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13.10.2005



Übersicht "Meldung vom Tage" (Oktober 2005)



12.10.

"alles paletti" - Anker Sozialarbeit eröffnet Palettenwerk
mit sozial benachteiligten und schwer behinderten Mitarbeitern

ddp

Von ddp-Korrespondent Stefan Weißenborn

Schwerin (ddp). Mit Pressluft zischt ein Nagel tief ins Kiefernholz, insgesamt über 30 Mal. Nach anderthalb Minuten haben alle Stahlstifte ihren Platz. Vorarbeiter Hartmut Raudonus hat eine Palette endmontiert. Sein neuer Arbeitsplatz ist das am Mittwoch in Schwerins Industriegebiet Sacktannen eröffnete Fertigungswerk für Einwegpaletten der Anker Sozialarbeit gGmbh. Das Werk ist als Integrationsprojekt für behinderte Menschen und Langzeitarbeitslose nach Angaben der Geschäftsführung das einzige seiner Art - deutschlandweit.

Dennoch versteht Anker-Geschäftsführer Peter Baumotte das neue Werk, das bereits Anfang September die erste Ware ausgeliefert hat, als vollwertigen Wirtschaftsbetrieb. "Hier herrscht ein anderer Wind als in der reinen Sozialarbeit", betont er und verweist gleichzeitig darauf, dass das Werk mit dem Namen "alles paletti" durchaus volkswirtschaftlichen Nutzen bringe.

Auf bis zu drei Jahre fördere die Arbeitsagentur die Jobs der Schwerbehinderten mit durchschnittlich 50 Prozent des Lohns. Gleichzeitig werden Lohnsteuer sowie Sozialversicherungsbeiträge abgeführt. "Nach im Schnitt 3,5 Jahren amortisiert sich das auch aus Sicht des Staates", zeigt sich Baumotte überzeugt. Das Hauptaugenmerk liege jedoch darauf, den sozial benachteiligten Mitarbeitern wieder eine Perspektive in der Gesellschaft zu eröffnen sowie ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Derzeit haben in der 600 Quadratmeter großen Fertigungshalle neben Vorarbeiter Raudonus vier Mitarbeiter - drei von ihnen schwer körperlich behindert - alle Hände voll zu tun. Insgesamt schaffen sie zwischen 1100 und 1700 Paletten in der Woche, bei einem Brutto-Monatverdienst zwischen 900 und 1200 Euro. In einem halben Jahr, wenn den Plänen nach die Belegschaft auf zehn Beschäftigte aufgestockt sein wird, soll die Stückzahl auf 3000 bis 5000 hochgefahren werden. Da falle auch schon einmal die ein oder andere Überstunde sowie Wochenendarbeit an, lässt Baumotte wissen.

Die Paletten, deren Holz in Lettland geschlagen wird, werden mit Lastwagen nach Wismar befördert, wo sie in dem Werk eines österreichisches Herstellers mit Laminat beladen und unter anderem nach Japan und Nordamerika verschifft werden. Weitere Firmen haben schon ihr Interesse an den hölzernen Untersätzen zu "konkurrenzfähigem Stückpreis" geäußert, wie Baumotte betont.

"Konkurrenzlos sind wir allerdings nicht", fügt er hinzu. Immerhin gebe es noch zwei weitere Hersteller von Einwegpaletten im Süden und im Westen Deutschlands, die allerdings keine Behinderten innerhalb eines Integrationsprojekts beschäftigten. "Da soll mal einer sagen, man kann nichts mehr machen", zeigt sich Baumotte stolz, und spricht von Marktlücken. Eine solche hat er mit "alles paletti" offenbar gefunden. Für den 45-jährigen Vorarbeiter Raudonus ist mittlerweile auch wieder alles paletti: Nach längerer Arbeitslosigkeit hat er einen sozialversicherungspflichtigen Job gefunden.

Die ANKER Sozialarbeit gGmbH bietet seit 1990 vielfältige Angebote in Wohnbereichen, Tagesgestaltung und Arbeitsbereichen für psychisch kranke Menschen. "Hier können sie in verschiedenen Bereichen einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen, sie können ihre Belastungsgrenzen austesten und sich weiter entwickeln. Das Ziel ist immer, eine Unabhängigkeit von sozialpsychiatrischen Hilfen zu erreichen und wieder selbstständig mit dem eigenen Leben zurecht zu kommen", so Peter Baumotte.



Arbeitsplatzförderungen für Behinderte nicht ausgeschöpft

Schwerin (ddp-nrd). In Mecklenburg-Vorpommern werden derzeit rund 6100 Menschen mit geistigen und psychischen Behinderungen in 22 anerkannten Werkstätten einschließlich Betriebsstätten und Außenarbeitsgruppen beschäftigt.

Hingegen waren im September 2005 nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Land insgesamt 4864 Behinderte arbeitslos. Seit September 2002 ist die Zahl der Jobsuchenden damit um 1825 Menschen gestiegen.

Arbeitgeber können nach dem Sozialgesetzbuch III (SGB III) bei Arbeitsagenturen im Falle der Einstellung von schwerbehinderten Menschen Eingliederungszuschüsse beantragen. Im ersten Beschäftigungsjahr können bis zu 70 Prozent des Entgeltes bewilligt werden. Der maximale Bewilligungszeitraum mit dann rückläufigen Zuschüssen (jeweils 10 Prozent pro Jahr) liegt bei drei Jahren.

Nach Einschätzung der Integrationsfachdienste, die im Land für die besondere Vermittlung von schwerbehinderten Menschen zuständig sind, werden diese Möglichkeiten jedoch derzeitig nicht vollständig genutzt.

Im Jahr 2004 wurden nach Ministeriumsangaben rund 550 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen mit rund 5,4 Millionen Euro aus Mitteln der Ausgleichsabgabe gefördert. Seit 1991 sind rund 4300 Plätze in Werkstätten mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 140 Millionen Euro neu geschaffen oder modernisiert worden.


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