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Startseite Rubrik: Meldung vom Tage aktualisiert 03.02.2004


Übersicht "Meldung vom Tage" (Januar 2004)

08.01.04

Zu zweit und doch allein


Kleine Rituale wie der Gute-Nacht-Kuss beugen einem lahmenden Beziehungsalltag vor


Von ddp-Korrespondentin Mey Dudin

Hamburg/Sankt Augustin (ddp). Was mal rosarot war, ist inzwischen grau. Der triste Alltag hat sich in die einst prickelnde Zweisamkeit eingeschlichen. Man hat sich nicht mehr viel zu sagen - Streit steht auf der Tagesordnung. «Gründe für eine lahmende Beziehung sind häufig schlicht und ergreifend die Lieblosigkeit der Partner und Routine», sagt Michael Thiel, Diplompsychologe in Hamburg (www.psychologethiel.de). Anstatt zu schauen, was dem anderen gut bekomme, werde der Freund oder die Freundin eher wie ein Möbel wahrgenommen. Zu Umarmungen, Küssen und Berührungen komme es kaum noch. Neugier und Leidenschaft seien abhanden gekommen.

«Auch der Mangel an neuen Impulsen von außen kann der Beziehung schaden», sagt Monika Rahn, Diplompsychologin und Paartherapeutin in Sankt Augustin. Das passiere schnell, wenn das Paar fast alles gemeinsam macht, den Alltag eher passiv - etwa vor dem Fernseher - verbringt oder sich der Einzelne bei der Entwicklung neuer Interessen zu sehr auf den anderen verlässt. Eine Gefahr für die Partnerschaft seien zudem unterschwellige Frustrationen und Enttäuschungen, die nicht ausgesprochen würden und unter der Oberfläche weiter schwelten.

«Eine gute Beziehung erfordert allerdings jede Menge Arbeit», betont Thiel. Nicht jeder sei heutzutage bereit, solche Mühen auf sich zu nehmen. Der Psychologe sieht vor allem bei jungen Leuten eine Entwicklung hin zur «Beziehungs-Wegwerf-Gesellschaft». «In dem Moment, wo der andere nicht mehr funktioniert, wird die Partnerschaft zu anstrengend.» Das komme nicht von ungefähr: «Viele Jugendliche und junge Erwachsene sind Scheidungskinder», sagt Thiel. «Sie haben nie gelernt, Streitigkeiten zu lösen, ohne dass ein schales Gefühl zurückbleibt.» Daher liefen sie vor Problemen genauso davon, wie vor wirklicher Nähe.

Scheint die Beziehung am Ende zu sein, sollte ein Paar nach Angaben des Experten zunächst eine Bestandsaufnahme machen. «'Was wünsche ich mir?' und 'Was fehlt mir?' sind dabei genauso wichtige Fragen wie beispielsweise 'Was finde ich noch gut?' und 'Habe ich Angst dich zu verlieren?'», erläutert der Paartherapeut.

Anschließend müssen die Partner versuchen, wieder in Kontakt zu kommen. Hilfreich sind dabei feste - wenn auch kurze - Termine, an denen man sich sieht. Wöchentlich sollte mindestens ein Abend gemeinsam verbracht werden. «Viele Paare die lange zusammen sind, pflegen solche Rituale», betont der Psychologe. Dazu gehörten beispielsweise regelmäßige Gespräche am Abend oder auch der Gute-Nacht-Kuss.

Daneben hielten vor allem gemeinsame Zukunftspläne eine Beziehung am Leben. Wichtig für eine stabile Partnerschaft sei auch der Spaß am Sex. Daher sollten Paare unbedingt experimentieren und ihre Fantasie trainieren. Partnerschaftskrisen kommen dem Experten zufolge häufig in bestimmten Lebensabschnitten vor. Zum Beispiel die Geburt eines Kindes oder dessen Auszug nach Erreichen der Volljährigkeit, ein neuer Job, ein Umzug in eine neue Stadt sowie der Eintritt in das Rentenalter bedeute für viele Paare eine große Belastung, sagt Thiel. Dennoch könnten bereits einfache Regeln eine ernsthafte Krise verhindern.

Wenn beispielsweise Nachwuchs ins Haus steht, muss zunächst gemeinsam überlegt werden, wie mit der neuen Situation umgegangen werden soll. Der berufstätige Elternteil könnte etwa versuchen, weniger zu arbeiten, um mehr Zeit für seine Familie zu haben, sagt der Therapeut. Ein soziales Netzwerk aus Freunden und Verwandten gibt dem Paar zudem mehr Freiräume für gemeinsame Abende.

Scheitern Versuche zur Belebung einer Beziehung ist es Zeit für eine Paarberatung. Diese sollte im Zweifel lieber sehr früh als zu spät in Anspruch genommen werden, rät Psychologin Rahn. Therapeutische Eheberatung oder Ehetherapie komme häufig mit wenigen Sitzungen aus und sei daher eine Investition in die Zukunft. «Allerdings ist eine 'gerettete' lebendige Beziehung oder eine wohldurchdachte Trennung allemal sinnvoller als ein 'Dahindümpeln' in einer inhaltsleer gewordenen Partnerschaft», betont Rahn.




ddp

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