Nachrichten aus Psychiatrie und Selbsthilfe

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Lichtblick-Newsletter Nr. 146 vom 12.11.2004


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Lichtblick-Newsletter Nr. 146 vom 12.11.2004
Nachrichten aus Psychiatrie & Selbsthilfe (naps)
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I N H A L T

1. "MUT"-Preis für Regina Görner
2. Aus Wissenschaft, Forschung und Medizin
3. Viele Kuranträge von Müttern werden abgelehnt
4. Pflegequalität positiv - Verbände sehen aber noch Defizite
5. Sonntag: ZDF-Reportage zu Psychoterror gegen Frauen
6. Verfassungsschutz darf Scientology beobachten
7. Neue Behörde gegen Betrug im Gesundheitswesen
8. Aus den Bundesländern
9. Lichtblick Surftipp



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[1] "MUT"-Preis für Regina Görner
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Gestern Abend in der Alten Handelsbörse: Rund 200 geladene Gäste aus
Politik, Kultur und Gesellschaft wohnten der Einladung des Leipziger Vereins
"Irrsinnig Menschlich" zur Verleihung des "MUT-Preises 2004 für politisches
Handeln zugunsten psychisch kranker Menschen" bei. Die Auszeichnung erhielt
die 54-jährige ehemalige saarländische Ministerin für Frauen, Arbeit,
Gesundheit und Soziales, Regina Görner (CDU).

Die Laudatio hielt Regina Schmidt-Zadel. Die frühere Vorsitzende des
Bundestags-Gesundheitsausschusses ist die Vorjahres-Preisträgerin. Als
Ehrenjurorin würdigte sie nun Vornamensvetterin Görner als eine Politikerin,
die sich stets in der Pflicht sehe, um Verständnis für Menschen mit
psychischen Erkrankungen zu werben. Nicht zuletzt habe Regina Görner ein
bundesweites Modellprojekt initiiert, mit dem Schwerbehinderten eine
Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt ermöglicht werden soll. Die Ministerin ließ
noch gestern Abend wissen, dass sie das mit der Auszeichnung verbundene
Preisgeld in Höhe von 1500 Euro dem saarländischen Landesverband der
Angehörigen psychisch Kranker stiften wird.

Während der Gala wurden außerdem Jürgen Zimmermann, Leipzigs früherer
Sozial-Beigeordneter, sowie die frühere sächsische CDU-Landtagsabgeordnete
Christine Clauß geehrt. Ersterer kämpfte an der Pleiße für den Aufbau einer
gemeindenahen Psychiatrie, letztere engagierte sich für das Projekt
"Lebensräume zur Bewältigung seelischer Krisen" des Leipziger
"Wege"-Vereins.

An dem von TV-Frau Uta Bresan moderierten Abend warteten Künstler wie
Entertainer Bert Callenbach und Kabarettistin Carolin Fischer mit jeweils
ganz eigenen Beiträgen zum Thema "Verrücktsein" auf. Und mit viel Beifall
auch bedacht: Heinz Rudolf Kunze, dem es "ein Bedürfnis ist, betroffenen
Mitbürgern beizustehen". Keiner könne sicher sein, nicht selbst eines Tages
seelisch zu erkranken, so der Musiker. "Ohne mit den Befindlichkeiten meines
Berufes kokettieren zu wollen - gerade auch meine Tätigkeit bewegt sich
permanent in dem Grenzbereich, den verständnislose 'Normale' als 'verrückt'
bezeichnen. Wenn also ich kein Verständnis für irrsinnig menschliche
Menschen hätte - wer dann?", so Kunze.

