein Kiwi klinge.

Mareike Fischer
55271 Stadecken-Elsheim



Trostspruch

Trostspruch für meinen Mann

Jenny Körner
Tagesstätte
"Steg Greifswald"
17489 Greifswald



Ewige Sehnsucht

Ewige Sehnsucht Ewige Sehnsucht

Text:
Sabine Elender
22927 Großhansdorf

www.galerie-elender.de



"Himmelsbilder für Erdenkinder"

Gerade suche ich im Internet, wie schon so oft, nach wertvollen neuen Kenntnissen über das Krankheitsbild meiner Mutter und stoße hierbei beim Suchbegriff "Seele", wie es der Zufall wollte, auf Ihre Seite.

Meine Schwester und ich wissen, was es heißt, mit einem seelisch kranken Menschen zusammen zu leben und erleben zu müssen, wie machtlos man dem gegenüber steht, wie wichtig die kleinen Lichtstrahlen, Tropfen der Freude für die Seele sind. Meine Mutter leidet seit der Geburt meiner Schwester vor mittlerweile 32 Jahren an einer Zwangsneurose, die sie und ihr Leben fest im Griff hat. Weil es in ihrem Leben fast ausschließlich dunkel ist, achte ich ganz besonders auf die hellen Momente und versuche diese für mich und meine Familie in den Alltag zu retten. Die Fotografie ist eine wundervolle Sache. Sie hält kostbare Momente fest und schafft so Erinnerungen. Sie gibt uns die Möglichkeit, im Nachhinein Augenblicke und Erlebnisse zu teilen, die auf "normalem" Wege unmöglich wären. Auf diese Weise kann meine Mutter Dinge mit uns erleben, nachempfinden, ohne dass sie dabei war, denn vieles ist für sie unmöglich und würde folgenschwere Folgen nach sich ziehen.


Meine persönlichen Favoriten sind "Himmelsbilder für Erdenkinder". Diesen Ausspruch habe ich einmal gelesen und er hat mich sehr berührt. Der Himmel ist weit oben und den können meine Mutter und meine Schwester auch von ihre Aufenthaltsorten aus sehen. Dort treffen sich unsere Blicke und Gedanken - Wir suchen dann eine Wolkenlücke. Dieses Fenster zum Himmel - diese Hoffnung auf Licht und Besserung - ist unser Balsam für die Seele. Mit  meiner analogen Spiegelreflexkamera versuche ich dieses einzufangen und fürs Auge sichtbar festzuhalten. Denn manchmal reicht das Wissen darum alleine nicht aus. Da braucht die menschliche Seele eine begreifbare Hilfe, eine Aufnahme die wertvollste Erinnerungen widerspiegelt. Meine Mutter findet meist nicht die Kraft das Fenster als Hilfe anzusehen, aber für meine Schwester und mich ist es sinnbildlich zu unserem "Treffpunkt" geworden. Deshalb sind diese bildlich festgehaltenen Momente es nach meinem Empfinden unbedingt wert, in den Alltag gerettet zu werden. Für mich voll Wert - wertvoll. Für jeden Menschen ballenweise Farbtupfer und freudige Sonnenstrahlen, die wir in unsere Scheune geerntet und eingefahren haben, um sie in den kommenden kühlen und manchmal tristen Herbsttagen und langen Winterabenden herauszuholen und zu genießen. Für seelisch kranke Menschen können sie oftmals wertvollster Balsam sein - wenn sie es zulassen. "Himmelsbilder für Erdenkinder" sind vitaminreiche Energie-Bonbons in dunklen Zeiten.

Die Fotos zeigen meine absoluten Lieblingsmomente, ungestellt, Natur pur. So stimmungsvoll wie nur die Natur selber sie zu schenken vermag. Ich nenne sie, wie bereits erwähnt: "Das Fenster im Himmel". Trost und Hoffnung braucht jeder, besonders wenn manchmal rundherum vieles dunkel erscheint. Da Dunkelheit, Unverständnis und Selbstzweifel von Kindheit an schmerzhaftes und belastendes Thema innerhalb der Familie ist, musste ich eine Weg finden, damit umzugehen, es nicht zum Hauptthema innerhalb meiner Ehe und zwischen meinen eigenen Kindern (7, 13 und 15 Jahre) werden zu lassen. Meine Mutter wohnt nach wie vor in meinem Herzen, aber ich arbeite an mir, mich nicht immer von ihr mit runter ziehen zu lassen. Damit ist keinem geholfen. Das ist ein Lernprozess. So musste ich 35 Jahre werden, um mir diese Erkenntnis zu erarbeiten. Und so versuche ich stets das Fenster im Himmel im Auge zu behalten, die Hoffnung, der tröstende Lichtstrahl. In Verbindung mit  ruhigem Wasser drücken meine Aufnahmen für mein Auge und mein Verständnis, Ruhe und Entspannung aus, die Gedanken schweifen lassen ihnen Raum zum Wachsen geben, der Phantasie Flügel schenken, für einen Augenblick fernab vom Alltag, von Kummer und Krankheit. Gleichzeitig bleibt der offene Blick immer wieder im hellen Loch am Himmel hängen und streut so unbemerkt Hoffnung und Licht in die Gedanken ein. Diese Aufnahme schenkt mir Trost und Zuversicht. Nicht aber der gesenkte Blick auf den doch oft so tristen Einheitsboden, als gäbe es nichts anderes.

