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10:40 Uhr
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Von ddp-Korrespondentin Anett Böttger
Niesky (ddp-lsc). Wenn Menschen zunehmend an Demenz leiden, kommen Angehörige oft nur schwer damit zurecht. Die unheilbare und fortschreitende Krankheit hat zahlreiche Facetten. Patienten haben die Orientierung in Zeit und Raum verloren, wissen mitunter nicht mehr, wer sie sind, können sich an vieles nicht erinnern, sind ausgesprochen unruhig, leben teilweise in einer anderen Welt. In vielen Fällen sind Betroffene ständig auf Hilfe angewiesen. Nicht selten fühlen sich die Familien allerdings mit der Pflege seelisch oder zeitlich überfordert und müssen ihre kranken Verwandten deshalb ins Heim geben.
Etwa die Hälfte der 84 alten Leute, die im Pflegeheim "Abendfrieden" der Diakonissenanstalt "Emmaus" in Niesky wohnen, sind mehr oder weniger an Demenz erkrankt. Die Altenhilfe hat sich lange Zeit an dem Ansatz orientiert, Menschen mit diesem Krankheitsbild nicht auszugrenzen. Doch seit einigen Jahren vollzieht sich ein Wandel, weil Integration von Demenzkranken nur schwer möglich ist, gesteht Heimleiter Imanuel Vollprecht. Toleranzgrenzen würden mitunter überschritten, wenn sich psychisch gesunde Bewohner durch sie gestört fühlten.
Schon seit 2000 hat das Nieskyer Pflegeheim eine Tagesgruppe für altersverwirrte Patienten. Eine speziell geschulte Mitarbeiterin betreut dort fünf bis sieben Heimbewohner, für etwa sieben Stunden nach einem streng geregelten Tagesablauf. Das Angebot reicht jedoch nicht aus. Deshalb will die Leitung des Hauses nun einen ganzen Wohnbereich für Demenzkranke schaffen. Andere Einrichtungen haben das bereits vorgemacht. In Mülsen bei Zwickau oder im Rothenburger Martinshof hat sich Vollprecht umgeschaut und Anregungen geholt.
28 Demenzkranke sollen in dem neuen Wohnbereich des "Abendfriedens" untergebracht werden. Die Räume will Vollprecht besonders gestalten lassen, mit Kleidung, Handtaschen, Puppen und vielen anderen Dingen, die auf Tischen liegen, an Wänden hängen oder in den Gängen herumstehen, jedenfalls mit Sachen, die die Bewohner in die Hand nehmen dürfen. "Vielleicht richten wir auch eine Bügelecke oder einen Platz ein, wo die Leute Wäsche legen können", überlegt der Heimleiter. Die Demenz-Patienten sollen durch Beschäftigung gefesselt werden und gleichzeitig freien Lauf haben. An eine Vermischung von Pflege, Therapie und Hauswirtschaft denkt Vollprecht in dem neuen Wohnbereich. Im Februar wollen die Mitarbeiter des Hauses den Umzug vorbereiten, der im März beginnen soll.
Generell kommen die Menschen in der Regel erst im schwer bis schwerstpflegebedürftigen Zustand ins Haus, sind dann nicht mehr in der Lage, sich selbst zu kümmern. Überhaupt ist der Anteil der Pflegestufen II und III gestiegen. "Die Menschen werden immer älter", nennt Vollprecht einen entscheidenden Grund. Das Durchschnittsalter im "Abendfrieden" liegt bei etwa 85 Jahren. Und rund 70 Prozent der Bewohner sind Frauen.
Seit der modernisierte und umgebaute "Abendfrieden" in Niesky Ende 2000 eröffnet wurde, hat das Heim weitaus bessere räumliche Voraussetzungen, um alten Menschen den Lebensabend so angenehm wie möglich zu gestalten, sagt Vollprecht. Viel Wert wird auf Gemeinschaft gelegt. So soll nach Möglichkeit keiner allein auf seinem Zimmer essen. Und der Weg zu den gemeinsamen Mahlzeiten sei zugleich eine gute Gelegenheit, Mobilität natürlich zu erhalten, selbst wenn es nur ein paar Schritte zu den Gruppenräumen sind.
www.emmaus-niesky.de
Die Alzheimer-Erkrankung
Dresden (ddp-lsc). Die Alzheimer-Krankheit ist eine hirnorganische Krankheit, die gekennzeichnet ist durch den fortschreitenden Untergang von Nervenzellen und Nervenzellenkontakten. Im Gehirn sind typische Eiweißablagerungen festzustellen. Das Krankheitsbild ist gekennzeichnet durch Gedächtnis- und Orientierungsstörungen sowie Störungen des Denk- und Urteilsvermögens, die die Bewältigung eines normalen Alltagslebens immer schwieriger machen. Die Patienten sind zunehmend auf Hilfe angewiesen.
Die Alzheimer-Krankheit ist nach dem deutschen Neurologen Alois Alzheimer (1864 - 1915) benannt, der die Krankheit erstmals im Jahre 1906 wissenschaftlich beschrieben hat. Rund 70 Prozent aller Demenzen werden durch die Alzheimer-Krankheit hervorgerufen. Gegenwärtig leiden in Deutschland etwa eine Million Menschen an mittelschwer und schwer ausgeprägten Demenzerkrankungen. Die Häufigkeit nimmt mit dem Lebensalter zu. Unter den 70- bis 74-Jährigen sind vier Prozent betroffen, in der Altersgruppe von 85 bis 89 Jahre etwa 21 Prozent. Einige der Kranken sind körperlich völlig gesund, andere dagegen bettlägerig. Manche sind freundlich, andere aggressiv.
Zwei Drittel der Kranken werden in den Familien versorgt, zum Teil mit Unterstützung ambulanter Pflegedienste. Ein kleiner Teil der Patienten besucht Tagespflegeeinrichtungen. Wenn die häusliche Betreuung nicht mehr möglich ist, wird die Versorgung in einem Pflegeheim erforderlich.
www.deutsche-alzheimer.de
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