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11.10.2005



Übersicht "Meldung vom Tage" (Oktober 2005)



11.10.

"Feuerwehr für die Seele"
Telefonseelsorge berät schlaflose Berliner und Brandenburger

ddp

Von ddp-Korrespondentin Romy Richter

Berlin (ddp-lbg). Eine Großstadt schläft nie. Events und Partys locken junge Menschen ins Nachtleben, manche Schichtarbeiter beginnen erst gegen Mitternacht ihren Dienst. Aber es gibt auch Menschen, die sich in ihren Betten nach einem ruhigen Schlaf sehnen. "Schlafstörungen sind ernst zu nehmende Probleme", sagt der Leiter der Kirchlichen Telefonseelsorge Berlin-Brandenburg, Uwe Müller. Mit der Tagung "Schlaflos in Berlin (und Brandenburg) - Ängste in der Großstadt" will die Telefonseelsorge auf das Thema aufmerksam machen.

Auf der Veranstaltung wird es Vorträge und Diskussionen geben. Schlafmediziner und Psychologen geben Tipps für eine gesunde Nachtruhe. Nachtarbeiter wie ein DJ berichten über ihre Erfahrungen. Die Tagung in der Katholischen Akademie in Berlin-Mitte beginnt um 10.00 Uhr. Anmeldungen werden unter der Telefonnummer 030/283 09 50 entgegengenommen.

Die Telefonseelsorge ist oft erster Anlaufpunkt für schlaflose und von Sorgen geplagte Menschen. "Wir sind die Feuerwehr für die Seele", sagt Müller. Rund um die Uhr hören seine Mitarbeiter den Anrufern zu. Jeder zehnte Erwachsene leide an chronischen Schlafstörungen, jeder fünfte habe Schlafprobleme, weiß Müller zu berichten. Schlaflosigkeit sei ein Phänomen der Großstadt und der Zeit.

Die nächtlichen Anrufe sind nach Müllers Einschätzung ganz anders als am Tage. Er sitze oft selbst am Telefon und rede mit den Betroffenen. "Die Gespräche sind viel dichter und tiefer", erzählt der Seelsorger. Bis zum Abend gebe es meist noch viel Ablenkung von Problemen. In der Nacht dagegen verstärke sich bei vielen das Gefühl, allein gelassen zu sein. Die Probleme, die dann angesprochen werden, seien existenzieller.

Hinter Schlaflosigkeit stecken meist große Ängste und Sorgen. Die ehrenamtlichen Telefonseelsorger müssen im Gespräch aus einem "Knäuel von Problemen und emotionalen Befindlichkeiten einen roten Faden finden", sagt Müller. Die größte Schwierigkeit bereite vielen Menschen das Alleinsein. Stark zugenommen hätten auch Klagen über Arbeitslosigkeit und "Hartz IV". Viele Anrufer litten unter den Auswirkungen. Sie kämpften mit Perspektivlosigkeit, Resignation und persönlichem Werteverlust.

Täglich gehen nach Angaben von Müller rund 180 Anrufe bei der Telefonseelsorge ein. Drei bis vier Anrufer pro Tag äußern Selbstmordabsichten. Zwei Drittel der Anrufer sind Frauen. Sie seien meist problembewusster, sensibler und könnten ihre Sorgen besser sprachlich ausdrücken, sagt Müller. Die meisten Anrufer sind zwischen 30 und 45 Jahren alt. Von ihnen werde häufig erwartet, mit beiden Beinen fest im Leben zu stehen. Viele fühlten sich den Anforderungen von Beruf und Familie jedoch nicht gewachsen, berichtet Müller.

"Noch vor 100 Jahren sind die Menschen spätestens um 22.00 Uhr im Bett gewesen", sagt der Telefonseelsorger. Heute zeige sich die schlaflose Stadt am Besten bei einem nächtlichen Gang durch ein Wohngebiet: "Halb drei gehen die letzten Lichter in den Wohnungen aus und die ersten Lichter bereits wieder an."


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