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Von ddp-Korrespondentin Angelika Schimmel
Stadtroda (ddp-lth). Etagenduschen und Toiletten auf dem Flur gehören für die Patienten in der Suchtklinik Stadtroda bald der Vergangenheit an. Die zum Asklepios-Verbund gehörende Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik wird eine neue Suchtklinik bauen. Der Thüringer Sozialminister, Klaus Zehn (CDU), übergibt dafür am Freitag einen Förderbescheid über 4,57 Millionen Euro. "Im dritten Quartal dieses Jahres soll Baubeginn sein, nach eineinhalb Jahren wollen wir die neue Klinik beziehen", sagt Verwaltungsdirektorin Petra Sprengler. Dann werde sich die Situation für die Patienten, ihre Ärzte und Betreuer deutlich bessern.
In der Klinik werden Alkohol- und Drogenabhängige akut versorgt. Wenn sie in die Klinik zum "Entgiften" kommen, haben die Patienten stets schon eine lange Leidenszeit hinter sich. Nach meist 14-tägiger Behandlung werden sie zur "Entwöhnung" in Rehabilitationseinrichtungen eingewiesen. Stadtroda ist eine von sieben Thüringer stationären Einrichtungen, in die Suchtkranke zum Entzug kommen. Insgesamt 172 Plätze stünden dafür im Freistaat bereit, sagt Falk Oesterheld, Abteilungsleiter Gesundheit im Erfurter Sozialministerium.
In den sechs Rehabilitationskliniken, unter anderem in Bad Klosterlausnitz, Römhild, Weimar und Bad Blankenburg, können mehr als 400 Betten belegt werden. "Die Kapazitäten sind deutlich höher, weil die Patienten hier mehrere Wochen betreut werden", erklärt er. Die medizinische Behandlung werde mit einer individuellen Aufarbeitung der Suchtentwicklung verbunden, sagt Oesterheld.
Neben den stationären Einrichtungen gebe es in Thüringen ein weites Netz ambulanter Beratungs- und Behandlungsstellen für Suchtkranke und ihre Angehörigen. Rund 180 fachkundige Berater stehen ihnen in 28 Haupt- und 28 Nebenstellen landesweit zur Verfügung. Alle Beratungsstellen seien in der Hand von Freien Trägern, erhielten jedoch finanzielle Unterstützung vom Land und den Kommunen, erläutert Oesterheld. Die Arbeit der Beratungsstellen gehe weit über die medizinische und psychologische Betreuung hinaus. Vermittelt würden auch Kontakte zu anderen Ratgebern, etwa zur Schuldnerberatung oder zur Jugendhilfe. "Sucht ist ein vielschichtiges Problem, sie zieht meist familiäre, finanzielle und andere Schwierigkeiten nach sich", erklärt er.
Deshalb gehören zur Suchthilfe auch ergänzende Angebote wie 15 betreute Wohngruppen, 13 Übergangswohnheime und 16 Arbeits- und Beschäftigungsprojekte. Sie alle haben das Ziel, den Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenabhängigen den Weg zurück in ein normales Leben zu ebnen. "Eine wesentliche Aufgabe kommt dabei den rund 100 Selbsthilfegruppen zu, die es heute in fast jeder Stadt in Thüringen gibt", sagt Oesterheld. Insgesamt sei die Versorgung Suchtkranker in Thüringen "nicht überdimensioniert, aber bedarfsgerecht". Für Personalkosten und Investitionen in diesem Bereich gebe das Land jährlich rund 15 Millionen Euro aus.
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