Der 2000 gegründete Leipziger Verein Irrsinnig Menschlich ist der erste in
Deutschland, der sich der Öffentlichkeitsarbeit in der Psychiatrie widmet.
Zu den Mitgliedern gehört Bundestagsabgeordnete Sabine
Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Den MUT-Preis lobte der Verein erstmals
im Vorjahr aus: Neben Schmidt-Zadel erhielt ihn auch der
rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD). "Für 2004 hatten
Bürger, Verbände und Organisationen noch mehr Politiker vorgeschlagen", so
Manuela Richter-Werling vom Verein. Letztlich habe es 19 Nominierungen
gegeben. Dass das Thema "psychisch krank" nicht länger mit Vorurteilen
behaftet und öffentlich tabu bleiben soll, dazu ermutigte auch dieser Abend.
[Angelika Raulien, Redakteurin Leipziger Volkszeitung]

Mit freundlicher Genehmigung Leipziger Volkszeitung
vom Donnerstag, 11. November 2004
Quelle: http://www.lvz-online.de/lvz-heute/146777.html

Leipziger Verein "Irrsinnig Menschlich" e.V.
http://www.irrsinnig-menschlich.de




A n z e i g e
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S O Z I A L A R B E I T E R B R I E F
Für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der
Beratung im Gesundheits-, Fürsorge- und Pflegewesen
Hrsg. Pflegeverbund Deutschland
INTERNET http://www.pflege-rundum.de
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[2] Aus Wissenschaft, Forschung und Medizin
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++ Schizophrenie: Mangelnde Kommunikation der Gehirnzellen

Washington (ddp). Die Kommunikation zwischen den Gehirnzellen ist bei
Schizophreniekranken eingeschränkt. Amerikanische Forscher sind in einer
Studie mit 40 Teilnehmern erstmals auf bestimmte Unregelmäßigkeiten der
Gehirnströme gestoßen, die auf diese Annahme hindeuten. Die an Schizophrenie
Erkrankten zeigten in einem bestimmten Frequenzbereich, dem sogenannten
Gamma-Band, keine elektrische Aktivität der Nervenzellen im Gehirn. Genau
dieser Frequenzbereich scheint aber eine Rolle zu spielen, um verschiedene
Informationen zu einem einheitlichen Signal zu verarbeiten. Ihre Ergebnisse
präsentieren die Forscher im Fachmagazin "PNAS"
(Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0406074101).

Die Forscher um Robert McCarley von der Harvard-Medical-School in Brockton
hatten den Probanden mehrfach zwei Grafiken gezeigt. In einer bildeten vier
Dreiviertelkreise ein imaginäres Quadrat. Innerhalb von zwei Sekunden
mussten die Testpersonen durch Knopfdruck mitteilen, ob sie das Viereck
sahen oder nicht. Sowohl die 20 Schizophrenen als auch die Vergleichsgruppe
reagierten in einer Sekunde. Die Schizophrenen machten jedoch mehr Fehler
und benötigten etwa 200 Millisekunden länger, um die Bilder zu verarbeiten.

Die Messungen ihrer Gehirnströme mit einem Elektro-Enzephalogramm (EEG)
zeigten keine Gehirnströme im Bereich zwischen 30 und 100 Hertz, dem
Gamma-Band. Diese Gamma-Wellen helfen vermutlich, dass Zellen miteinander
kommunizieren und so verschiedene Wahrnehmungen verknüpfen. Bei einigen der
Schizophrenen maßen die Forscher Wellen mit niedrigerer Frequenz. Dass kann
laut McCarley auf eine weniger effektive Kommunikation zwischen den
Gehirnzellen hinweisen. Wenn die effizienteste Verständigung zwischen
Gruppen von Neuronen bei 40 Hertz liegt, und Schizophrene mit geringeren
Frequenzen arbeiteten, sei es wahrscheinlich, dass bei ihnen die
Kommunikation zwischen Zellverbänden und Hirnregionen gestört ist. Die
geringste Aktivität im Gamma-Bereich fanden die Forscher bei den Patienten
mit den heftigsten Symptomen der Krankheit.

