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16.03.2005



Übersicht "Meldung vom Tage" (März 2005)


15.03

Hilfe für Süchtige auf dem "Knabenhügel"

ddp

Drogenklinik Moritzburg will jungen Menschen Wege aus der Sucht eröffnen

Von ddp-Korrespondent Ernst W. Raymund

Moritzburg (ddp-lsc). "Drogen sind nicht cool, sondern machen Dich fertig." Zu dieser Einsicht müssen nach den Worten von Chefärztin Karla Aust die jungen Leute gekommen bereits sein, die in der Drogenklinik Moritzburg Wege aus der Sucht gezeigt bekommen. Denn Freiwilligkeit ist die Grundvoraussetzung für eine Therapie auf dem "Knabenhügel", selbst dann, wenn die Auflage "Therapie statt Strafe" von einem Gericht kommt. Ingesamt 48 Plätze für Jugendliche und junge Erwachsene von 16 bis 25 Jahren bietet die Drogenabteilung der Evangelischen Fachkliniken Haidehof gGmbH an.

Moritzburg bietet Karla Aust zufolge keinen Entzug an. Das Attest "clean" ist neben der Freiwilligkeit Voraussetzung zur Aufnahme der Therapie, ebenso ein aktueller HIV- und Hepatitistest. Ein Drogentest, der ähnlich wie der Dopingtest im Leistungssport abläuft, steht am Anfang. Da die meisten Patienten bereits einen oder mehrere Anläufe unternommen haben, von ihrer Sucht loszukommen, ist ihnen die Prozedur bereits vertraut. Die Tests werden in unregelmäßigen Abständen wiederholt, vorzugsweise nach Ausgang oder Wochenendurlaub.

Ein positiver Test bedeutet jedoch nicht automatisch das Ende der Therapie. Carla Aust: "Rückschläge sind unvermeidlich, und die jungen Leute müssen lernen, Misserfolge zu verkraften." Behandelt wird jede Form der Drogensucht. Neben "weichen Drogen" wie Cannabis, LSD und Mescalin wird auch die Abhängigkeit von Heroin, Kokain oder Pilzen behandelt, Alkohol- und Medikamentensucht allerdings nur, wenn sie in Kombination mit Drogen auftritt.

Die Patienten können die Therapie jederzeit abbrechen. Auch die Wiederholung an gleicher Stelle ist möglich. Bei Minderjährigen muss das Einverständnis der Eltern vorliegen, ebenso die Kostenübernahmezusage durch die Krankenkasse, der Landesversicherungsanstalt oder des Sozialamts. Rund acht Patienten bilden eine Wohn- und Therapiegruppe. Die Therapeuten sind Mediziner, Psychologen, Pädagogen und Sozialarbeiter. Es geht nicht nur um die Überwindung der Sucht, sondern auch darum, für das Leben danach fit zu sein.

Die Klinik bietet regelmäßige Arbeit in einer Holz- und Fahrradwerkstatt an. Im Wildgehege soll der Umgang mit Tieren erlernt werden. Wichtig ist Sport. Beliebt sind Basket- und Volleyball in der Kliniksporthalle. Im Aufbau ist ein Fitnessraum. Wichtig sind vor allem Sozialkontakte, nicht nur in den Therapiegruppen. Gruppen- und Einzelsitzungen, Projekte, Ergo- und Kunsttherapie kommen hinzu.

Es beginnt mit einer Kerntherapie, die in der Regel sechs Monate dauert. In der Eingewöhnungsphase sind Außenkontakte nicht erlaubt. Wird sie überstanden, beginnt die Außenorientierung, sie schließt "cleane" Außenkontakte ein. Danach kann sich eine dreimonatige Adaptionstherapie anschließen. Dann können die Patienten in Moritzburger Betrieben arbeiten, je nach Leistungsvermögen vier, sechs oder acht Stunden pro Arbeitstag, und erhalten ein Taschengeld. Fragen nach der Rückfallquote beantwortet Karla Aust zurückhaltend, zumal die Junkies oft verschiedene Einrichtungen durchlaufen. 50 bis 60 Prozent schaffen es in der Regel, wenn auch nicht immer im ersten Anlauf.

Die heutige Drogenklinik hat eine lange Tradition. 1872 wurde in Moritzburg eine evangelische Kinder- und Jugendeinrichtung gegründet, die 1890 bereits eine der größten ihrer Art war. Jungen und Mädchen wurden damals getrennt betreut, und da die Jungen auf einem Hügel untergebracht waren, bürgerte sich der Name "Knabenhügel" für den Standort der heutigen Drogenklinik ein.


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