Manchmal fallen die Lichtstrahlen direkt ins Herz und erreichen unsere Seele. Vielleicht denkt man dann an die Menschen, denen es  noch schlechter geht, und wird aktiv: besucht seine pflegebedürftigen Tante im Altenheim oder setzt sich zur Nachbarin auf die Bank. Auf diese Weise erfahren nicht nur wir diese wärmenden Strahlen, sondern durch uns auch andere Mitmenschen und auch diese vermögen mit ihrem erwärmten Herzen vielleicht einem anderen ein gutes Wort zu schenken. Balsam für die Seele - Freude kann ansteckend sein, und wird nicht weniger wenn man sie teilt.

Manchmal kommen wir um einen ergiebigen Regen, einem weinenden Himmel nicht umher. Aber Regen lässt gleichzeitig neues wachsen. Kein Leben ohne Licht und Wasser. Die Pflanzen brauchen es zusammen mit dem Sonnenlicht zum Gedeihen, zum Aufbau von Nährstoffen, um den Stoffkreislauf, die Photosynthese betreiben zu können, um den für Mensch und Tier lebensnotwendigen Sauerstoff abgeben zu können.

Manche Wolken ziehen ohne Regen, Gewitter oder Hagel vorüber. Man kann es nie mit hundertprozentiger Sicherheit voraussagen. Manche Wolken ziehen schneller, als ursprünglich vermutet und manche türmen sich zu dunklen mehrfachen Schichten auf und es braut sich unheilvolles über unseren Köpfen zusammen und bricht - gegen unseren Willen - mit Blitz und Donner über uns herein. Aufgestaute Energien entladen sich wenn zwei ungleiche Fronten aufeinanderprallen. Was jedoch immer beständig bleibt, ist der blaue Himmel dahinter - nicht das tosende Unwetter. Darauf können wir uns verlassen. Deshalb schickt uns selbst das kleinste kämpfende Loch im Himmel Hoffnung. Und an manchen Tagen werden aus einem viele. Dann gibt es unglaublich lichtdurchflutete Tage, da scheint es kein Anfang und kein Ende zu haben. Es erstrahlt unseren ganzen Tag. Wir recken uns wie die Blumen, die zuvor das Regenwasser aufgesogen haben, dem Licht entgegen und füllen unsere Akkus mit wärmender Hoffnung und kraftvoller Energie.

Auch wenn es Menschen, viele Menschen, gibt denen dies einfach nicht möglich zu sein scheint. Auch ihnen muss man immer wieder die Zeichen der Hoffnung anbieten, versuchen ihnen kleine Sonnenstrahlen ins Herz fallen zu lassen. Viele werden ihr Ziel nicht erreichen, aber wenn nur einer es schafft ein kleines Licht zu entzünden, dann können wir daran arbeiten dieses kostbare Flämmchen behutsam wach und beschützend am Leben zu erhalten und es zum Balsam für die geschundene Seele werden zu lassen. Richten wir unseren  Blick immer wieder nach oben.

Mit diesen Gedanken möchte ich mich nun bei Ihnen verabschieden und wünsche Ihnen auf diesem Wege ganz viele wertvolle Erinnerungen, sie sind die wahren Schätze im Herzen. Ich werde mein "Fenster im Himmel" stets in Erinnerung behalten. Es ist nicht nur die Verbindung zu meiner Mutter, sondern auch meine Quelle der Kraft. Es ist "Balsam für die Seele".
(gekürzt, d.R.)

Claudia Erdorf
54578 Berndorf



Die Aktion wird durch die Janssen-Cilag GmbH unterstützt.

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