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Von ddp-Korrespondent Kai Gerullis
Hamburg (ddp). Es ist nur ein kleiner Stich, doch der kann böse Folgen haben. Wer nach einer Wanderung durch den Wald oder beim Picknick im Grünen plötzlich eine Zecke in seiner Haut entdeckt, bei dem sollten die Alarmglocken läuten. Denn die kleinen Blutsauger können Krankheiten wie Borreliose oder die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Während es gegen die Borreliose hierzulande bisher keine wirksame Vorbeugung gibt, kann eine FSME-Infektion mit einfachen Mitteln verhindert werden: Gegen die Krankheit, die unter anderem schwere Hirnhaut- oder Rückenmarkentzündungen auslösen kann, gibt es eine wirksame Impfung.
"Das Problem ist aber, dass ein Schutz-Bewusstsein kaum vorhanden ist. Die Impfung interessiert oft nur im Sommer, wenn die Zecken kommen", sagt Professor Reinhard Kaiser, Chefarzt der Neurologischen Klinik Pforzheim. Dabei sei gerade der Beginn des Jahres ein idealer Zeitpunkt, sich gegen die Folgen eines Zeckenstichs zu immunisieren. "Die Impfung ist zwar generell das ganze Jahr über möglich. Aber wer sich jetzt immunisieren lässt, ist geschützt, wenn im Frühjahr die Zeit der Zecken wieder richtig losgeht", macht der Mediziner deutlich.
Die Zahl der Infektionen mit FSME ist nach Beobachtungen von Professor Jochen Süss vom Friedrich-Löffler-Institut in Jena in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. So sind in Deutschland im Jahr 2004 fast 300 Menschen an FSME erkrankt - jeder dritte davon schwer. "Für den erheblichen Zuwachs der Infektionen gibt es viele Gründe. Dazu gehört, dass die Deutschen immer mehr Aktivitäten in die Natur verlegen. Aber auch die globale Erwärmung scheint eine Ursache zu sein", erklärt der Biologe.
Auch wenn die FSME schon bei Kindern langanhaltende Folgen haben kann, sind von der Nervenkrankheit in erster Linie Erwachsene betroffen, belegen aktuelle Forschungen. "Je älter die Patienten sind, desto größer ist das Risiko", sagt Kaiser. "Wer das 50. Lebensjahr überschritten hat, erkrankt deutlich schwerer an der FSME", betont Kaiser. Er hat in einer Langzeitstudie über 1000 Krankheitsverläufe der FSME dokumentiert und ausgewertet.
Laut der Untersuchung sei das Sterberisiko bei einer FSME-Erkrankung ab dem 50. Lebensjahr etwa 15 Mal höher. Die Mediziner sehen das allgemeine Nachlassen der Abwehrkräfte mit zunehmendem Alter als Erklärung hierfür. Auffällig ist auch das Ergebnis, dass Männer doppelt so häufig wie Frauen an der FSME erkranken.
Eine generelle Impfung sehen die Experten dennoch als überflüssig an. "Der Schutz ist hauptsächlich wichtig für alle, die in die Risikogebiete fahren oder dort leben", meint Kaiser. Das sind in Europa in erster Linie Österreich, Russland, Polen, Südschweden und das Baltikum. In Deutschland gelten Baden-Württemberg, Teile von Bayern, der Odenwald und einzelne Landkreise von Thüringen als Verbreitungsgebiet der FSME. "Jeder, der in diesen Gebieten lebt oder sich dort aufhält und ein Zeckenstich-Risiko hat, sollte sich impfen lassen. Selbst wenn vor Ort nur ein Vier-Stunden-Spaziergang geplant ist. Das ist wie eine Lebensversicherung", betont Süss.
Die Impfung übernimmt der Hausarzt. Sie erfolgt in drei Etappen. Zuerst werden zwei Injektionen im Abstand von ein bis drei Monaten verabreicht. Damit ist ein Basis-Schutz garantiert, der für eine Saison reicht. Wer sich neun bis zwölf Monate später eine weitere Spritze geben lässt, ist für drei Jahre gegen FSME und ihre Folgen gewappnet. Gegenwärtig gibt es zwei Impfstoffe für Kinder und zwei für Erwachsene. "Alle weisen eine hohe Qualität auf. Das Risiko von Nebenwirkungen entspricht dem aller anderen bekannten Impfstoffe, einer wesentlichen Nebenwirkung bei einer Million Verabreichungen", erzählt Süss.
Ob die Kosten für die Impfung übernommen werden, ist von Krankenkasse zu Krankenkasse unterschiedlich. Der Bundesverband der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) empfiehlt deshalb, sich vor der Impfung bei seiner Kasse zu informieren und dabei besonders auch auf geplante Reisen in Zecken-Gebiete aufmerksam zu machen.
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
Berlin (ddp). Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird in Europa hauptsächlich durch infizierte Zecken auf den Menschen übertragen. Durch einen Zeckenstich gelangen die Viren in die Blutbahn und können dort die Krankheit auslösen. Das größte Ansteckungsrisiko besteht zwischen Frühjahr und Herbst, da eine Mindesttemperatur von 8 Grad Celsius erforderlich ist, damit sich der Erreger vermehren kann.
Nicht jeder Stich einer infizierten Zecke führt automatisch zum Ausbruch der Krankheit, nur bei etwa 30 Prozent der Infizierten treten Krankheitserscheinungen auf. Es kommt zunächst zu grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Schwindelgefühl und Erbrechen. Im weiteren Verlauf kann es zu gefährlichen Entzündungen der Hirnhaut, des Gehirns oder des Rückenmarks kommen. Eine Infektion von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.
Bester Schutz gegen die FSME ist die Impfung. Um darüber hinaus die gefährlichen Zeckenstiche zu vermeiden, empfehlen Experten, bei Wanderungen in gefährdeten Gebieten helle Kleidung zu tragen. So können Zecken schnell erkannt werden. Nach Aufenthalt in Risikoregionen sollte der Körper sorgfältig nach den Tieren abgesucht werden.
Wird eine Zecke entdeckt, darf sie auf keinen Fall gequetscht werden, da dann vermehrt Viren in den Körper gelangen können. Aus dem gleichen Grund sollte zum Entfernen der Tiere auch auf keinen Fall Öl oder Klebstoff angewandt werden. Die Zecke kann mit einer Pinzette aus der Haut gezogen werden. Nach der Entfernung der Zecke ist eine sorgfältige Desinfektion der Wunde nötig.
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