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(OZ, Wiethagen). Gestern meldete ein Jäger im Stadtforst Wiethagen, in Strandnähe eine leblose Person gesehen zu haben. Revierförster Stefan Schlüter ahnte bereits, wer unter der Schneewehe steckt und konnte den Jäger beruhigen. Die vor Ort angesprochene Frau antwortete energisch: "Lassen Sie mich bitte in Ruhe" und schob sich wieder in ihren total zugeschneiten Unterschlupf aus Decken und einer Plastikplane, so Schlüter.
Die aus Berlin stammende Frau lebt seit mehreren Jahren entweder am Warnemünder, am Markgrafenheider oder am Graal-Müritzer Strand. Sie besitzt in der Hauptstadt eine Wohnung, zieht aber diese alternative Lebensweise vor. Dabei verstößt die Frau in keiner Weise gegen geltende Gesetze. Sie schläft unter freiem Himmel. Nie wurde gesehen, dass sie ein Feuer entfachte, sind die Revierförster beruhigt.
Anfang Februar wurde die Frau vom Graal-Müritzer Ordnungsamt per schriftlicher Verfügung aus dem Küstenwald "Uhlenflucht" verwiesen. Zivildienstleistende des Stadtforstamtes Rostock kümmerten sich daraufhin um die "Frau in den Dünen" wie man sie in der Region bereits nennt, und nahmen sie mit in die Rostocker Heide.
Die Frau lehnte jegliche Hilfe ab und wollte lediglich einen Rastplatz in der Nähe des Strandes zugewiesen bekommen. Die Zivildienstleistenden Henry Kapust und Paul Lücke besuchten sie bisher dreimal in ihrem neuen Zuhause und konnten sie lediglich dazu überreden, eine Isolationsmatte, einen Regenmantel und gespendete warme Frauenkleidung sowie einige Hygieneartikel anzunehmen. Inzwischen besitzt sie auch ein Fahrrad, das immer neben ihrem Schlafplatz abgestellt ist. Die wenigen kurzen Gespräche wurden stets sofort abgebrochen, wenn nach dem Grund ihrer jetzigen Lebensweise gefragt wurde. "Ich brauche das Meer und die Bäume und vertraue nur mir selbst."
"Wir werden uns auch weiterhin um die Frau in den Dünen kümmern, zumindest in dem Rahmen, den sie selbst zulässt", verspricht Revierförster Roger Köhler. In den letzten Tagen gab es mehrere Anfragen im Amt. Er bittet alle Wanderer, diese Frau in Ruhe zu lassen und ihre Lebensweise zu akzeptieren.

Alter Schlafplatz im Küstenschutzwald Uhlenflucht.
So sahen Wanderer die Frau häufig, jetzt lebt sie
eingeschneit. Foto: Archiv/Roger Kähler
Mit freundlicher Genehmigung OSTSEE-ZEITUNG
Rostock und Umgebung, Wochenendausgabe, 26. Februar 2005
Im Internet recherchierbar unter: http://www.ostseezeitung.de
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