Schizophrene Menschen haben häufig einen gestörten Realitätsbezug und können
unter Halluzinationen und Wahnvorstellungen leiden. Die psychische
Erkrankung betrifft 0,5 bis 1 Prozent der deutschen Bevölkerung. Sie wird
meist mit einem mehrdimensionalen Therapieansatz behandelt, bei dem
Mediziner psychopharmakologische, psycho- und sozialtherapeutische Maßnahmen
kombinieren.



++ Studie findet Zusammenhang zwischen Endometriose und Migräne

Cambridge (ddp). Frauen mit Endometriose leiden doppelt so häufig an Migräne
wie Frauen ohne diese Erkrankung. Das haben italienische Forscher in einer
Studie herausgefunden, über deren Ergebnisse sie im Fachmagazin "Human
Reproduction" (Ausgabe vom 28. Oktober, doi:10.1093/humrep/deh537)
berichten. Warum diese Erkrankung möglicherweise Migräne begünstigt, sei
noch nicht sicher, schreiben die Mediziner.

Bei der Endometriose lagert sich Gebärmutterschleimhaut im Muskelgewebe der
Gebärmutter oder sogar außerhalb an andere Organe an. Das kann zu sehr
schmerzhaften Regelblutungen, Blutungsstörungen, aber auch Rückenschmerzen
führen. Die Forscher um Simone Ferrero von der Universität in Genua
befragten die Frauen nach Kopfschmerzen und ließen von Neurologen die Art
des Kopfschmerzes untersuchen.

Von den 133 Probandinnen mit Endometriose litt ein Drittel an Migräne. Bei
den 166 gesunden Vergleichspersonen waren es nur 15 Prozent. Die Ausprägung
der Migräne war in beiden Gruppen vergleichbar. Die Forscher fanden auch
keinen Zusammenhang zwischen der Schwere der Endometriose und der Heftigkeit
der Migräne. Allerdings gaben Frauen mit Endometriose einen früheren
Ausbruch der Migräneanfälle an: Im Schnitt hatten sie mit 16 bis 17 Jahren
begonnen, während die gesunden Frauen ihre ersten Anfälle auf ein Alter von
etwa 22 Jahren datierten.

Möglicherweise tragen durch die Endometriose gebildete Hormone zu der
Migräne bei, vermutet Ferrero. Auch sei gezeigt worden, dass die Steuerung
der Synthese von Stickstoffmonoxid eine Rolle sowohl bei der Migräne als
auch bei der Endometriose spiele. Weitere Forschung sei jedoch nötig, um die
Verbindung zwischen den beiden Erkrankungen aufzudecken.



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[3] Viele Kuranträge von Müttern werden abgelehnt
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Graal-Müritz (ddp-nrd). Jeder dritte Antrag auf eine Mutter-Kind-Kur wird
bundesweit von den Krankenkassen abgelehnt. Besonders hoch ist die Quote
nicht bewilligter Anträge in Ostdeutschland. Allein im ersten Quartal 2004
sind diese Kurausgaben der gesetzlichen Krankenkassen bundesweit um 16
Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum geschrumpft. Schon im vergangenen
Jahr wurden knapp 30 Millionen Euro eingespart, obwohl die Kassen 2002 eine
Erhöhung des Etats für die Mutter-Kind-Kuren um jährlich fünf Millionen Euro
angekündigt hatten. Die sinkende Patientenzahl hat auch großen Einfluss auf
die Kurkliniken. Allein das Müttergenesungswerk zählte mit seinen mehr als
100 Einrichtungen im vergangenen Jahr 7000 Frauen und Kinder weniger. In den
17 Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern mit insgesamt rund 2800 Plätzen
für Mütter und Kinder wurden 2003 Belegungseinbrüche von bis zu 20 Prozent
registriert.

