Nachrichten aus Psychiatrie und Selbsthilfe

Startseite RUBRIK E-Mail Aktualisiert
Rezensionsliste Bücher Redaktion 08.09.2003



Psychiatrie in der Zeitung. Urteile und Vorurteile



Psychiatrie in der Zeitung

Psychiatrie in der Zeitung. Urteile und...

ISBN: 388414295X
Edition Das Narrenschiff Psychiatrie-Verlag
Psychiatrie in der Zeitung - Urteile und Vorurteile": Bei ihrer wissenschaftlichen Inhaltsanalyse von sechs deutschsprachigen Zeitungen mussten sie keine einzige Ausgabe am Kiosk kaufen. Die Mitarbeiter des Basler Medienprojektes unter der Leitung von Ulrike Hoffmann-Richter erfassten komfortabel und methodisch geschickt in den CD-Jahresausgaben (1995) von Spiegel, Zeit, FAZ, Süddeutsche, TAZ und NZZ sämtliche Artikel zu den Themen Psychiatrie, Psychotherapie, Schizophrenie, Psychopharmaka, Elektrokrampftherapie..., einschließlich in "ihrer entfremdenden Form und ihrer Erwähnung in den vielfältigsten Zusammenhängen". Das Ergebnis ist jetzt ein 420 Seiten starkes Buch, das im Titel "Psychiatrie in der Zeitung" trägt.

Wie die Psychiatrie in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, wo überall psychiatrische Begriffe, herausgelöst aus ihrem Kontext, auftauchen, deckt die Analyse auf. "Ohne die CD-Rom Technik", so Asmus Finzen in seinem Geleitwort, "wären z.B. so erstaunliche Metaphern wie die »elsässische Schizophrenie« im Sportteil der NZZ oder Kohl als »Antidepressivum der CDU« der Nachwelt kaum überliefert worden. Bei der »elsässischen Schizophrenie« handelt es sich übrigens um die Krankheit eines Fußballvereins, des FC Straßburg, der bei Heimspielen regelmäßig verliert, bei Auswärtsspielen aber ebenso regelmäßig gewinnt." Besonders häufig taucht der Begriff »Schizophrenie« als Metapher in den Ressorts Sport (100 %), Wirtschaft (93 %), Politik (86 %) und Kultur (62 %) auf.
Rezensent:
Roland Hartig
Rostock

Ulrike Hoffmann-Richter konstatiert: "Psychiatrie wird nicht als medizinisches, sondern als gesellschaftliches Thema verstanden." Nach ihrer Ansicht werde das Wissensdefizit nicht wahrgenommen, "weil vermeintlich bekannt ist, was »schizophren«, was »depressiv« ist - oder was ein Tranquilizer". Ob die Zeitungen das verzerrte Bild der Öffentlichkeit von Psychiatrie und Behandlungsmöglichkeiten nur widerspiegeln oder es prägen, könne nicht eindeutig gesagt werden. Außerdem sei es schwierig, "Informationen aus dem Fachgebiet zu übermitteln". Am Schluss verweist Ulrike Hoffmann-Richter darauf, dass die Medienanalyse keine Aussage über die Wirkung bei den Leserinnen und Lesern beinhaltet, denn: "Inhaltsanalyse ist nicht Wirkungsforschung." Das Buch "Psychiatrie in der Zeitung" stellt nicht nur eine Bestandsaufnahme dar, es bietet auch fundiertes Material für alle, die sich mit der Anti-Stigmakampagne beschäftigen. Zugleich liefert es wichtige Impulse für die journalistische Arbeit und für die psychiatrische Wirkungsforschung.

Ulrike Hoffmann-Richter: Psychiatrie in der Zeitung. Urteile und Vorurteile, Edition Das Narrenschiff i. Psychiatrie-Verlag



RUBRIK

Bücher
In Partnerschaft mit Amazon.de


nach oben | E-Mail | Startseite  | Newsletter | Impressum |


nach oben Kontakt Startseite