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Redaktion 10.02.2004
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Plätzchen gegen Depression

Lichtmangel im November
lässt viele Menschen in ein Loch fallen



Von ddp-Korrespondentin Renate Heusch-Lahl

Rostock (ddp-nrd). Immer in der dunklen Jahreszeit treten die Symptome auf: Müdigkeit, innere Unruhe, Hungerattacken. Rund 90 Prozent der Bundesbürger geben an, dass sich der Jahreszeitenwechsel auf ihre Stimmung auswirkt, wie der Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin der Universität Rostock, Wolfgang Schneider, sagt. Regelmäßig im Herbst kommen Menschen wegen ihren Depressionen zu ihm auf Station. Viele haben schon regelrecht Angst vor dem November.

Für den Novemberfrust gibt es mehrere, zum Teil ganz einfache Erklärungen. So wirkt sich der Mangel an Licht auf die Produktion des körpereigenen Hormons Melatonin aus: Den durchschnittlich sieben Sonnenstunden am Tag im Juni stehen nur zwei Stunden im November gegenüber. Das bringt den Hormonhaushalt durcheinander, der Körper muss sich auf die Veränderung erst einstellen.

Psychologe Thomas Klauer, der für die Uniklinik an einer Studie über die Ursachen von Depressionen arbeitet, vermutet außerdem, dass der Stimmungswechsel auch durch kulturelle Bedeutungen hervorgerufen wird. Schließlich sei der Herbst die Jahreszeit, die man mit Traurigkeit verbinde.

Im Herbst werden die Menschen laut Klinikdirektor Schneider zudem mehr «auf sich selbst zurückgeworfen». Während man im Sommer stärkere soziale Bindungen pflege, komme es mit Beginn der kalten Jahreszeit zu einem Knick.

Wann ein Stimmungstief krankhaft ist und einer Behandlung bedarf, ist den Experten zufolge schwer zu erkennen. «Die Übergänge zwischen Melancholie und Depression sind fließend», sagt Schneider, auf dessen Station zu einem Drittel Patienten mit Depressionen behandelt werden. «Merkt ein Mensch, dass er seiner Stimmung ausgeliefert ist und keine eigenen Aktivitäten mehr entwickelt, dann ist professionelle Hilfe erforderlich», sagt der Psychotherapeut. Ein depressiver Mensch sei inaktiv und grüble viel, leide unter Erschöpfung, Schlafstörungen und Schmerzen.

Zwar werden Depressionen laut Schneider oft unterschätzt und nicht diagnostiziert. Doch der 51-jährige Klinikdirektor warnt davor, Niedergeschlagenheit wie den berühmten Novemberfrust zu dramatisieren. Der Organismus brauche immer wieder mal etwas Zeit, um neuen Schwung zu holen. «Schlechte Stimmung muss man auch mal akzeptieren», betont Schneider. Viele Menschen verspürten nun Heißhunger auf Süßes. Nicht umsonst sei vor und nach Weihnachten die Zeit der Plätzchen und Kuchen. Weihnachtsgebäck mit Kardamon und heißer Kakao sei die beste Medizin gegen den Herbst- und Winterfrust, da diesen Stoffen nachgesagt werde, Glücksgefühle auszulösen. «Verabreden Sie sich mehr, besuchen Sie Freunde, laden Sie welche ein», rät Schneider. Dann schlage die graue Jahreszeit nicht so sehr auf das Gemüt.



http://www-kpm.med.uni-rostock.de
http://www.kompetenznetz-depression.de


Foto: Jens-Ulrich Koch/ddp



Die schwere Depression ist eine der häufigsten Erkrankungen. Schätzungsweise vier Millionen Menschen in Deutschland leiden darunter.

Rund 15 Prozent davon sind suizidgefährdet.

Jährlich verüben etwa 11 000 Menschen in Deutschland Suizid, rund 100 000 versuchen es.

Bei der so genannten Winterdepression klagen Patienten neben gedrückte Stimmung oft über Hungerattacken, Gewichtszunahme und verlängerten, wenn auch wenig erholsamen Schlaf.

Rund 90 Prozent der Menschen geben an, zur dunklen Jahrezeit in eine trübe Stimmung zu verfallen. Daran erkranken aber die wenigsten.



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