Tipp: Kuren für Frauen von psychisch kranken Angehörigen
http://www.lichtblick-newsletter.de/ticker626_04.html



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[4] Pflegequalität positiv - Verbände sehen aber noch Defizite
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Siegburg (ddp). Trotz einer positiven Entwicklung seit Ende der 90er Jahre
gibt es nach wie vor Defizite in der Pflegequalität. Zu diesem Schluss
kommen die Spitzenverbände der gesetzlichen Pflegekassen und der
Medizinische Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) in ihrem am
Donnerstag erstmals vorgelegten Bericht zur "Qualität in der ambulanten und
stationären Pflege".

Danach waren mehr als 90 Prozent der Pflegebedürftigen mit ihrer Versorgung
zufrieden. In der stationären Pflege sei dennoch bei 17 Prozent der
Untersuchten ein unzureichender Pflegezustand festgestellt worden, in der
ambulanten Pflege waren es neun Prozent. "Dies zeigt den weiterhin
bestehenden Handlungsbedarf", heißt es in dem Bericht.

Als verbesserungsbedürftig habe sich die Versorgung gegen Wundliegen und
Inkontinenz sowie die Ernährung der Bedürftigen herausgestellt. Zudem müsse
die Arbeit mit Altersverwirrten verbessert werden. Pflegekassen und
Medizinischer Dienst forderten alle Beteiligten zu einer Qualitätsoffensive
auf. Besonderes Augenmerk müsse auf die Qualifikation der Pflegekräfte
gelegt werden.

Die Pflegekassen wiesen darauf hin, dass ihre Prüfmöglichkeiten gesetzlich
erweitert worden seien. Dies habe zur Qualitätsverbesserung beigetragen.
Inzwischen werden jährlich knapp 20 Prozent aller Einrichtungen geprüft. Bei
1600 Untersuchungen im zweiten Halbjahr 2003 wurden rund 7400
Pflegebedürftige befragt und ihr Pflegezustand bewertet. Die
Parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Marion
Caspers-Merk (SPD), lobte, dass der erstmals vorgelegte Bericht "mehr
Transparenz" schaffe.



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[5] Sonntag: ZDF-Reportage zu Psychoterror gegen Frauen
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Mainz (ddp). Auf Psychoterror gegen Frauen macht das ZDF in der Reportage
"Liebeswahn und Todesangst. Stalking - der ganz alltägliche Terror" am
Sonntag (18.30 Uhr) aufmerksam. Jede sechste Frau in Deutschland wird
mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Drohbriefen, nächtlichen Anrufen
und Psychoterror, wie der Sender mitteilte. Meist sind es Bekannte oder
ehemalige Liebhaber, die einem Stalking-Opfer den Alltag zur Hölle machen.
Die ZDF-Reportage zeigt, wie ganz normale Frauen zu Opfern werden. Allen
Fällen gemeinsam sind die Hilflosigkeit der Betroffenen und die geringen
Eingriffsmöglichkeiten der Polizei. Der englische Ausdruck "Stalking" stammt
aus der Jägersprache und bedeutet "sich anpirschen" oder "anschleichen".
Prominente Stalking-Opfer waren bereits Tennisspielerin Steffi Graf,
Pop-Sängerin Jeanette Biedermann und ZDF-Nachrichtenmoderatorin Anja
Charlet.



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[6] Verfassungsschutz darf Scientology beobachten
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Köln (ddp-nrw). Die Beobachtung der Scientology Kirche Deutschland durch das
Bundesamt für Verfassungsschutz ist rechtmäßig. Dies entschied das
Verwaltungsgericht Köln in einem am Donnerstag verkündeten Urteil. Das
Gericht wies damit eine Klage von Scientology ab.

Die Organisation wollte ein Verbot der seit 1997 laufenden Observierung
erreichen. Sprecher des Vereins kündigten Berufung vor dem
Oberverwaltungsgericht Münster an. Sie bezeichneten die Beobachtung als
"reine Farce" und "Verschwendung von Steuergeldern".

