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Von ddp-Korrespondentin Renate Heusch-Lahl
Rostock (ddp-nrd). "Partnerschaftlicher Umgang am Arbeitsplatz" heißt eine neue Dienstvereinbarung zwischen der Universität Rostock und dem Personalrat. Diese freundliche Formulierung hat die Vermeidung von Mobbing zum Ziel. "Wir haben festgestellt, dass psychische Erkrankungen bei unseren Beschäftigen zugenommen haben", sagt Personalchef Andreas Tesche. "Wir wollen aktiv dagegen etwas tun."
Auch die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) hat eine dramatische Zunahme der Zahl psychischer Erkrankungen festgestellt. Während bundesweit der Krankenstand von 3,5 Prozent im Jahre 2003 auf 3,2 Prozent im vergangenen Jahr gesunken ist, sind die psychischen Erkrankungen auf fast zehn Prozent der Fehltage gestiegen und damit die vierthäufigste Krankheitsart. Von 1997 auf 2004 stieg die Zahl der Fälle gar um 70 Prozent. Spitzenreiter bei psychischen Erkrankungen sind Mitarbeiter der Branchen Gesundheitswesen und Öffentliche Verwaltung.
An der Universität Rostock treffen sich im Arbeitskreis für soziale Probleme verschiedene Universitätsangehörige und denken über Maßnahmen für die insgesamt rund 5000 Mitarbeiter nach. Sie wollen Beratung geben bei Suchtproblemen, Mobbing, persönlichen Krisensituationen und schwierigen Krankheitsfällen. Im Einzelfall helfen Kollegen dann direkt den Betroffenen. Noch beschäftige man dafür keinen Extra-Mitarbeiter, aber alle seien sehr aufgeschlossen für das Thema, sagt Tesche.
Die AOK Mecklenburg-Vorpommern ist bereits ein Stück weiter. Seit einigen Monaten beschäftigen sie eine Sozialberaterin, die ausschließlich für die 1900 AOK-Mitarbeiter zuständig ist. Ziel sei ein gesundes Betriebsklima und gesunde Mitarbeiter. "Außerdem erhoffen wir uns Zufriedenheit bei Mitarbeitern und bei Kunden", sagt Eleonore Henkel. Die 48-Jährige, die Finanzökonomie studiert und sich in den Bereichen Psychologie und Heilpädagogik weitergebildet hat, versteht sich als vertrauliche Ansprechpartnerin und Vermittlerin. Sie will zudem bei Stresssituationen helfen und Teams, Mitarbeiter und Führungskräfte bei der Konfliktlösung unterstützen.
Für Henkel steht fest: Immer, wenn Menschen zusammenleben und arbeiten, gibt es auch Spannungen. Wenn verschiedene Sichtweisen und Erwartungen zusammenstoßen, Arbeitsaufgaben mit Wünschen kollidieren oder objektive Bedingungen auf subjektive Vorstellungen treffen, gibt es Reibungen und Konflikte. Doch für die Sozialberaterin sind meist nicht die Konflikte das Problem, sondern der Umgang damit. "Wenn man seine Probleme nicht verarbeiten kann, Spannungen nicht abbaut, wird man krank. Ich möchte den Kollegen bei der Suche nach Lösungen zur Seite stehen. Soviel Hilfe wie nötig, aber so wenig wie möglich", umreißt Eleonore Henkel ihre Arbeit.
Von Januar bis März hat sie sich in 16 Fällen um psychische Störungen wie Depressionen oder Ängste gekümmert, in drei weiteren Gesprächen ging es um Mobbing. In zwölf Fällen hatten Mitarbeiter Probleme mit einer Umsetzung im Unternehmen, fünf Teams litten an Überlastung durch zu viel Arbeitsdruck, drei Mal ging es um Alkohol-Missbrauch, sechs Mal um psychosomatische Beschwerden und zwei Mal um eine onkologische Diagnose.
Gemeinsam mit den Betriebskrankenkassen führt die Reederei Scandlines regelmäßig Beratungstage zu Gesundheit im Unternehmen durch. Mobbing sei ihm unter den 1200 Mitarbeitern in Deutschland noch nicht begegnet, sagt Personalchef Wolfgang Lohse. Dafür habe die Suchtprävention einen hohen Stellenwert. Auf einen Extra-Mitarbeiter als "betrieblicher Kummerkasten" verzichtet das Unternehmen aber.
Mobbing ist häufig Ursache für psychische Erkrankungen
Rostock (ddp-nrd). Mobbing am Arbeitsplatz ist eine der Hauptursachen für psychische Erkrankungen von Beschäftigten. Studien zufolge ist bei jedem zweiten Mobbingfall der Vorgesetzte beteiligt. Doch nicht jede private Streitigkeit zwischen Arbeitskollegen kann als Mobbing bezeichnet werden. Mobbing setzt nach der Rechtsprechung ein systematisches Anfeinden, Schikanieren und Diskriminieren bestimmter Personen voraus. Die Anfeindungen müssen nicht geplant sein, sie erfolgen aber fortlaufend und bauen aufeinander auf. In ihrer Gesamtheit verletzen sie das allgemeine Persönlichkeitsrecht, die Ehre oder die Gesundheit des Betroffenen.
Hilfe für Mobbingopfer gibt es bei Hausärzten oder Psychologen, beim Betriebsrat oder Gewerkschaften, in anonymen Beratungsstellen oder bei Anwälten. Ausgewählte Kontaktstellen stehen auch auf der Internetseite des Deutschen Gewerkschaftsbundes unter www.dgb.de/themen/mobbing.
http://www.mobbing-web.de
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