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Aachen (ddp). Die Verkalkung von Gewebe ist bis zu einem bestimmten Grad umkehrbar. Das ist das Ergebnis einer Studie der Helmholtz-Arbeitsgemeinschaft für biomedizinische Forschung an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH). Im Tierversuch konnten Wissenschaftler um Professor Willi Jahnen-Dechent jetzt nachweisen, dass ein Fetuin-A genanntes Protein im menschlichen Blut dafür sorgt, dass unerwünschte Verkalkungen im Körper zuverlässig verhindert werden. Das teilt die RWTH mit. Zunehmende Verkalkung kann im Körper unter anderem zu schweren Krankheiten der Blutgefäße führen.
Aus Vorarbeiten mit knochenbildenden Zellen wussten die Forscher bereits, dass bestimmte Ablagerungen im Körper besonders wirksam von Fetuin-A verhindert werden. Den Durchbruch bei den Arbeiten brachte dann ein Knock-out. So bezeichnen Experten das gezielte Ausschalten eines bestimmten Gens. "Mäusen aus definierten Inzucht-Stämmen wurde das Gen für die Produktion von Fetuin-A entfernt", sagt Jahnen-Dechent. Das Ergebnis: Die Tiere wiesen in kürzester Zeit gravierende Verkalkungen im gesamten Körper auf. Damit war klar: Fetuin darf als starker Hemmstoff für die Kalzifizierung angesehen werden.
Im nächsten Schritt überprüften die Biologen und Ärzte den Fetuin-A-Spiegel bei Dialyse-Patienten, die besonders gravierend von Kalkablagerungen betroffen sind, weil die Nieren nicht mehr ausreichend für die naturgemäße Reinigung des Blutes sorgen. Hier wurde ihre Vermutung bestätigt: In den untersuchten Fällen ging besonders starke Verkalkung stets auch mit verminderten Fetuin-A-Spiegeln im Blut einher.
Mit den Ergebnissen eröffnet sich den Forschern jetzt ein großes Betätigungsfeld. Denn der Körper reagiert auch auf Fremdkörper wie Herzklappen oder künstliche Gefäße mit Verkalkung. Professor Jahnen-Dechent: "Das Fetuin-A bremst eindeutig das Kristallwachstum. Es sammelt neu entstehende Kalkpartikel auf wie ein Schwamm und macht sie wasserlöslich. Und es macht noch viel mehr: Es fördert den stabilisierenden Prozess des Kalkabbaus." Auf dieser Grundlage erfolgen jetzt Tests in unterschiedlichen Kliniken, wie Risikopatienten mit geringem Fetuin-A-Spiegel therapiert werden sollen.
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