Nach Ansicht des Gerichts gibt es tatsächliche Anhaltspunkte dafür, dass
Scientology Bestrebungen verfolge, die gegen die freiheitlich demokratische
Grundordnung gerichtet seien. Aus einer Vielzahl von - teilweise nicht
öffentlich zugänglichen - Quellen ergebe sich, dass wesentliche Grund- und
Menschenrechte, wie die Menschenwürde, das Recht auf freie Entfaltung der
Persönlichkeit und das Recht auf Gleichbehandlung außer Kraft gesetzt oder
eingeschränkt werden sollten. Zudem strebe Scientology eine Gesellschaft
ohne allgemeine und gleiche Wahlen an.

Diese verfassungsfeindlichen Zielsetzungen rechtfertigten die Beobachtung
durch den Verfassungsschutz auch heute noch, entschied das Gericht weiter.
Dass Scientology sich als eine Kirche oder Religionsgemeinschaft verstehe,
stehe dem nicht entgegen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
(Aktenzeichen: 20 K 1882/03)

Bundesamt für Verfassungsschutz
http://www.verfassungsschutz.de/

Weiterführende Informationen
http://www.ingo-heinemann.de/inhalt.htm



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[7] Neue Behörde gegen Betrug im Gesundheitswesen
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Bielefeld (ddp). In Europa soll nach Presseinformationen eine neue Behörde
geschaffen werden, die Betrug und Korruption im Gesundheitswesen bekämpfen
soll. Als Sitz sei London im Gespräch, schreibt das Bielefelder
"Westfalen-Blatt" (Freitagausgabe). Die Behörde werde vom staatlichen
britischen Gesundheitswesen, den niederländischen Krankenkassen, der
Stefan-Batory-Stiftung in Polen, dem slowakischen Innenministerium, der
Apothekerkammer Madrid in Spanien und der AOK Niedersachsen geplant, wie
AOK-Sprecher Klaus Altmann der Zeitung sagte. In einem Jahr sollen die Pläne
für die Behörde auf dem Tisch liegen. Eine Untersuchung in den USA hat
Altmann zufolge ergeben, dass die Finanzkraft der Gesundheitsbranche durch
kriminelle Machenschaften jährlich um bis zu zehn Prozent geschmälert werde.
Auf Deutschland übertragen bedeute dies einen Verlust von bis zu 24
Milliarden Euro. Allein den Krankenkassen gingen bis zu 14 Milliarden Euro
verloren.



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[8] Aus den Bundesländern
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BERLIN

++ Eltern können neuen Kinderzuschlag beantragen

Berlin (ddp). Gering verdienende Eltern können ab sofort einen Antrag auf
den ab 2005 gültigen neuen Kinderzuschlag stellen. Der Kinderzuschlag trete
mit dem neuen Arbeitslosengeld II in Kraft, teilte die
Grünen-Familienexpertin Ekin Deligöz am Donnerstag in Berlin mit. Die
Schaffung eines zielgenauen Instrumentes zur Bekämpfung von Kinderarmut sei
zentrales Anliegen in den Beratungen zur Umsetzung der Arbeitsmarktreform
"Hartz IV" gewesen. Die Grünen hätten sich dafür erfolgreich eingesetzt. Der
Kinderzuschlag betrage monatlich bis zu 140 Euro pro Kind.
Anspruchsberechtigt seien Eltern, die mit ihrem Einkommen zwar ihren eigenen
Unterhalt sicherstellen könnten, nicht aber den Unterhalt für ihre
minderjährigen Kinder. Anträge könnten bei der Familienkasse der örtlichen
Agentur für Arbeit gestellt werden. Die Familienkasse prüfe, ob ein Anspruch
besteht. Weitere Informationen und Antragsformulare auch im Internet unter:
http://www.kinderzuschlag.de



