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Von ddp-Korrespondentin Katrin Schüler
Rostock (ddp-nrd). Mecklenburg-Vorpommern sucht "Anstifter". Vor allem im sozialen Bereich, aber auch zur Rettung seiner Natur- und Kulturschätze ist das Land mehr und mehr auf privates Engagement angewiesen. Auf diesem Feld sind zwar schon 116 Stiftungen aktiv. Verglichen mit anderen Bundesländern und auch mit der reichen Stiftungsgeschichte in Mecklenburg-Vorpommern in vergangenen Jahrhunderten hat der Nordosten aber noch einen großen Nachholebedarf. Die Landesregierung wolle jetzt per Gesetz weitere Steine für mehr Bürgerengagement aus dem Weg räumen, hieß es auf dem ersten Stiftungstag des Landes am Wochenende in Rostock.
Das Betätigungsfeld für Stifungen war und ist riesig. Wurden früher vor allem "unbescholtene Bedürftige", "Witwen von Predigern" oder Hinterbliebene reicher Stifter gefördert, hat sich das Anliegen moderner Stiftungen auch in andere Richtungen entwickelt. So werden heute Ausnahmetalente in Musik und Theater unterstützt; Umweltstiftungen investieren in den Ankauf von Grundstücken für praktizierten Naturschutz und Mäzene fördern Wissenschaft und Forschung. Stiftungen gab es im Norden vor allem im Umkreis der Hansestädte und reicher Kaufleute. Auch heute weite sich das Bürgerengagement vor allem in den Städten aus, sagte Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD).
Mit sechs Stiftungen auf 100 000 Einwohner ist der Nordosten eines der Schlusslichter in der deutschen Stiftungslandschaft. Andere norddeutsche Länder wie Hamburg, Bremen oder Schleswig-Holstein glänzen mit 53, 37 beziehungsweise 18 Stiftungen pro 100 000 Einwohner. "Stiftungen haben in aller Regel aber auch etwas mit Vermögen zu tun", sagte der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Stiftungen, Fritz Brickwedde. Da dürfe es nicht überraschen, wenn in Ostdeutschland der Stiftungsboom mit Verzögerung einsetze.
Nichtsdestotrotz macht der Nordosten auf sich aufmerksam. Mangels Kapital finden sich hier immer mehr am Gemeinwohl Interessierte in so genannten Bürgerstiftungen zusammen. Nicht das Geld Einzelner sei interessant, sondern kleine Beiträge vieler Stifter, sagte Brickwedde. Mit Sachverstand, Zeit und Engagement werden vor allem lokale Projekte gefördert. Als gutes Beispiel gilt die Wismarer Bürgerstiftung, die sich seit 1998 der Förderung von Kultur, Sport und Sozialem verschrieben hat. Auch in Schwerin und Rostock gibt es Bürgerstiftungen, die Brickwedde als ganz moderne Form der Stiftung bezeichnete. Erst 50 gebe es bundesweit, noch einmal so viele seien aber in Gründung.
Der Bundesverband bemüht sich auch, alte Stiftungen im Nordosten wiederzubeleben. Vor dem Krieg soll es in der Region rund 400 Stiftungen gegeben haben. Ein Teil hat die DDR-Zeit überlebt, dazu gehören vor allem die Betreiber karitativer Einrichtungen. Mit Hilfe des Bundesverbandes wurden drei Stiftungen neu gegründet, die sich auf Arbeit und Vermögen elf alter Organisationen stützen.
Bürgerengagement sei auch in Vereinen und Initiativen möglich, sagte Brickwedde. Stiftungen aber setzten vor allem auf dauerhafte Förderung. Land und die Kirchen seien damit bei weitem überfordert, sagte Ringstorff. Um Neugründungen zu unterstützen werde Mecklenburg-Vorpommern deshalb das Stiftungsrecht modernisieren. So solle auf Anzeigepflichten und Genehmigungsvorbehalte verzichtet werden, um die Stifterfreiheit weiter zu stärken.
Stiftungsjahr 2004
Rostock (ddp-nrd). In Deutschland gibt es rund 13 000 Stiftungen. Dabei wurde im vergangenen Jahr ein regelrechter Gründungsboom verzeichnet. 852 Stiftungen bürgerlichen Rechts wurden 2004 bundesweit neu gegründet. Mit 184 neuen Institutionen war Nordrhein-Westfalen Spitzenreiter. In Mecklenburg-Vorpommern gab es dagegen nur neun Neugründungen, eine mehr als im Saarland, das den letzten Platz in der Statistik belegte.
Bei der Zahl der Stiftungen pro 100 000 Einwohner liegt weiter Hamburg mit 53 vorn, danach folgen Bremen mit 37 und Hessen mit 21 Stiftungen. Schlusslichter sind Brandenburg mit 4, Sachsen mit 5 und Mecklenburg-Vorpommern mit 6 Stiftungen. Im bundesweiten Durchschnitt gibt es 16 Stiftungen pro 100 000 Einwohner und damit eine mehr als 2003.
Internet: http://www.stiftungen.org
Von Fürsorge bis Talentförderung - Stiftungen im Nordosten
Rostock (ddp-nrd). In Mecklenburg-Vorpommern gibt es derzeit weit mehr als 100 aktive Stiftungen. Die meisten von ihnen unterstützen soziale Projekte, einige fördern aber auch Kultur, Sport, Wissenschaft und Forschung. Eine Auswahl:
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"Jung für Alt und Alt für Jung", gegründet 2002 in Bergen auf Rügen,
fördert Jugend- und Altenhilfeprojekte |
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Nieklitzer Ökologie- und Ökotechnologie Stiftung, gegründet 2000 in Nieklitz,
Förderung von Natur- und Umweltschutz |
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Penzliner Armenkasten, gegründet 1913 in Penzlin, Unterstützung hilfsbedürftiger
Einwohner, diakonische Aufgaben |
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Wolfgang und Brigitte Steffen Stiftung, gegründet 1999, Förderung von Bildung
und Erziehung vor allem für Schüler der Christophorusgymnasiums Rostock |
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Christian Müther Stiftung, gegründet 1995,
veranstaltet Seereisen für asthmakranke Kinder |
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Alfred-Krupp-Kolleg, gegründet 2000 in Greifswald, fördert Wissenschaft und
Forschung an der Uni Greifswald |
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Ernst-Barlach-Stiftung, gegründet 1993 in Güstrow, fördert Projekte
im Andenken an den Künstler Barlach |
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Stiftung Wald und Wild, gegründet 1998 in Schildfeld, engagiert sich für Erhalt
von Wald, Feld, Wiese und See als Lebensgrundlage von Pflanzen und Tieren |
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