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15 Prozent der Fahrzeughalter in Deutschland über 65 Jahre alt
Von ddp-Korrespondent Daniel Schulz
Hannover (ddp-nrd). Siegfried Lorenz sitzt gern am Steuer eines Autos. "Ich fahre seit über 60 Jahren Auto und bin immer noch ein guter Fahrer", sagt der 85-Jährige aus Hannover. Seinen Führerschein musste er allerdings abgeben, und er versteht nicht so recht warum. "Ich sehe immer noch gut und führe das Fahrzeug sicher", betont Lorenz.
Die Polizei sieht das anders. Vor einigen Wochen hatte der Senior während der Fahrt ein parkendes Auto gestreift. Da er den Vorfall angeblich nicht bemerkte, fuhr er weiter. Wenig später wurde er von der Polizei angehalten und mit zur Dienststelle genommen. "Als ich die Polizei wieder verlassen konnte, habe ich was Dummes gemacht und bin gegen ein Verkehrsschild gefahren", berichtet Lorenz. Aufgrund der Vorfälle hielten die Beamten den 85-Jährigen altersbedingt nicht mehr für geeignet, ein Auto zu fahren, und zogen seinen Führerschein ein.
Viele Autofahrer halten Senioren am Steuer für fahrende Hindernisse. Häufig scheinen diese mit dem Verkehrsgeschehen überfordert zu sein. Nach Ansicht von Verkehrsexperten handelt es sich hierbei jedoch um Vorurteile. Die meisten älteren Autofahrer wüssten um ihr Fahrkönnen und ihre gesundheitlichen Risiken und verhielten sich dementsprechend verantwortungsbewusst. Zugleich belegen Studien, dass ältere Menschen noch nie so mobil waren wie heute. Rund 15 Prozent der Fahrzeughalter in Deutschland sind über 65 Jahre alt.
"Vorurteile und Klischees gegenüber älteren Menschen im Straßenverkehr sind falsch", sagt Andreas Bergmeier, Referent für ältere Verkehrsteilnehmer beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn. Ältere Fahrer reagierten häufig auf nachlassende körperliche Fähigkeiten, indem sie unter bestimmten Bedingungen - eher als andere Verkehrsteilnehmer - aufs Fahren verzichteten, betont Bergmeier.
Gemeinsam mit dem ADAC und weiteren Verbänden bietet der DVR das Programm "Ältere aktive Kraftfahrer" an. Ältere Menschen erhielten hier Hilfen für eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr, sagt Arnim Gubbe vom ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt. Die Veranstaltungsreihe umfasst vier aufeinanderfolgende, etwa zweistündige Gesprächskreise. Die Teilnehmer sollen dabei lernen, ihre Fähigkeiten am Lenkrad realistisch einzuschätzen. Dazu gehört, das eigene Niveau körperlicher und geistiger Leistung zu prüfen und eventuell neu zu bestimmen, sagt Gubbe.
Ferner wird über Entwicklungen in der Kfz-Technik, Rechtsvorschriften und ihre Bedeutung für das persönliche Fahrverhalten sowie medizinisch-psychologische Aspekte der Verkehrsteilnahme informiert. Im Vordergrund solle der Erfahrungsaustausch stehen, niemand werde belehrt, betont Gubbe.
Seit Jahren empfiehlt der ADAC älteren Menschen, regelmäßig ihre Fahrtüchtigkeit von einem Arzt überprüfen zu lassen. Bereits im Alter von 40 bis 45 Jahren könnten Seh- und Hörvermögen nachlassen, sagt Gubbe. Für alle Lkw-, Bus- und Taxifahrer ab 50 Jahren sei es sogar Pflicht, sich alle fünf Jahre einem Test zu unterziehen.
Vorschriften wie in der Schweiz, nach denen sich Autofahrer ab dem 70. Lebensjahr ihre Fahrtüchtigkeit von einem Arzt bescheinigen lassen müssen, gibt es in Deutschland nicht. "Ich halte mehr von der freiwilligen Untersuchung", sagt Gubbe. Viele Menschen seien eher bereit, nicht mehr zu fahren, wenn sie selbst merken, dass sie nicht mehr in der Lage sind, aktiv am Straßenverkehr teilzunehmen.
"Das Autofahren lasse ich mir trotzdem nicht verbieten", sagt Lorenz mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht. Seinen Wagen hat er gegen ein Elektroauto eingetauscht, das man auch ohne Führerschein fahren darf.
www.dvr.de
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