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03.03.2005



Übersicht "Meldung vom Tage" (Februar 2005)


21.02.05

Milliarden-Fusion in der Pharmabranche
Novartis kauft Hexal - Übernahme beflügelt Stada-Aktienkurs

ddp


Von Michael Wojtek

Basel (ddp). Der Schweizer Pharmakonzern Novartis übernimmt den bayerischen Generika-Hersteller Hexal und die Mehrheit an dem US-Unternehmen Eon Labs. Die beiden Firmen werden mit der Novartis-Generika-Sparte Sandoz fusioniert, die damit zum weltweit größten Hersteller von so genannten Nachahmermedikamenten avanciert.

Wie Novartis am Montag in Basel mitteilte, beträgt der Kaufpreis insgesamt 5,65 Milliarden Euro. Außerdem werde Novartis Eon Labs ein Kaufangebot für die verbleibenden Aktien unterbreiten. Die Transaktionen müssen noch von den Wettbewerbsbehörden genehmigt werden und sollen in der zweiten Hälfte des Jahres 2005 abgeschlossen sein.

"Die Übernahmen unterstreichen unser Engagement, eine führende Rolle bei der Herstellung sowohl von innovativen verschreibungspflichtigen Medikamenten als auch von qualitativ hochwertigen Generika und Selbstmedikationsprodukten einzunehmen", sagte Novartis-Chef Daniel Vasella. Angesichts der steigenden Gesundheitskosten auf Grund der wachsenden Nachfrage einer älter werdenden Bevölkerung seien Generika entscheidend, um den gesundheitlichen Bedürfnissen von Patienten in Industrie- und Entwicklungsländern gerecht zu werden, fügte er hinzu. Im Nachrichtensender n-tv schloss der Manager einen Stellenabbau im Zuge der Übernahmen nicht aus. Allerdings würden durch das angestrebte Wachstum auch neue Stellen geschaffen, betonte Vasella.

Hexal ist hinter Ratiopharm die Nummer zwei der deutschen Generikabranche. Das Abkommen mit Novartis diene der Sicherung der Zukunft von Hexal und damit auch den Mitarbeitern, sagte Thomas Strüngmann, der die Hexal AG mit seinem Zwillingsbruder, Andreas Strüngmann, 1986 gegründet und gemeinsam mit ihm geleitet hat. Die Brüder werden auch dem Managementteam des fusionierten Unternehmens angehören. Novartis erzielte 2004 mit rund 81 400 Beschäftigten einen Umsatz von 21,6 Milliarden Euro und einen Reingewinn von 4,5 Milliarden Euro. Die im bayrischen Holzkirchen beheimatete Hexal AG setzte im vergangenen Jahr rund 1,3 Milliarden Euro um. Das Unternehmen beschäftigt rund 7 000 Mitarbeiter in über 40 Ländern.

Analysten sagten in ersten Reaktionen, die Übernahme sei zwar relativ teuer, mache aber Sinn. Der Druck auf den deutschen Markt und besonders auf den Branchendritten Stada im hessischen Bad Vilbel dürfte sich jetzt erhöhen. Es sei wahrscheinlich, dass die Konsolidierung in der Generika-Branche weitergehe und damit auch die Spekulationen um eine Übernahmen von Stada. Diese hätten den Stada-Aktienkurs in jüngster Zeit nach oben gezogen. So habe das israelische Unternehmen Teva, die Nummer zwei auf dem Generika-Weltmarkt, in Deutschland noch keine sehr starke Marktposition und dürfte nach Übernahmekandidaten schauen.

Die Aktie der im Börsensegment MDAX notierten Stada AG legte bis zum Mittag bei hohen Umsätzen um gut sechs Prozent auf 24,50 Euro zu.



"Financial Times Deutschland"

"Auch zwischen Erfindern und ihren Kopisten können wunderbare Freundschaften entstehen. Der Schweizer Pharmakonzern Novartis setzt jedenfalls voll auf das Generikageschäft: Die Konzerntochter Sandoz wird durch die Übernahme des zweitgrößten deutschen Anbieters, Hexal, sowie der US-Firma Eon Labs zur Nummer Eins im Weltmarkt für Nachahmerpräparate aufsteigen. Andere Pharmaunternehmen werden mit ähnlichen Zukäufen nachziehen müssen. Die Generikabranche steht vor einer Konzentrationsrunde. Novartis zieht die Konsequenzen aus mehreren Trends im Pharmamarkt. Weltweit muss in den Gesundheitssystemen gespart werden, die billigeren Generika verzeichnen deshalb zuverlässig hohe Wachstumsraten. Die Entwicklung neuer Medikamente wird dagegen immer aufwändiger und ist mit großen wirtschaftlichen Risiken verbunden. Für Unternehmen, die mit eigener Forschung auf der Suche nach dem nächsten Verkaufsschlager sind, liegt es daher nahe, sich auch im Markt der Zweitverwertung zu positionieren, der eröffnet wird, sobald der Patentschutz für ein Mittel ausläuft. Hinzu kommt, dass die Branche der Generikahersteller bisher noch relativ zersplittert ist, so dass Größenvorteile winken. Hexal etwa ist bislang ein Unternehmen in Familienbesitz. Ein Riese wie Sandoz kann kostengünstiger produzieren, ein breiteres Sortiment anbieten, international eine starke Marke aufbauen und einen schlagkräftigeren Vertrieb auf die Beine stellen. Wenn künftig Patente zeitgleich in ganz Europa ablaufen, dann werden die Großen im Generikageschäft die Nase ganz vorn haben."


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