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Angehörige leiden ebenso unter der Krankheit wie Patienten. In den 60er Jahren vertraten einige Kliniker und Forscher in Großbritannien und den USA die Meinung, die Familie sei die Ursache der Schizophrenie.
Zur gleichen Zeit beschäftigten sich in Großbritannien andere Psychiater, insbesondere Brown, J.K. Wing, C.E. Vaughn und J.P. Leff, mit der viel wichtigeren Frage, inwieweit die Familie den Verlauf der Schizophrenie beeinflussen kann. Sie machten die Beobachtung, dass Patienten, die besonders häufig wiedererkrankten, oft in Familien leben, wo Eltern oder Geschwister den Patienten gegenüber negativ eingestellt sind, sie häufig kritisieren, ihre Unzufriedenheit zeigen und leicht die Beherrschung verlieren, sich das eher ungünstig auf den Verlauf der Erkrankung auswirken kann.
Diese Beobachtung wurde inzwischen von vielen anderen Untersuchern bestätigt. Die Untersuchungsergebnisse ergaben, dass bei ungünstigem Familienklima nach einem Jahr durchschnittlich etwa die Hälfte, nach zwei Jahren zwei Drittel der Patienten, bei günstigem Familienklima nach einem Jahr ein Fünftel, nach zwei Jahren weniger als ein Drittel Rückfälle auftraten.
1996 entwickelten K.-H. Walter und Irene Norberger (Angehörige psychisch Kranker) ein Programm Rückfallrisiko - Wie Angehörige beitragen können, das Rückfallrisiko bei schizophrenen Erkrankungen zu mindern.
In diesem Programm sind Vorgaben aus der Wissenschaft (Ursachentheorien, psychologische Verhaltensforschung wie z.B. Expressed Emotions) bewusst nicht zur Grundlage des Seminars gemacht. Vielmehr sollen die praktischen, hilfreich erlebten Erfahrungen der Angehörigen im Mittelpunkt stehen, ohne dass sie auf Verträglichkeit mit gängigen Theorien abgeklopft werden. Eine wissenschaftliche Begleitung des Prozesses wird nicht angestrebt.
Die Anwendung psycho-didaktischer Verfahren in den Seminaren wird kritisch erwogen. Das Seminar will also keine Standardregeln für günstiges Verhalten der Angehörigen vermitteln, sondern vielmehr dazu beitragen, das Verständnis für die Situation der Kranken zu verbessern. Durch dieses neue Verhalten und durch mehr Wissen ist es Angehörigen wieder möglich, ihre augenblickliche und zukünftige Belastung besser durchzustehen, um wieder frei zu sein für die Hilfe und Begleitung ihrer kranken Familienangehörigen.
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Seminar Inhalt |
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1.
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Aufklärung über Krankheitsverläufe und über das Krankheitserleben,
einmal bei Angehörigen und zum anderen bei den Betroffenen |
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2.
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Krisen (Frühwarnzeichen, Hilfen) |
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3.
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Compliance und Coping bei Angehörigen |
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4.
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Compliance und Coping bei Betroffenen |
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5.
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Begleitung des/der Kranken bei medizinischer, sozialer und beruflicher Rehabilitation |
Zusammengefasst könnte das Seminar Wer viel weiß. Kann viel helfen verstanden werden.
Es wird vorausgesetzt, dass ausschließlich Angehörige das Seminar besuchen sollen. Angehörige sind auch die Referenten/ Moderatoren. Für Fachthemen werden Professionelle hinzugezogen.
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Das Programm hat im einzelnen zum Inhalt: |
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Erscheinungsbild der Krankheit (Symptome, Verläufe, Prognose) |
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Prodrome, Rückfall-Frühwarnzeichen |
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das Krankheitserleben der Angehörigen (Nicht wahrhaben wollen, Sprachlosigkeit,
Hilflosigkeit, Schuldgefühle, eigene Orientierung/Aktiv werden) |
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Wege der Therapie (einen großen Anteil nimmt hier die Rolle der Medikamente ein,
hier besteht ein immenser Informationsbedarf!) |
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Hilfen für das Zusammenleben (Unterforderung/Überforderung, Toleranz, Stress/Stressoren,
Entlastungsmöglichkeiten) |
Diese Seminare wurden 1996/1997 vorerst bundesweit mit einer Förderung des Bundesministeriums für Gesundheit durchgeführt.
Seit 1997 wird dieses Seminar einmal jährlich nur noch in Thüringen unter meiner Leitung und Autorin des Konzeptes dieser Seminare durch den LV Thüringen der Angehörigen psychisch Kranker e.V. angeboten.
Auf eine Evaluation für speziell Thüringen wurde hier verzichtet, wissenschaftliche Evaluationen sind hinreichend bekannt.
Leider werden diese Rückfallrisiko-Seminare nicht mehr bundesweit angeboten, weil eine Förderung durch das Bundesministerium für Gesundheit nicht mehr möglich ist.
Irene Norberger
Vorsitzende
Landesverband Thüringen der Angehörigen psychisch Kranker e.V.
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