BRANDENBURG

++ Jugendministerium überarbeitet 610-Stellen-Programm

Potsdam (ddp-lbg). Das brandenburgische Jugendministerium überarbeitet
derzeit in Abstimmung mit den Landkreisen das 610-Stellen-Programm für die
Jugendarbeit. Es werde über neue Strukturen diskutiert, sagte Sprecher
Thomas Hainz am Donnerstag auf ddp-Anfrage. Das sei notwendig, weil die Zahl
der Jugendlichen insbesondere im ländlichen Raum drastisch sinke. Die
Struktur der Jugendarbeit müsse der demografischen Entwicklung angepasst
werden. Im Jahr 2005 wird das 610-Stellen-Programm jedoch noch in vollem
Umfang fortgeführt. Das Land stelle dafür rund sechs Millionen Euro bereit,
sagte der Sprecher. In die Entscheidungen in Bezug auf die Zukunft des
Programm werde der Landtag einbezogen. Jetzt müsse jedoch zunächst die
fachliche Vorarbeit geleistet werden. Hainz reagierte damit auf Kritik aus
der Union. Die jugendpolitische Sprecherin der Fraktion, Carola Hartfelder,
hatte bemängelt, dass das Parlament nicht in die Diskussion einbezogen
worden sei. Die Abgeordneten müssten rechtzeitig über neue Konzepte
informiert werden. Hainz betonte, dass System der Jugendarbeit werde weiter
qualifiziert. In den kommenden Jahren komme es vor allem darauf an, mehr
Angebote an den Schulen zu unterbreiten. In einigen Ortschaften reiche die
Zahl der Jugendlichen nicht einmal mehr für eine Fußballmannschaft aus. Auch
zahlreiche Jugendklubs seien aufgrund der demografischen Entwicklung nicht
zu halten. Künftig seien die Schulen der zentrale Treffpunkt der
Jugendlichen. Dort müssten dann verstärkt Ansprechpartner zur Verfügung
stehen. Gedacht wird den Angaben zufolge auch an einen verstärkten Einsatz
von Jugendkoordinatoren. Diese gibt es seit 1999 im Land. Sie sind das
Bindeglied zwischen Jugendämtern, Amtsverwaltungen und Jugendlichen. Sie
organisieren Projekte mit Jugendlichen und sollen deren Eigeninitiative
stärken.



NORDRHEIN-WESTFALEN

++ Kampf gegen Forensik - Stadt Herne scheitert mit Klage

Herne/Gelsenkirchen (ddp-nrw). Die Stadt Herne ist mit ihrer Klage gegen den
geplanten Bau einer forensischen Klinik vor Gericht gescheitert. Das
Verwaltungsgericht Gelsenkirchen wies am Mittwoch einen entsprechenden
Antrag der Kommune ab. Nach Angaben des Gerichts ist der Bau der Einrichtung
für psychisch kranke Straftäter in Herne im Interesse der Patienten sowie
der Bevölkerung und soll den Kapazitätsengpass im Maßregelvollzug in
Nordrhein-Westfalen beseitigen. Diese "dringlichen Allgemeinwohlbelange"
seien höher zu bewerten als die von der Stadt angeführten Belange wie
Planungshoheit und Naturschutz, hieß es zur Begründung.

Herne ist einer von landesweit sechs Standorten, an denen Einrichtungen für
psychisch kranke Straftäter entstehen beziehungsweise ausgebaut werden. Rund
90 Forensik-Patienten sollen in der auf dem ehemaligen Schachtgelände der
Zeche Pluto-Wilhelm geplanten Klinik untergebracht werden.

In der Stadt Herne war der Widerstand gegen die Forensik-Pläne des Landes
NRW am stärksten. So hatte die Kommune die Baugenehmigung für das Gelände
versagt. Das Land hatte deshalb einen Antrag auf Erteilung eines
Vorbescheids bei der Bezirksregierung Arnsberg angefordert und erhalten.
Dagegen hatte Herne geklagt.

Die Erteilung der Bau-Zustimmung durch die Bezirksregierung ist nach Ansicht
des Gerichts rechtlich nicht zu beanstanden. Die konzipierte forensische
Klinik sei eine Anlage "mit besonderer öffentlicher Zweckbestimmung". Für
ihre Errichtung sprächen "ganz erhebliche Gründe des Allgemeinwohls" (Az: 10
K 2105/02).

