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Lichtblick-Newsletter Nr. 220 vom 31.03.2008
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Lichtblick-Newsletter Nr. 220 vom 31.03.2008
Nachrichten aus Psychiatrie & Selbsthilfe
ISSN 1619-1927 (Deutsche Nationalbibliothek)
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T H E M E N
1. Polizei befreit Französin aus gefährlicher Pseudo-Therapie
2. Leserbrief zum Newsletter Nr. 219
3. Das schäbige Geschäft der Pflege-Mafia
4. Forensisch-psychologische Begutachtung von Straftätern
5. Lichtblick Surftipp
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[ 1 ] Polizei befreit Französin aus gefährlicher Pseudo-Therapie
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Vor einer aktiven oder passiven Beteiligung an dem "Introspection
Rundown" der Scientology, einer angeblichen Therapie gegen
Nervenzusammenbrüche, Depressionen und andere psychische Notstände warnt
jetzt der Scientology-Experte der Evangelischen Kirche, Pfr. Thomas
Gandow, Berlin.
Aktueller Anlass der dringenden Warnung ist die scientologische
Gefangenschaft der Französin Martine Boublil aus der sie erst durch die
italienische Polizei auf Sardinien befreit wurde. Martine Boublil war von
ihrem eigenen Bruder, einem der hochrangigsten französischen Scientologen,
in die Gefangenschaft und Aufsicht von vier weiteren französischen
Scientologen in einem Ferienhaus auf Sardinien gebracht worden.
Aufmerksame Nachbarn fanden die mit Lippenstift auf Holz und Pappe
geschriebenen Hilferufe des Opfers und alarmierten die Polizei.
Die Scientology-Organisation behauptet, mit dem
"Introspection"-Verfahren, bei dem die Opfer über viele Tage hinweg in
totaler Isolation festgehalten werden, Psychosen und Nervenzusammenbrüche
heilen zu können. Die Aufseher ("Fallüberwacher") haben die Anweisung,
kein einziges Wort mit den verzweifelten Patienten zu sprechen.
Scientology-Gründer Hubbard war sehr stolz auf den Introspection Rundown
und sagte: "Das bedeutet, daß der letzte Grund für die Existenz der
Psychiatrie fortgefallen ist. Ich habe einen technischen Durchbruch
erzielt, der möglicherweise zu den größten Entdeckungen des 20.
Jahrhunderts zählt."
Der erste Schritt des Introspection Rundown ist es "die Person völlig zu
isolieren. Alle Anwesenden müssen absolut den Mund halten (nicht reden).
... Erst wenn es offensichtlich ist, daß die Person aus ihrer Psychose
raus ist und der Verantwortung gewachsen ist, mit anderen
zusammenzuleben, wird die Isolation beendet." Der verantwortliche
"Fall-Überwacher" testet das beispielsweise, indem er z.B. auf einen
Zettel schreibt: "Dear Joe, was kannst Du mir versprechen, wenn wir dich
aus der Isolation lassen?" Wenn das Opfer nicht zufriedenstellend
(schriftlich) antwortet, muss der Überwacher zurückschreiben: "Lieber
Joe, tut mir leid, aber es geht noch nicht, dich aus der Isolation zu
entlassen."
Nachdem der Tod der Scientologin Lisa McPherson (5. Dezember 1995)
bekannt wurde, die bei Anwendung des "Introspection Rundown" im
Hauptquartier von Scientology in Clearwater/Florida zu Tode kam
(www.ilsehruby.at/LisaMcPherson.html), lässt sich die Organisation von
ihren Mitarbeitern und Kunden eine Bescheinigung unterschreiben, die die
Organisation (auch im Todesfall) von allen Schadensersatzansprüchen auch
etwaiger Hinterbliebener freistellen soll. Näheres dazu unter
www.ingo-heinemann.de/Psychiatrie-Ersatz-Vertrag.htm
"Die Beteiligung von SO-Mitarbeitern an der brutalen Isolationsbehandlung
ist in Europa strafbar", meint Gandow. "Ich warne jeden einzelnen
SO-Mitarbeiter, als Aufseher bei menschenverachtenden Aktionen und als
Wächter bei Freiheitsberaubung unter dem Vorwand der
psychotherapeutischen Hilfe mitzuwirken". Gandow fordert ein Verbot der
Anwendung des Introspection Rundowns in Europa.
Am 15.3., einen Tag nach dem Geburtstag des Introspection
Rundown-Erfinders und Scientology-Gründers L. Ron Hubbard, hat die
Internet-Initiative "Anonymus" weltweite Protestaktionen gegen die
Menschenrechtsverletzungen der Scientology vor deren Niederlassungen in
den USA und weltweit gestartet. "Anonymus" sorgte bereits für Aufsehen im
Zusammenhang mit der Veröffentlichung geheimer, nur für den internen
Gebrauch bestimmter Schulungsvideos der Scientology-Organisation, in
denen z.B. Tom Cruise das Vorgehen gegen PTS-Menschen erläutert.
