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Elfjährige Tochter überlebt
Von ddp-Korrespondent Haiko Prengel
Lohmar (ddp-nrw). Miles B. hat es schon vorher geahnt. "Es war abzusehen, dass so etwas passieren würde", sagte der Jugendliche am Absperrband der Polizei. Zusammen mit einer Gruppe Gleichaltriger stand er am Montag vor einem gepflegten Bungalow in Lohmar-Donrath (Rhein-Sieg-Kreis), in dem sich gerade ein Blutbad abgespielt hatte. Ein 42-jähriger Mann hatte dort am Morgen mit einer Maschinenpistole seine getrennt von ihm lebende Gattin und ihren Freund sowie seinen Sohn erschossen. Später richtete er sich selbst.
Der leibliche Vater soll nach der Trennung immer wieder in dem Haus randaliert und einmal das Wort "bald" auf den Briefkasten des Einfamilienhauses geschrieben haben. Dies habe der getötete 16-jährige Sohn des mutmaßlichen Täters ihnen in der Schule berichtet, sagte Miles. In strömendem Regen stand er mit Schulkameraden vor dem Tatort und zeigte sich erschüttert.
Nach Polizeiangaben war der 42-Jährige mit einer Maschinenpistole bewaffnet in das Haus gegangen. Er erschoss zunächst seine 41-jährige Ehefrau sowie deren neuen 40 Jahre alten Lebensgefährten im Schlafzimmer. Anschließend ging er in das Zimmer seines Sohnes und tötete diesen. Die Opfer wurden im Schlaf überrascht und durch Schüsse in Oberkörper und Kopf getötet.
Der Mann rief gegen 7.30 Uhr auf einer Polizeiwache an. Er habe sich mit den Worten "Ich habe soeben meine Ex-Frau, ihren Lebensgefährten und meinen 16-jährigen Sohn erschossen" gemeldet, sagte Polizeiführer Peter Sperber von der Kreispolizeibehörde Rhein-Sieg. Zudem drohte der 42-Jährige damit, seine elfjährige Tochter sowie sich selbst zu töten, falls die Polizei am Tatort erscheine.
Am Telefon habe der Mann ruhig gewirkt, sagte Sperber. Den Ordnungshütern sei es schließlich in mehreren Telefongesprächen gelungen, den Mann dazu zu bringen, seine Tochter freizulassen. Gegen 9.45 Uhr erschoss sich der Mann dann in dem Haus. Wie er in den Besitz der Waffe kam, ist derzeit noch unklar, erklärte der Polizeisprecher.
Das Motiv für die Tat ist noch unbekannt. Angesichts der Lagebeurteilung sei jedoch davon auszugehen, dass eine "Beziehungskrise" als Ursache für die Bluttat in Frage komme, erklärte Sperber. Der 42-Jährige, der seine Familie immer wieder geschlagen haben soll, hatte seit März dieses Jahres von seiner Frau getrennt gelebt.
Für die Polizei war der Mann kein Unbekannter. Nach Angaben von Sperber habe der 42-Jährige seit der Trennung die Familie mehrfach bedroht. So drohte er unter anderem einen vorsätzlichen Verkehrsunfall an, bei dem er gemeinsam mit der Tochter "den Freitod suchen" wollte. Zudem gab es immer wieder gegenseitige Strafanzeigen unter anderem wegen Beleidigung und Sachbeschädigung.
Die überlebende Tochter wurde von einem Notfallpsychologen betreut. Sie überstand die Bluttat unverletzt. Nach Angaben von Nachbarn soll der Täter das Mädchen besonders geliebt haben.
KOMMENTAR "Mannheimer Morgen"
"Die Nachricht vom Familiendrama in Lohmar macht sprachlos. Wie nur kann jemand seine Familie töten? Aber diese Sprachlosigkeit, dieses Unverständnis ist genau die falsche Reaktion. Stattdessen ist eine öffentliche Diskussion erforderlich - und zwar nicht nur über Familiendramen, sondern über Familienleben in Deutschland überhaupt. Was verstehen wir unter Familie, was sind die Aufgaben Erziehungsberechtigter, wo liegen ihre Pflichten, was erwartet unsere Gesellschaft, von einer Familie - welche Ideale schwingen mit, welche Vorstellungen, welche Rollenverteilungen liegen vor? Männer, heißt es, haben in persönlichen Dingen ein kommunikatives Defizit, können ihre Ängste und inneren Konflikte nicht verbalisieren, ein Scheitern nicht eingestehen. Anstatt eine Lösung im Gespräch zu suchen, lassen sie eher als Frauen ihre Verzweiflung in einer Explosion der Gewalt kulminieren. Da in Folge eines traditionellen Familienverständnisses immer noch vom Familienvater statt von einer Familiengemeinschaft die Rede ist, ist das Ende der Männer manchmal das Ende der Familie. Zu reden ist also nicht nur darüber, ob Familie immer noch eine Institution ist, die von einem männlichen Oberhaupt, dem 'Ernährer' der Familie, geführt wird, sondern auch, ob die Rollenmodelle nicht grundlegend der Reform bedürfen. Ziel der Familienpolitik heute sollte es demnach sein, dass Männer sich von ihrer Rolle als Übervater befreien können - und dass sie darüber und über sich zu sprechen lernen."
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