|
|
Berlin/München (ddp). Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) weist Forderungen aus Bayern nach schärferen Gesetzen als Konsequenz aus dem Mord an einem neunjährigen Münchner Jungen durch einen Wiederholungstäter zurück. Zypries sagte am Samstag der Nachrichtenagentur ddp, es gebe auf Basis der bislang bekannten Ermittlungsergebnisse im Moment "keinen Bedarf, neue gesetzliche Regelungen zu schaffen". So sei eine nachträgliche Sicherungsverwahrung seit dem Juli vergangenen Jahres auch bei Heranwachsenden möglich.
Zypries wandte sich auch gegen den Vorstoß der bayerischen Justizministerin Beate Merk (CSU), die Möglichkeit einer "Zwangstherapie" zu prüfen. Alle Fachleute und Experten seien sich darin einig, dass dies nichts bringe. Schließlich verspreche eine Therapie unter Zwang keinen Erfolg.
Merk hatte zuvor dem Nachrichtenmagazin "Focus" gesagt, es könne nicht angehen, dass "ein vorbestrafter Gewaltverbrecher bei Haftentlassung eine Therapie-Auflage hartnäckig ignoriert". Der Staat müsse eine Möglichkeit haben, einen solchen Verstoß zu sanktionieren.
Ein 28-Jähriger hatte am Freitag gestanden, den Münchner Schüler sexuell missbraucht und anschließend erstickt zu haben. Der Mann hatte bereits 1994 in Regensburg einen elfjährigen Jungen mit 70 Messerstichen getötet. Er wurde deshalb zu einer Jugendstrafe von neun Jahren verurteilt. Seit April 2004 war der Mann wieder auf freiem Fuß, hielt sich jedoch nicht an die Weisung, sich einer Therapie zu unterziehen.
Dazu auch:
Mord an Neunjährigem in München offenbar lange geplant
|
|