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Aktuelle Umfrage belegt Vorurteile gegenüber Erkrankten
Psychisch Kranke werden in der Öffentlichkeit häufig abgestempelt und ausgegrenzt. Vor allem über die Schizophrenie kursieren Fehlinformationen und Vorurteile. Das belegen aktuelle Umfrageergebnisse des Vereins "open the doors" e.V., der ein internationales-Programm gegen die Diskriminierung schizophren erkrankter Menschen in Deutschland umsetzt. Der Verein appelliert an Öffentlichkeit und Politik, sich für die Bekämpfung von Vorurteilen und gegen die Ausgrenzung psychisch kranker Menschen zu engagieren.
In Deutschland erkranken etwa 800.000 Menschen, das ist ein Prozent der Bevölkerung, mindestens einmal im Leben an Schizophrenie. Sie leiden unter Halluzinationen, Angstzuständen, Denk- und Wahrnehmungsstörungen. Stress und traumatische Erlebnisse, aber auch verstärkter Drogenkonsum, können bei erblich vorbelasteten, d.h. besonders sensiblen Menschen die Krankheit zum Ausbruch bringen. Der Leidensdruck für Betroffene und Angehörige ist außerordentlich groß. Etwa zehn bis fünfzehn Prozent der Patienten begehen innerhalb der ersten zehn Jahre nach dem Krankheitsausbruch Selbstmord. Dabei ist die Erkrankung kein unausweichliches Schicksal: In der Mehrzahl der Fälle ist es möglich, durch Medikamente und Psychotherapie die Symptome zum Abklingen zu bringen und Rückfälle zu vermeiden.
Die Mehrheit weiß nichts über die Ursachen von Schizophrenie
In weiten Teilen der Öffentlichkeit gelten Schizophreniepatienten als unheimlich und gefährlich. Die gesellschaftliche Ausgrenzung hat tragische Folgen, denn sie verschlimmert die Symptome und verhindert vielfach die Rückkehr der Erkrankten in den normalen Alltag. Eine repräsentative Bevölkerungsbefragung von "open the doors" e.V. ergab: Fast drei Viertel der Befragten wissen nichts über die Ursachen der Schizophrenie, und 79 Prozent glauben, dass Schizophrene unter gespaltener Persönlichkeit leiden. Dabei handelt es sich um ein besonders hartnäckiges Vorurteil: In Wahrheit zerfällt die Persönlichkeit eines Schizophreniekranken nicht in widersprüchliche Eigenschaften. Die Krankheit führt vielmehr zu einer gestörten Denk-, Wahrnehmungs- und Kommunikationsfähigkeit. Zum Zerrbild der Schizophrenie tragen auch die Medien bei: Die meisten Menschen, die von "open the doors" befragt wurden, gaben an, dass sie Schizophreniekranke in der Presse, in Fernsehen und Film vor allem als gewalttätig und kriminell erlebt hätten. Dazu passt, dass fast zwanzig Prozent der Befragten in den Schizophreniepatienten eine Gefährdung für die Öffentlichkeit sehen. Mit der Realität haben solche Klischees nichts zu tun: Nur ein kleiner Bruchteil aller Schizophreniekranken kommt mit dem Gesetz in Konflikt.
Internationales Programm zur Aufklärung über die Krankheit
Immerhin: Fast 80 Prozent der Befragten halten breit angelegte Aufklärungsmaßnahmen für notwendig, um die Akzeptanz psychisch kranker Menschen in der Bevölkerung zu erhöhen, 87,8 Prozent sprechen sich für mehr positive Medienberichte aus, etwas über 80 Prozent wünschen sich mehr Möglichkeiten der persönlichen Begegnung. Für diese Ziele engagiert sich in Deutschland der Verein "open the doors" e.V. als Teil eines internationalen Programms, das der Weltverband für Psychiatrie 1998 gestartet hat. Unter dem Dach des Vereins finden verschiedene Projekte in Düsseldorf, München, Leipzig, Hamburg, Itzehoe und Kiel statt mit dem Ziel, Aufklärungsarbeit zu leisten und Akzeptanz für die Erkrankten zu schaffen. Koordiniert werden gemeinsame Aktivitäten von Prof. Dr. Wolfgang Gaebel, Leitender Arzt der Rheinischen Kliniken, Kliniken der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Hier ist außerdem die Zentrale des "Kompetenznetzes Schizophrenie" angesiedelt, eines bundesweiten Forschungsverbundes mit dem Ziel, Diagnostik, Prävention, Therapie und Rehabilitation schizophrener Störungen besser zu koordinieren.
"Stigma Alarm Netzwerk" im Internet
Das Programm von "open the doors" umfasst Vorträge, Ausstellungen, Lesungen, Podiumsdiskussionen, Schülerwettbewerbe, Pressearbeit und Fortbildungsveranstaltungen. Es richtet sich an die allgemeine Bevölkerung ebenso wie an spezielle Zielgruppen wie z.B. Lehrer oder Journalisten.
Seit Anfang des Jahres wurde darüber hinaus das Stigma Alarm NEtzwerk SANE im Internet unter www.openthedoors.de eingerichtet, über das Fälle von Diskriminierung psychisch Kranker gemeldet und Protestaktionen organisiert werden. SANE kann bereits erste Erfolge verzeichnen: So wurde nach massiven Protesten von Patienten und Angehörigen eine bundesweit geschaltete Werbeanzeige mit diskriminierendem Inhalt zurückgezogen.
"open the doors ist keine kurzfristige Kampagne", so Prof. Gaebel, "sondern ein Aufklärungsprogramm mit langem Atem, um Stigma und Diskriminierung nachhaltig zu reduzieren. Die ersten Ergebnisse, die wir erzielen konnten, stimmen uns optimistisch. Entscheidend wird sein, dass Menschen, die an Psychosen leiden, und ihre Angehörigen in den Medien mehr Gehör finden - über den Verein, über regionale Dialog-Foren und über ihre eigenen Verbände."
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