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08.02.2002
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Die krankhafte Angst, ohne erkennbaren Anlass ...


Von Peter Leveringhaus


München (ddp). Jeder kennt das Gefühl der Angst. Sie ist unangenehm, aber in Ausnahmesituationen mitunter lebensnotwendig: zum Beispiel, um drohender Gefahr ausweichen zu können. Erst wenn Angst ohne erkennbaren Anlass, besonders häufig und Leidensdruck verursachend auftritt, spricht man von Angststörungen. Einer Studie zufolge sind gegenwärtig rund zwei Millionen Menschen in Deutschland betroffen, also etwa 2,5 Prozent der Bevölkerung. Peter Zwanzger, Arzt an der Psychiatrischen Klinik und Poliklinik der LMU München, nennt zudem Untersuchungen, wonach 10 bis 15 Prozent einmal während ihres ganzen Lebens eine Angststörung entwickeln. «Viele Betroffene erkennen ihr Problem aber erst gar nicht oder sie verschweigen es aus Angst oder Scham», gibt Zwanzger zu bedenken. Die Angststörungen als eine Form der psychischen Erkrankungen sind in den letzten Jahren immer weiter in den Blickpunkt gerückt. Dem «Gesundheitsreport 2001» der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) zufolge waren psychosomatische Erkrankungen im Jahr 2000 mit einem Anteil von 7,5 Prozent schon die vierthäufigste Krankheitsursache hierzulande.


Zuwachs an Stressfaktoren

Seit 1997 stieg die Zahl der durch psychische Erkrankungen bedingten Ausfalltage um 42 Prozent. Als einen Grund für diese Zunahme vermuten Experten eine allmählich verbesserte Diagnose psychischer Erkrankungen aber auch einen Zuwachs an Stressfaktoren im beruflichen wie privaten Bereich. Aber: Nach Angaben von Forschern der TU Dresden werden nur vier Prozent der Angstpatienten von Anfang an richtig behandelt. «Nicht selten gehen sie mit nervösen Magen- und Darmbeschwerden zum Internisten. Oft lautet da aber der Befund: 'Es fehlt Ihnen nichts.' Das heißt, die Patienten erleben zwar ihre körperlichen Symptome, die Ursachen bleiben jedoch häufig verborgen», erklärt Zwanzger. Genauso komme es vor, dass Betroffene mit Symptomen wie Herzrasen, Druck auf dem Brustkorb, Atemnot und Schwindelgefühlen einen Herzinfarkt vermuteten. Um Angststörungen medizinisch erkennen zu können, sei daher «eine umfassende Diagnostik erforderlich». Den ersten Schritt zum Erkennen müssten die Betroffenen oft selber tun. Dabei sollte man allerdings auch nicht überkritisch sein: «Eine Angststörung ist nicht zu verwechseln mit der Ängstlichkeit. Sie ist lediglich ein Persönlichkeitsmerkmal, welches das Erleben und Verhalten der jeweiligen Person kaum verändert», betont der Münchner Mediziner. Die krankhafte Angst hingegen unterscheide sich dadurch, dass sie öfter und länger anhaltende Angstzustände mit sich bringe. Wenn jegliche äußerlich erkennbare Bedrohung fehle, der Angstzustand nicht mehr kontrolliert oder ausgeschaltet werden könne und er spürbar Leid verursache, sei die Angst zur Krankheit geworden.


Angststörungen - vielfältige Ausprägungen

Angststörungen können vielfältige Ausprägungen haben. Manche Formen sind leicht zu erkennen wie beispielsweise die Höhenangst, bei der die Symptome offensichtlich sind. Ähnliches gilt für Tunnelangst, Platzangst (Agoraphobie) oder Spinnenangst (Arachnophobie). Schwieriger ist die Lage bei der «generalisierten Angststörung», bei denen tieferreichende Sorgen aus einem oder verschiedenen Lebensbereichen (Partnerschaft, Familie, Arbeit, Finanzen) alles andere überschatten. Die Auswirkungen reichen von Ängstlichkeit, Konzentrationsstörungen, Nervosität, innerer Unruhe über Müdigkeit, Schweißausbrüche und Herzklopfen bis hin zu Erstickungsängsten und Schlafstörungen. Ähnlich sind die Symptome bei sogenannten Panikattacken, mit dem Unterschied, dass sie urplötzlich auftreten und wieder verschwinden.


Ursachen

«Die Ursachen für eine Angststörung sind unterschiedlich», erläutert Zwanzger. Zum einen gebe es erbliche Veranlagungen, die so genannte genetische Disposition. Zudem spielen biologische Veränderungen im Körper wie zum Beispiel eine Stoffwechselverschiebung oder eine Störung im Gleichgewicht der Botenstoffe, den Neurotransmittern, eine erhebliche Rolle. «Aber auch psychologische Einflüsse können ein Auslöser für eine Angststörung sein. Frühe Kindheitserfahrungen, berufliche Belastung und Stress sowie private Erlebnisse können das Wohlbefinden stark nachteilig beeinflussen», fügt Zwanzger hinzu. Behandeln lässt sich eine Angststörung zumeist mit einer Kombination verschiedener Verfahren: «Als am erfolgreichsten erwiesen hat sich häufig eine Verhaltenstherapie, die von einer medikamentösen Behandlung begleitet wird.» Bei der Verhaltenstherapie lernen die Patienten, sich mit den Situationen, aus denen ihre Angst entsteht, auseinanderzusetzen. «Durch wiederholtes Üben von Vorstellungen wie 'Was wäre wenn...' erkennen die Patienten, wie sich ihr Problem entwickelt und wie sie den Aufschaukelungsprozess stoppen können.» Die unterstützenden Medikamente, die mittlerweile sehr gut verträglich seien, könnten nach einer Zeit wieder abgesetzt werden. Beruhigungsmittel hingegen - lange Zeit als simples Allheilmittel missverstanden - brächten zumeist nur eine kurzfristige Wirkung.

(c) ddp 2001


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