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Düsseldorf (ddp-nrw). Vom deutlichen Anstieg der Zahl pflegebedürftiger Menschen in den kommenden Jahren werden weniger die großen Städte in NRW als vielmehr die ländlichen Gemeinden betroffen sein. Zu diesem Schluss kommt eine Enquetekommission des Düsseldorfer Landtags, die sich über zwei Jahre lang mit der Zukunft der Pflege im Land befasst hatte. Zugleich wird der Bedarf an professioneller Pflege wachsen, wie Vertreter der Kommission am Dienstag in Düsseldorf erläuterten. Derzeit leben in NRW 460 000 pflegebedürftige Menschen.
Insgesamt wird ihre Zahl nach Prognosen bis 2040 um rund 240 000 oder 52 Prozent auf rund 700 000 steigen. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede: So wird die Zahl der Pflegebedürftigen beispielsweise in Heinsberg bis 2020 um bis zu 68 Prozent steigen, in Neuss um 64 Prozent und in Wesel um 61 Prozent.
Hingegen werden die Steigerungsraten in den großen Städten insbesondere des Ruhrgebietes unter 20 Prozent liegen. Grund dafür ist nach Erkenntnissen der Kommission, dass seit den 1980er Jahren immer mehr Familien mit Kindern aus den großen Städten in die umliegenden so genannten Speckgürtel gezogen sind.
Von den derzeit rund 460 000 Pflegebedürftigen werden derzeit rund 70 Prozent zuhause von Angehörigen gepflegt, die der "größte Pflegedienst der Nation" seien. Die Pflegenden seien dabei in erster Linie Ehefrauen und Töchter. Da die Zahl der Kinder aber stetig sinke und Frauen verstärkt berufstätig seien, steige der Bedarf an professioneller Pflege in den kommenden Jahren deutlich an, erläuterte SPD-Kommissionsmitglied Ralf Jäger.
Auf diese Entwicklung müssen sich die Kommunen nach Ansicht der Kommission einstellen. Ziel dabei sei, ambulanten Betreuungssystemen Vorrang vor stationären zu geben, betonte die Grünen-Politikern Barbara Steffens. Der Großteil der pflegebedürftigen Menschen wünsche, weiter in den eigenen vier Wänden zu leben.
Dafür müsse die notwendige Infrastruktur geschaffen werden, beispielsweise durch barrierefreies Bauen. Kommunen sollten nach Ansicht der Kommission auch finanzielle Anreize erhalten, verstärkt in ambulante Strukturen zu investieren, möglicherweise auch über Leistungen aus der Pflegeversicherung.
Deutlich ansteigen wird in den kommenden Jahren auch der Bedarf an qualifizierten Pflegekräften. Experten gingen von einem Potenzial von bis zu 200 000 zusätzlichen Kräften in den kommenden 20 Jahren aus, erläuterte der CDU-Politiker Rudolf Henke. Derzeit arbeiten rund 158 000 Personen in der ambulanten, teilstationären oder stationären Pflege.
Die Zahl der Beschäftigten in den Heimen des Landes liegt bei rund 119 000 Mitarbeitern. In den ambulanten Pflegeinrichtungen sind knapp 39 000 tätig. Die Pflege sei ein attraktives Berufsfeld für die Zukunft, betonte Henke. Sicher gestellt werden müsse aber eine qualifizierte Fortbildung des Personals, um eine "Fließbandpflege" zu vermeiden.
Landessozialministerin Birgit Fischer (SPD) begrüßte den Bericht der Kommission. Er zeige, wie ernst die vier im Landtag vertretenen Parteien die Auswirkungen des demographischen Wandels und die damit verbundenen Herausforderungen auch im Bereich der Pflege nähmen.
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