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30.08.2005



Übersicht "Meldung vom Tage" (August 2005)



29.08.

Neu gestaltetes Erfurter Gutenberg-Gymnasium
drei Jahre nach dem Amoklauf wiedereröffnet

ddp

Von Thomas Badtke

Erfurt (ddp). Mehr als drei Jahre nach dem Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium ist das umgestaltete Schulgebäude feierlich wiedereröffnet worden. Mit der Übergabe der neu gestalteten Schule kehre ein Stück Normalität zurück, sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Montag bei einem Festakt vor rund 300 Schülern und Lehrern. "Auch wenn die Wunden noch nicht geheilt sind - weder in den Köpfen noch in den Herzen", fügte er in Anwesenheit von Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) hinzu. Rund zehn Millionen Euro hat der Bund für die Arbeiten an dem Jugendstilgebäude ausgegeben. Mit dem neuen Gutenberg-Gymnasium ist Schröder zufolge ein Ort entstanden, der die Geschichte nicht ausklammert und dennoch Neues zulässt. Beim Umbau, bei dem die Schüler ein Mitspracherecht hatten, entstand unter anderem ein "Raum der Stille". Dorthin könnten sich Schüler und Lehrer gleichermaßen zurückziehen und der Opfer des Verbrechens von vor drei Jahren gedenken, sagte Schröder. Am 26. April 2002 hatte ein 19 Jahre alter Ex-Schüler in dem Gymnasium insgesamt 16 Menschen und sich selbst getötet. Danach war das Gebäude geschlossen worden, die Schüler in einem Ausweichquartier unterrichtet.

Althaus verwies darauf, trotz dieses dramatischen Verbrechens dürfe die Vergangenheit nicht lähmen. Für ihn sei der Tag der Schulübergabe "kein normaler Tag", sondern "ein Tag der Trauer, Wut, Hoffnung und der Weichenstellung für die Zukunft". Der Thüringer Regierungschef lobte die Sanierung: Durch sie sei ein "moderner, leistungsfähiger Lernort" entstanden.

Erfurts Oberbürgermeister Manfred Ruge (CDU) dankte jenen Menschen, "die sich seit dem schwarzen Tag mit der Aufarbeitung beschäftigt haben". Er lobte den Einsatz von Psychologen, Therapeuten und Ärzten. Aber auch die Familien und Kirchenvertreter hätten unmittelbar nach der Bluttat dazu beigetragen, "Leid zu lindern und den Blick nach vorn zu richten". Ruge rief dazu auf, einen "offenen Umgang zu pflegen", sowie "aufeinander zu hören und miteinander zu reden".

Als ein "Symbol für Trost und Hoffnung" sieht der Bundeskanzler das neue Gutenberg-Gymnasium. Zwar könne er die Tat noch immer nicht begreifen, aber mittlerweile sei das Gymnasium ein Zeichen der Solidarität in Deutschland geworden. Nur wenn Menschen zusammenstehen wie in den vergangenen drei Jahren, könnten sie einander helfen.

www.gutenberggymnasium.de



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