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03.03.2005



Übersicht "Meldung vom Tage" (Februar 2005)


23.02.05

Schlüsselgen für Legasthenie entdeckt

ddp


Washington (ddp). Ein Gen namens KIAA0319 könnte maßgeblich am Entstehen von Legasthenie beteiligt sein. Das schließen britische Wissenschaftler aus den Ergebnissen einer Untersuchung, in der sie das Erbgut von Legasthenikern mit dem von Menschen ohne Lese-Rechtschreibschwäche verglichen. Bei Legasthenikern waren bestimmte Veränderungen von KIAA0319 deutlich häufiger vertreten als bei den nicht betroffenen Kontrollpersonen, ergab die Auswertung. Welche Funktion das Schlüsselgen hat, können die Forscher um Natalie Cope von der Cardiff-Universität jedoch noch nicht sagen. Das berichtet der Online-Dienst der Fachzeitschrift "Science".

Bei Legasthenikern ist die Lese- und Schreib-Fähigkeit beeinträchtigt, ohne dass ansonsten eine geringere Intelligenz festgestellt werden kann. Insgesamt sind etwa zehn Prozent der Bevölkerung von dieser Einschränkung betroffen. Was genau dem Problem zugrunde liegt, ist bislang noch nicht vollständig aufgeklärt. Da sich Fälle von Legasthenie jedoch in bestimmten Familien häufen, gehen Wissenschaftler davon aus, dass genetische Faktoren eine entscheidende Rolle bei der Entstehung spielen. Als besonders vielversprechende Kandidaten bei der Identifizierung dieser Faktoren gelten dabei die Gene einer Region auf Chromosom 6, darunter auch das KIAA0319-Gen.

Um die verdächtige Region genauer einzugrenzen, untersuchten Cope und ihre Kollegen bei 223 Freiwilligen mit Legasthenie und 273 Kontrollprobanden, welche Gene typische Abweichungen zeigten. Besonders zwei Veränderungen der KIAA0319-Sequenz kamen bei den Legasthenikern deutlich häufiger vor als bei den Kontrollpersonen, zeigten die Ergebnisse. Wie die Abweichungen die Funktion des Gens verändern, wissen die Forscher jedoch noch nicht.

Frühere Studien hatten gezeigt, dass KIAA0319 sowohl im Gehirn als auch in den Nieren aktiv ist und wahrscheinlich dabei hilft, Verbindungen zwischen den Zellen zu bilden. Außerdem scheinen bestimmte Varianten des Gens extrem gute Leseleistungen zu begünstigen. Möglicherweise beeinflusst KIAA0219 die Lesefähigkeit, indem es die Wanderung der Gehirnzellen während der Gehirnentwicklung verändert, kommentiert Copes Kollege Anthony Monaco vom Wellcome-Trust-Center für Humangenetik die Ergebnisse. Neben der genetischen Veranlagung spielen wahrscheinlich noch emotionale und soziale Faktoren sowie Einflüsse während der Schwangerschaft eine Rolle bei der Entwicklung der Legasthenie.


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