NRW-Gesundheitsministerin Birgit Fischer (SPD) begrüßte den Richterspruch:
"Das Urteil bestätigt unsere Auffassung und Entscheidung: Der
Maßregelvollzug ist eine - sehr schwierige - öffentliche Aufgabe von
besonderem Interesse, der wir uns stellen müssen." Das Konzept des
dezentralen Ausbaus des Maßregelvollzugs in NRW nehme die Fragen der
Sicherheit und des Opferschutzes "sehr ernst", erklärte die Ministerin.

Insgesamt baut das Land NRW an den sechs Forensik-Standorten 460 neue Plätze
für den Maßregelvollzug. Neben Herne sollen Kliniken in Münster, Dortmund,
Essen, Duisburg und Köln entstehen. Der erste neue Standort wird nach
Angaben des Ministeriums voraussichtlich im September 2005 in Dortmund
bezogen, weitere Standorte folgen 2007.



MECKLENBURG-VORPOMMERN

++ Fortbildungsveranstaltung

Zum Thema "Probleme der Begutachtung von Sexualstraftätern am Beispiel der
Pädophilie", am Donnerstag, den 25. November 2004, 16.30 Uhr im Schweriner
Landgericht, Demmlerplatz, Raum 122 (1. OG). Die Teilnahme an der
Veranstaltung, organisiert von HELIOS Kliniken Schwerin
(Carl-Friedrich-Flemming-Klinik) und dem Landgericht Schwerin, wird mit 3
Fortbildungspunkten zertifiziert. Referent: Prof. Dr. med. M.
Schmidt-Degenhard, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie,
Kaiserswerther Diakonie, Düsseldorf. Kontakt:
Carl-Friedrich-Flemming-Klinik, Wismarsche Straße 393-397, 19055 Schwerin,
Psychiatrie und Psychotherapie, Tel. (0385) 520 - 3200


++ Immer weniger Hausärzte - Versorgungsnotstand befürchtet

Neubrandenburg (ddp-nrd). Mecklenburg-Vorpommern droht ein Notstand bei der
medizinischen Basisversorgung. Die Zahl der Hausärzte sei von 1433 im Jahr
1997 auf derzeit 1164 gesunken, sagte die Vorsitzende des Hausärzteverbandes
Mecklenburg-Vorpommern, Astrid Buch, auf dem 11. Hausärztetag des Landes in
Neubrandenburg. Es gebe bereits 130 freie Stellen, die nicht besetzt werden
könnten. 337 Hausärzte seien zudem älter als 60 Jahre, so dass bei ihrer
Pensionierung in fünf Jahren bereits 467 Stellen vakant sein könnten. Buch
forderte ein Umdenken in der Gesundheitspolitik, um für ausreichend
Berufsnachwuchs zu sorgen. Als eine Ursache für den mangelnden Nachwuchs
nannte der Landesvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Wolfgang
Eckert den Imageverlust des Hausarztes infolge starker Arbeitsüberlastung.
Eine Wochenarbeitszeit von 60 Stunden sei keine Seltenheit. Zudem seien die
Hausärzte einer zunehmenden Überbürokratisierung ausgesetzt. Das gehe auch
zu Lasten der Patienten. Die KV habe eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um
die Attraktivität des Hausarztberufes zu erhöhen, sagte Eckert. So gebe es
für Medizinstudenten eine monatliche Unterstützung von 250 Euro für ein
Praktikum bei Hausärzten in Mecklenburg-Vorpommern sowie eine Umsatzgarantie
für Neueinsteiger. Eckert sprach sich zudem für eine finanzielle Stützung
von Notdiensten mit Stundenpauschalen aus. So könnten dafür auch Mitarbeiter
des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen geworben werden, um vor allem
die älteren Hausärzte zu entlasten.

