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Von ddp-Korrespondent Alexander Gruber
Ladeburg (ddp). "Schnitzel", "Koffer" und "Roger" liegen faul auf dem schaukelnden Boden des Linienbusses. In der letzten Reihe auf dem Weg von Bernau bei Berlin Richtung Tierheim Ladeburg sitzen ihre Herrchen David und Matthias zusammen mit ihrem Kollegen Christian. Verschlafen reibt sich Christian mit der tätowierten Hand die Augen, ohne seine zahlreichen Piercings in Augenbrauen und Nase zu berühren. David lässt müde die Sonnenbrille von seinem roten, blauen und grünen Haaren auf die Nase rutschen. Dann hält der Bus mitten auf der Landstraße an einem Feldweg. Die drei 24-jährigen Punks aus Berlin steigen mit ihren Hunden aus und winken dem Busfahrer zu: "Bis heute Nachmittag."
Matthias und David bringen "Schnitzel", "Koffer" und "Roger" für den Tag in die Tierpension des Tierheims Ladeburg. Dann gehen sie ins Heim selbst, wechseln ihre bunten Hosen gegen Arbeitskleidung und Arbeitsschuhe. Anfang Oktober ist dort das Projekt "Punks and Dogs" gestartet. Junge Arbeitslose, zum Teil ohne festen Wohnsitz, sollen über diese Tätigkeit wieder zurück in den Arbeitsmarkt finden. Sie müssen unter anderem Bäume fällen, Rasen mähen und die Tiere versorgen.
Das Projekt ist nach Angaben von Projektkoordinator Frank-Raimon Gebe bundesweit einzigartig, denn die Punks können ihre Hunde mit zur Arbeit nehmen. Und Matthias erklärt: "Ohne meinen Roger gehe ich nicht arbeiten. Da sollen sie mir lieber die Stütze kürzen." Weil viele junge Punks so denken, kam das Jobcenter Friedrichshain-Kreuzberg im Sommer auf die Idee mit "Punks and Dogs".
Aber nicht nur wegen der Betreuung der Hunde fühlen sich die Punks in dem neuen Job wohl. "Die Arbeit mit den Tieren und in der Natur macht schon Spaß", sagt Christian. Nur an das frühe Aufstehen um 6.00 Uhr hat er sich noch nicht gewohnt: "Das ist echt hart." Projektleiter Gebe erklärt: "Viele der Teilnehmer haben Schwierigkeiten, Orientierung in ihr Leben zu bekommen." Hinzu kämen Probleme mit Alkohol oder Drogen. "Die Maßnahme soll den jungen Leuten wieder etwas Struktur und Halt geben." Für die Arbeit bekommen sie neben "Hartz IV" auch 1,50 Euro pro Stunde.
Arbeitsmöglichkeiten für die Punks mit den Hunden zu bekommen, war Gebe zufolge nicht einfach. Es habe Vorbehalte gegeben. Der Leiter des Tierheims, Frank Henning, hatte sich hingegen ohne zu zögern bereit erklärt, die Punks bei sich im Tierheim zu beschäftigen. "Man muss ihnen eine Chance geben", sagt er. Auch die Busfahrer in Bernau haben sich inzwischen an die ungewöhnlichen Fahrgäste gewöhnt.
Bisher ist Henning mit ihrer Arbeit zufrieden: "Sie sind vor allem sehr tierlieb." Nachlässigkeiten will er dennoch nicht durchgehen lassen: "Wer unpünktlich oder unzuverlässig ist, kann wieder gehen." So kommen an diesem Morgen nur vier der insgesamt acht Arbeiter. Krank oder im Urlaub, heißt es. "Darüber muss noch mal geredet werden", sagt Henning sauer.
Sechs Monate dauert das Projekt insgesamt. "Vielleicht können wir einem von ihnen danach einen Ausbildungsplatz als Tierpfleger anbieten", sagte der Tierheimleiter. Das hofft unter anderen auch Matthias: "Ein Ausbildungsplatz ist eine tolle Perspektive. Deshalb will ich auch bis zum Ende durchhalten."
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