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Zur Eröffnung des Diskussionsforums beim "Lichtblick" am 1. April möchte ich gerne ein paar grundsätzliche Bemerkungen zur Auflösung eines Stigmas machen, das einem Menschen aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe anhaften kann. Wenn ein Vorurteil über eine Gruppe von Menschen erst einmal zum festen Bestandteil einer Kultur geworden ist - wie es z.B. gegenüber den Juden der Fall war/ist - so zeigt die Erfahrung, dass es vor allem einzelne Persönlichkeiten aus dieser Gruppe selbst sind, die einen Zweifel an solchen Vorurteilen aufkommen lassen. Wenn sie z.B. als Sportler, Künstler, Literaten, Wissenschaftler, Politiker u.a. etwas ganz Besonderes in ihrem Leben schaffen, das über jeden Zweifel erhaben ist, so hat das natürlich eine Wirkung. Versuche zur Ent-stigmatisierung von außen können trotz bester Absichten leicht eine geradezu gegenteilige Wirkung haben, vor allem wenn sie "Aufklärung" über die "Stigmatisierten" betreibt, anstatt die persönliche Begegnung mit ihnen zu ermöglichen. Wer uns "Psychopathen" und unseren Angehörigen wirklich helfen möchte, sollte dies einmal ganz grundsätzlich überdenken. In den von Dorothea Buck und Dr. Thomas Bock initiierten Psychose-Seminaren finden solche Begegnungen in einer für mich beispielhaften Weise statt. Ich sehe sie als Basis der Anti-Stigma-Arbeit an, die also nicht erst "neu" erfunden werden muß. "Psychosen sind eine Sprache der Seele. Heilung geschieht durch Verstehen dieser Sprache", so Dorothea Buck zur Intention der Psychose-Seminare. Die Anhänger des "medizinischen Krankheitskonzepts" seelischer Störungen nehmen daran bisher nur in Ausnahmefällen teil.
Umso zahlreicher findet man sie unter den "Trägern" der mit großem Werbe-Aufwand (und offensichtlich auch großem Etat ) ausgestatteten sogenannten "Anti-Stigma-Kampagne". Es ist kein Geheimnis, wer dazu die Gelder gibt, und es ist auch nicht verwunderlich, dass dazu auch erhebliche öffentliche Mittel bereitgestellt wurden, von denen wir in der Selbsthilfe nur träumen können. Für mich sieht es so aus, als ob es dabei in erster Linie um einen Werbefeldzug zur Einführung der teuren sog. "atypischen Neuroleptika" am Markt geht und eine Auflösung der aus unserer Sicht vollauf gerechtfertigten Kritik an einer "psychopharmaka-lastigen" Psychiatrie. Diese gibt sich "hochwissenschaftlich" und diskreditiert Kritik an ihren Konzepten als "un-wissenschaftlich". Das hat heute etwa die gleiche Wirkung wie der Vorwurf der "Ketzerei" von seiten der kath. Kirche im Mittelalter. Als Kronzeugen kann ich dabei den renommierten amerikanischen Psychiater Loren Mosher anrufen, der kürzlich seinen Austritt aus dem Verband der amerikanischen Psychiater erklärte. Begründung: Der Verband sei von der Pharmaindustrie schlicht gekauft. Ich kann allen potentiellen Anti-Stigma-Aktivisten nur raten, sich in und für unsere Psychose-Seminare(n) zu engagieren. Ich würde es bedauern, wenn gutwillige Menschen einer "veralteten wissenschaftlichen Ansicht" auf den Leim gehen, die uns Betroffene vor allem als "biologische Defektmaschinen" stigmatisiert, allem Gerede von Ent-stigmatisierung zum Trotz. Ich polemisiere hier bewußt, um deutlich zu machen, dass viel Betroffene sich von einer solchen Haltung in ihrer personellen Integrität bedroht sehen. Es ist gesund, wenn wir dagegen "Symptome" entwickeln.
Kalle Pehe, Krefeld
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