Es gebe auch Gespräche mit der Ärztekammer Stettin, um Engpässe vor allem im
ländlichen Bereich mit polnischen Ärzten auszugleichen. Allerdings sollte es
sich dabei um arbeitslose Mediziner handeln, um die Versorgungssituation in
Polen nicht zu verschlechtern, betonte Eckert. Diskutiert wurde auf dem
Hausärztetag auch die Einrichtung von "Zentralen Gesundheitshäusern" zur
effektiven medizinischen Betreuung von Patienten im ländlichen Raum.
Allerdings nütze dieses Modell nichts, wenn dazu die Ärzte fehlten, hieß es.
Bei 80 Prozent des Umsatzes im Vergleich zum Westen aufgrund der geringeren
Honorarsätze sei es ebenfalls nicht verwunderlich, dass immer mehr junge
Ärzte lieber in Praxen in die alten Bundesländer, in die Pharmaindustrie
oder nach Skandinavien gingen.


++ Diakonie Mecklenburg erstaunt über Scheitern der Fusion

Schwerin (ddp-nrd). Das vorläufige Scheitern der Fusion der beide
Diakonischen Werke im Nordosten hat in Mecklenburg Unverständnis ausgelöst.
Nach zwei Jahren Vorbereitungszeit sei die Abstimmungsniederlage in der
pommerschen Mitgliederversammlung am Dienstag sehr bedauerlich, sagte der
Vorstandsvorsitzende der Diakonie Mecklenburg, Hartwig Daewel, am Donnerstag
in Schwerin. Anscheinend sei die Zeit bei den Pommern für einen
Zusammenschluss noch nicht reif.

Daewel sagte, sein Landesverband, der bereits vor einer Woche grünes Licht
für den Schritt gegeben hatte, halte jedoch weiterhin an der Fusion fest.
Zuvor gebe es jedoch noch eine Menge Klärungsbedarf. Davon abgesehen sei
eine Verzögerung des Zusammenschlusses über den anvisierten Start am 1.
Januar hinaus auch aufgrund von organisatorischen Hindernissen kaum
vermeidbar.

Ursachen für die Abstimmungsniederlage in der Pommerschen Diakonie waren
noch ungeklärte Fragen zu ihrer Vertretung im gemeinsamen Diakonievorstand
nach 2008 sowie die Gründung einer Geschäftsaußenstelle in Greifswald.


++ Linke fordert Mindestlohn und Mindestrente

Klink (ddp-nrd). Sozialministerin Marianne Linke (PDS) hat sich für einen
gesetzlichen Mindestlohn von 1400 Euro ausgesprochen. Damit könne die
zunehmende Armut bei Menschen mit einer Vollzeitarbeit verhindert werden,
sagte sie am Freitag in Klink auf dem Landesvertretertag des Bundes der
Ruhestandsbeamten, Rentner und Hinterbliebenen. Eine entsprechende Regelung
sei gerade im Osten Deutschlands notwendig, wo zunehmend Löhne unterhalb des
Existenzminimums gezahlt würden. Linke forderte auch eine Mindestrente von
800 Euro nach 30 Versicherungsjahren. Diese solle über eine solidarische
Bürgerversicherung finanziert werden.



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[9] Lichtblick Surftipp
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--> Studie: Ehrenämter bringen enorme Wertschöpfung für Gesellschaft
http://www.lichtblick-newsletter.de/ticker640_04.html

--> Was tun bei Zwangserkrankungen? – Informationsveranstaltung der
Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen und der Psychosomatischen Klinik
Windach in Nürnberg
http://openpr.de/in/37176

--> Selbsthilfe fordert Qualität in der Psychiatrie
http://openpr.de/in/36777

--> Vitamin E in hoher Dosierung für Gesunde lebensgefährlich
http://ongesundheit.t-online.de/c/27/61/10/2761100.html

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IMPRESSUM

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