Nachrichten aus Psychiatrie und Selbsthilfe

Startseite RUBRIK E-Mail Aktualisiert
Rezensionsliste Bücher Redaktion 16.10.2005




Axel Karenberg

Amor, Äskulap & Co. - Klassische Mythologie
in der Sprache der modernen Medizin




Medizinische Terminologie ist öde und langweilig? Klassische Mythologie ein Auslaufmodell? Sprachgeschichte ein Ladenhüter? Wer sich auf die in diesem Buch zusammengestellten Erzählungen um sagenhafte Namen einlässt, den erwartet eine spannende Serie von etymologischen Aha-Erlebnissen:

Wie kam der Atlas (Riese der griechischen Mythologie, Sohn des Titanen Iapetos und Bruder von Prometheus und Epimetheus) zu seiner tragenden Rolle und die Sehne zu ihrem Achilles? Warum ist die griechische Schicksalsmacht Atropos zur Namenspatronin des bekannten Arzneimittels Atropin geworden? Wann gelangte das Ammonshorn ins Gehirn und das Medusenhaupt ans Abdomen? Und wie lautet die ungeschminkte Wahrheit über Onan?

Dafür bietet das 205 Seiten starke Buch von Axel Karenberg äußerst unterhaltsame und aufschlussreiche Erklärungen. Allein schon der Prolog: "Medizin, Mythos und das Medium einer Terminologie" veranschaulicht ohne "babylonisches Sprachgewirr" die Zusammenhänge. Fakt ist, eine prominente Reihe medizinischer Fachbegriffe ist von Namen einer mythologischen Gestalt abgeleitet worden. Doch auch verdiente Ärzte hinterlassen ihre Spuren (Basedow-Trias, Billroth-Operation, Alzheimer-Krankheit). Vereinzelt sind es Patienten, wie z.B. die Hartnup-Krankheit und der Daltonismus. In beiden Fällen handelt es sich ohne Zweifel um Menschen, die gelebt haben. Da "Mensch" im Griechischen ánthropos und "Name" in der gleichen Sprache ónoma heißt, charakterisiert man diese Wortbildungen zurecht als Anthroponyme.

Für Neugierige steht ein historischer Nomenklatur-Express zum Einsteigen bereit: Abfahrt bei den Pyramiden und den Stätten der Bibel, Ankunft im Amerika des 21. Jahrhunderts - mit Zwischenstationen in der griechisch-römischen Antike, der magischen Welt des Mittelalters und den modernen Wissensmetropolen Europas.
Auf 24 Zeitreisen mit 55 Abbildungen begegnen wir anmutigen Nymphen und betörenden Sirenen, betrachten den selbstverliebten Narkissos und den vielgestaltigen Proteus, beäugen eindrucksvolle Naturen wie Priapos und Ödipus, bewahren Abstand zu lockenden Aphrodisiaka und gefährlichen Amorbögen und begrüßen abschließend den Lügenbaron Münchhausen und den leidenden jungen Werther.

Sie alle haben Spuren im Fachwortschatz der Heilkunde hinterlassen, denn dafür sorgten ihre äußeren Auffälligkeiten und seelischen Schwächen genauso wie hohe Gelehrsamkeit oder mangelnde Bildung späterer Wortschöpfer. Eine Zusammenfassung im Epilog und ein Glossar der Gestalten im Anhang heben das Wichtigste, unterstützt durch Tabellen, nochmals hervor.

Kurzum: Eine ebenso instruktive wie amüsante Lektüre für Ärzte, Studierende und alle, die an Medizin, Mythologie und Mehrsprachigkeit interessiert sind.

Zum Autor: Axel Karenberg, geboren in Frankfurt am Main, studierte von 1976 bis 1983 Medizin. Auf einer Weiterbildung zum Facharzt für Neurologie und Psychiatrie folgte die Assistenzzeit am Institut für Geschichte der Medizin in Köln. In diesem Fach habilitierte er sich 1994 und wurde im Jahr 2000 zum Professor ernannt. Einjähriger Aufenthalt an der Medical School der University of California at Los Angeles, außerdem Lehrauftrag für "Terminologie mèdicale" an der Universität du Luxembourg.

Amor, Äskulap & Co. Klassische Mythologie in der Sprache der modernen Medizin, Schattauer (November 2004), 205 S., 55 Abb. gebunden., ISBN 3-7945-2343-1






RUBRIK

Bücher
In Partnerschaft mit Amazon.de


nach oben | E-Mail | Startseite  | Newsletter | Impressum |


nach oben Kontakt Startseite