Quelle: DIALOG ZENTRUM BERLIN, Pfr. Thomas Gandow, Vorsitzender des DZB
www.dialogzentrum.de
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[ 2 ] Leserbrief zum Newsletter Nr. 219
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Zu: Psychiatriekritik unter rotem MAD-Stern
Als Leserin Ihrer Newsletter und "Deutsche mit italienischem Pass" kann
ich mir eine Bemerkung zu den Ausführungen der Psychiatrie in Italien
nicht verkneifen. Es ist richtig, dass es keine eigenen "Psychiatrien"
gibt, sondern die Abteilungen immer großen Kliniken angegliedert sind,
auch muss man einen Psychiater schon suchen gehen, und betreute
Wohngemeinschaften gibt es nur im Norden ganz vereinzelt. Psychisch
kranke Menschen werden dort aber mit denselben Medikamenten behandelt wie
in unseren Landen, und es sind auch immer die neuesten – unter Umständen
noch in der Versuchsphase befindlichen - dabei. Es gibt also mitunter
auch pflichtbewusste und gute Ärzte (Psychiater) in Italien. Im übrigen
gibt es in Südtirol ein Vorzeigeprojekt, in welchem alles unter einem
Dach angeboten wird, Sprechstunde für psychisch Kranke, deren Angehörige
und bei Bedarf Weiterreichung an einen Psychiater oder in eine Klinik,
wobei die Nachbetreuung in denselben Händen bleibt wie vorher. Ansonsten
hat Italien natürlich noch einen langen Weg vor sich. Gisela Schulz,
82041 Oberhaching
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[ 3 ] Das schäbige Geschäft der Pflege-Mafia
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(naps) So titelte die BILD-Zeitung am 2. März. Anlass war das neue Buch
"Im Netz der Pflegemafia. Wie mit menschenunwürdiger Pflege Geschäfte
gemacht werden" von Claus Fussek und Gottlob Schober. Experte Fussek
erklärte im Interview geradezu drastisch: "Tausende werden so behandelt,
dass man nach Kriterien von Amnesty International von Folter sprechen
muss." Das Buch soll "die milliardenschwere Branche spalten: in
zuverlässige, transparente Heime, die es selbstverständlich gibt. Und
solche, für deren Schließung wir kämpfen werden", so Fussek. Wichtigster
Kronzeuge: der ehemalige Heimleiter Jürgen Schön (Name geändert), der den
Dienst bei seinem ehemaligen Arbeitgeber, einem großen deutschen Konzern,
nach vier Jahren quittiert hat.
Wie ich ein gutes Pflegeheim finde, beschreibt der Artikel auch: 1. Gehen
Sie sofort wieder, wenn Ihnen ein Heimleiter eine Hochglanzbroschüre in
die Hand drückt und behauptet, bei ihm sei alles in Ordnung, alle seien
zufrieden. Das gibt es nicht. 2. Achten Sie darauf, ob "Leben" in der
Einrichtung ist. Sind die Bewohner bei schönem Wetter im Garten? Werden
Aktivitäten angeboten? 3. Ein Rest von Privatsphäre ist wichtig. Haben
die Bewohner noch eigene Möbel? Hängen Bilder an der Wand? 4. Achten die
Pflegekräfte auf Hygiene? Oder riecht es nach Kot und Urin? 5. Ganz
entscheidend: Gibt es einen Angehörigen-Beirat, der sich für die
Interessen und die Würde der Bewohner einsetzt?
Quelle: www.bild.de
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[ 4 ] Forensisch-psychologische Begutachtung von Straftätern
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Der Bedarf an der Begutachtung von Straftätern wächst. Insbesondere
spektakuläre Fälle erwecken ein breites öffentliches Interesse. In diesem
Buch von Klaus Jost geht es in der Darstellung von Strafrechtsfällen
psychologischer Begutachtungspraxis (z. B. Kindesmisshandlung, Tötungs-
und Sexualdelikte) nicht nur um die Frage nach der Schuldfähigkeit,
sondern auch darum, einen Zugang zu den Handlungsweisen von Tätern zu
eröffnen. Erfahrungsgemäß ist dies für alle am Verfahren Beteiligten
hilfreich. Das Buch ist auch für psychologische Laien geeignet, da es für
sie die notwendigen Hintergrundinformationen bereitstellt.
Klaus Jost: Forensisch-psychologische Begutachtung von Straftätern,
Ausgewählte Problemfelder und Falldarstellungen, Kohlhammer-Verlag, 214
Seiten, kartoniert, Neuerscheinung Januar 2008, ISBN 978-3-17-019676-6
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[ 5 ] Lichtblick Surftipp
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::: Was ist Öffentlichkeitsarbeit? (PDF) NEU !
::: Fundraising - Mitteleinwerbung für Selbsthilfeverbände (PDF) NEU !
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::: Forum für psychisch Erkrankte, betroffene Angehörige und Interessierte
(Ein Angebot des Landesverbandes Psychiatrie-Erfahrener MV e.V.)
http://www.lpemv.de/forum/
::: "Die Rostocker Wende" und "Gegenwind für G8"
Fotoausstellungen von Roland Hartig
http://web.mac.com/foto.hartig
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IMPRESSUM
Lichtblick-Newsletter: Nachrichten aus Psychiatrie und Selbsthilfe (naps)
Hg: Familien-Selbsthilfe Psychiatrie Landesverband Mecklenburg-Vorpommern
der Angehörigen und Freunde psychisch Kranker e.V. (LApK MV e.V.)
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Redaktion: Roland Hartig (ViSdP), Ulrike Schob, Charlotte Rose,
Thomas Greve, E-Mail: redaktion@lichtblick-newsletter.de
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