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Von Frank Bretschneider
Düsseldorf (ddp-nrw). Bei der Betreuung älterer und behinderter Menschen in Deutschland wird Experten zufolge zunehmend der Rotstift angesetzt. So seien die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für medizinische Hilfsmittel in den vergangenen Jahren gesunken. Zudem sei in einigen Bundesländern eine Abschaffung des Landesblindengesetzes, das Grundlage für die Zahlung von Blindengeld ist, im Gespräch, warnten Vertreter von Fachverbänden am Montag in Düsseldorf. Sie äußerten sich anlässlich der dort am Mittwoch beginnenden weltgrößten Fachmesse für Menschen mit Behinderung und Pflegebedarf, Rehacare.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Selbsthilfe für Menschen mit Behinderung fürchtet, eine Abschaffung des Landesblindengesetzes könnte einer generellen Aufhebung von Nachteilsausgleichen für behinderte Menschen Tür und Tor öffnen. "Zusammen mit der restriktiven Entwicklung bei den medizinischen Hilfsmitteln ist das eine gefährliche Tendenz", sagte ihr Bundesgeschäftsführer Christoph Nachtigäller. Die neue Bundesregierung stehe daher in der Pflicht, sich zur solidarischen Sozialversicherung zu bekennen.
Dem Deutschen Industrieverband für optische, medizinische und mechatronische Technologien, Spectaris, zufolge schrumpften die Kassenausgaben für medizinische Hilfsmittel allein im Vorjahr gegenüber 2003 um 16 Prozent auf 4,54 Milliarden Euro. Gekürzt worden seien vor allem Ausgaben für orthopädische Hilfsmittel wie Rollstühle und Prothesen sowie für Sachleistungen bei der Dialyse.
Den Kürzungen steht eine 2004 um über 3,4 Prozent gestiegene Zahl der Menschen über 65 Jahre gegenüber. Zu dieser Altersgruppe gehört nach Angaben von Spectaris zugleich die Hälfte der bundesweit 6,6 Millionen Menschen mit Schwerbehindertenausweis. Angesichts der Zunahme der Zahl älterer und behinderter Menschen gefährde die "rigorose Einsparpolitik" viele "besonders schutzbedürftige Patienten". Als Folge der Einsparungen sehen sich die Hersteller von medizinischen Hilfsmitteln zudem einem Preisverfall für ihre Produkte ausgesetzt.
Auf der Rehacare zeigen vier Tage lang 853 Aussteller aus 31 Ländern das Komplettangebot an Hilfsmitteln für Rehabilitation und Pflege. Die internationale Leitmesse der Branche ist zugleich eine Diskussionsplattform der mehr als 100 Behindertenorganisationen, Selbsthilfegruppen und Verbände.
Neben der Vorstellung technischer Hilfsmittel für Behinderte steht auf der Messe auch die alters- und behindertengerechte Wohnungsgestaltung im Mittelpunkt. Die demografische Entwicklung der Gesellschaft mache ein entsprechendes Umdenken zwingend notwendig, hieß es. In Deutschland leben insgesamt 8,4 Millionen Menschen mit Behinderung. Das sind 10,2 Prozent der Bevölkerung.
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