|
|
Von Manfred Rey
Berlin (ddp). Papst Johannes Paul II. hat mit einem angeblichen Vergleich von Holocaust und Abtreibung Empörung in Deutschland ausgelöst. Der Vergleich entstammt Medienberichten zufolge dem neuen Papst-Buch "Erinnerung und Identität - Gespräche an der Schwelle zwischen den Jahrtausenden", das am Mittwoch weltweit erscheinen soll. Entschiedene Kritik kam vom Zentralrat der Juden in Deutschland, den Grünen und der FDP.
Medienberichten zufolge rückt das Kirchenoberhaupt in seinem fünften Buch, das in Deutschland bei der Augsburger "Weltbild"-Verlagsgruppe erscheint, Abtreibungen in die Nähe des Holocaust. Die Vernichtung von Juden habe aufgehört, die legale Vernichtung ungeborenen menschlichen Lebens bestehe jedoch fort, heiße es in dem Werk.
Der Präsident des Zentralrates, Paul Spiegel, sagte, die "Spitze der katholischen Kirche" habe nicht begriffen, "dass es einen gewaltigen Unterschied gibt zwischen einem fabrikmäßigen Völkermord und dem, was Frauen mit ihrem Körper tun".
Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, betonte: "Wenn der Papst Abtreibung und den Holocaust in einen Zusammenhang bringt, fehlt es ihm an moralischer und ethischer Orientierung". Die katholische Kirche habe ihren Anspruch auf moralische Autorität verloren, wenn sie nicht unterscheiden könne "zwischen Verzicht auf Strafverfolgung bei der individuellen Entscheidung zur Abtreibung und staatlich organisiertem Völkermord". Beck forderte den Heiligen Vater auf, das Buch zurückzuziehen.
Der Grünen-Politiker wirft dem Papst darüber hinaus Volksverhetzung wegen dessen Äußerung zur Schwulenehe vor. In dem Buch stellt Johannes Paul II. die Vermutung an, ob hier nicht "wieder eine neue Ideologie des Bösen am Werk ist, die versucht, gegen den Menschen und gegen die Familie sogar das Menschenrecht auszunutzen", wenn das Europäische Parlament darauf dränge, die homosexuelle Ehe als alternative Form der Familie anzuerkennen.
FDP-Chef Guido Westerwelle bezeichnete den Zusammenhang von Holocaust und Abtreibung als "bestürzende moralische Fehlleistung". Auch die Äußerungen des Kirchenoberhauptes zur Familie kritisierte Westerwelle: "Neue Formen des Zusammenlebens, in denen Menschen Verantwortung übernehmen, sind keine 'Ideologie des Bösen', sondern ein Ausdruck der christlichen Hinwendung des Menschen zum Menschen."
|
|