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Leipzig (ddp). Der Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker (BApK) befürchtet eine Verschlechterung der Behandlung von Betroffenen in Folge der Gesundheitsreform. Vor allem bestehe die Gefahr, dass die Fallpauschalen auch auf psychisch Kranke ausgeweitet werden, sagte die Geschäftsführerin des Verbandes, Margit Fischer, am Montag in Leipzig. Dies würde einen großen Rückschritt bei der Behandlung von Schizophrenie oder Depressionen bedeuten und die Lage der Kranken verschlechtern. Vor allem leiden sie wie auch die Angehörigen unter der Stigmatisierung in der Öffentlichkeit und unter der bisher fehlenden Transparenz der Therapie. «Die Gesellschaft hat immer noch Vorurteile gegen Verrückte», sagte die stellvertretende Verbands-Vorsitzende Marianne Bredendiek.
Der BApK kritisierte auf dem Weltkongress «Together against Stigma» in Leipzig auch die Arbeit der Ärzte. Viele flüchteten sich in ihre Schweigepflicht und würden dadurch Angehörige nicht umfassend über die Krankheit aufklären, sagte Bredendiek. Die Familie sei aber die tragende Säule bei der Behandlung von schizophrenen oder depressiven Menschen. Allerdings sähen sie sich teilweise in diese Rolle gedrängt, weil immer noch viele staatliche Hilfsangebote fehlten oder schlecht über sie informiert werde. Beispielsweise gehöre es immer noch nicht zur Pflicht der Ärzte, Eltern oder Partner auf Selbsthilfegruppen hinzuweisen, sagte Bredendiek. Zwar habe sich seit der Psychiatrie-Reform 1975 vieles zum Guten geändert, dennoch klafften noch viele Lücken in der Therapie-Infrastruktur. So sei die Bettenzahl für psychisch Kranke von bundesweit 16.000 auf heute 7.500 zurückgegangen, das ursprünglich geplante Netz an ambulanten Einrichtungen weise aber noch immer große Lücken auf, kritisierte Bredendiek. Daneben müsste auch vermehrt auf qualifiziertes Personal bei der Betreuung der Kranken Wert gelegt werden.
Auch sei die finanzielle Absicherung bei psychischen Krankheiten für Betroffene und Angehörige nicht ausreichend. Beispielsweise komme kaum eine Krankenkasse für Rehabilitationsmaßnahmen auf, sondern das Sozialamt. «Mit allen Folgen für das Vermögen der Angehörigen», sagte Bredendiek. Besserung verspricht sich der Verband von der Grundrente für psychisch Kranke, die ab 2003 bundesweit eingeführt werden soll. Sie garantiere eine finanzielle Basis der Kranken und der Angehörigen. Rund 70 Prozent der Kranken würden davon profitieren, schätzte Bredendiek.
Der Verband ging davon aus, dass etwa jeder Hundertste in Deutschland schizophren sei. Über die Zahl der Depressionen gebe es keine gesicherten Daten. Die Erfahrung der Vergangenheit habe aber gezeigt, dass gerade diese Krankheit auf dem Vormarsch sei. Arbeits- und Perspektivlosigkeit sei nur ein Grund dafür.
(c) ddp (03.05.01)
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