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Berlin (ddp). Die umstrittene Sterbehilfe-Organisation Dignitas will einen weitgehend freien Zugang zu tödlichen Medikamenten erreichen. "Wir wollen durchsetzen, dass jeder - unabhängig von seinem Gesundheitszustand - kontrollierten Zugang bekommt", sagte Dignitas-Gründer Ludwig A. Minelli der "Berliner Zeitung" (Samstagausgabe) laut Vorabbericht. Das Recht, sein Leben beenden zu dürfen, sei ein europäisch garantiertes Menschenrecht und nicht an Voraussetzungen wie eine unheilbare Krankheit gebunden. Einzige Voraussetzung sei, dass der Suizidwillige urteilsfähig sei.
"Wir haben Rechtsverfahren laufen. Deutschland ist angeklagt, die europäische Menschenrechtskonvention verletzt zu haben, weil es den Zugang zu Natrium-Pentobarbital nicht ermöglicht hat", sagte Minelli, dessen Organisation begleitete Selbsttötungen anbietet. Dignitas hatte Ende September einen eigenen Verein in Deutschland gegründet, der im Gegensatz zum Schweizer Verein nur Beratung bietet. Minelli betonte, auch psychisch Kranke seien in den meisten Fällen urteilsfähig in Bezug auf ihren Willen weiterleben zu wollen oder nicht. Deshalb habe Dignitas in der Schweiz ein Rechtsverfahren angestrengt, um auch diesem Personenkreis den begleiteten Suizid zu ermöglichen.
Die Ankündigung des niedersächsischen Justizministeriums, mit einer Gesetzesinitiative im Bundesrat ein Verbot von Dignitas zu erreichen, schrecke ihn nicht, sagte Minelli. "Das würde doch den Bundestag dazu zwingen, das Thema endlich zu debattieren", sagte er. Die Politiker hätten gewusst, dass in den vergangenen siebeneinhalb Jahren mehr als 250 Menschen aus Deutschland in die Schweiz gekommen seien, um ihr Leben beenden zu können. "Diese Abstimmung mit den Füßen haben sie achselzuckend hingenommen", sagte Minelli.
"Main-Post" (Würzburg)
"Niemand möchte unter unerträglichen Schmerzen leiden, hilflos dem medizinischen Apparat ausgeliefert und in seiner seelischen Not allein gelassen werden. Eine berechtigte Angst, auf die es zwei Antworten geben muss: Aufklärung über Hilfsmöglichkeiten zum einen, die Verbesserung der Versorgung Schwerstkranker zum anderen. Das beste Argument gegen aktive Sterbehilfe ist ausreichende Betreuung durch die Palliativmedizin. Hier sind in den vergangenen Jahren große Fortschritte erzielt worden, aber es gibt noch viel zu tun. Erst vor zwei Wochen hat Bundespräsident Horst Köhler in Würzburg festgestellt, dass Deutschland von einer ausreichenden palliativmedizinischen Betreuung noch weit entfernt ist. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt will nun die Palliativmedizin ausbauen. Den Worten müssen endlich Taten folgen. Die Politik muss handeln, im Interesse der Menschen. Die Hospizbewegung tut es schon längst."
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