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Übersicht "Meldung vom Tage" (Februar 2004) |
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16.02.04
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Lichtblick-Kritik (Dokumentation) |
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Nach dem Scheitern der Pilzproduktion ungefragt zum nächsten Projekt?
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Meinungen/Leserbriefe zu dieser Seite |
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RÜCKBLICK: Am 3. November 2000 meldete die Ostsee-Zeitung:
Pilzproduktion ist endgültig pleite
Seit zwei Monaten wurde den Mitarbeitern kein Lohn mehr gezahlt

Zufahrtsweg zum ehemaligen Pilzhof in Markgrafenheide
Bereits 1997/1998 wies der Landesverband M-V der Angehörigen und Freunde psychisch Kranker e.V. in Gesprächen mit dem damaligen Träger des Projektes, dem Förderverein Gemeidepsychiatrie Rostock e.V., darauf hin, dass der damals im Aufbau befindliche Pilzhof in Markgrafenheide für psychisch Behinderte völlig ungeeignet sei. "Für diese Menschen entstehen hier keine zukunftsfähigen Arbeitsplätze", erklärte der Vorstand. Als Problemfelder wurden u.a. der enorme Leistungsdruck, die Arbeitsbedingungen in den Bunkern, die 40-Stunden-Woche, die geringe Bezahlung und die unzureichende psychosoziale Betreuung genannt.

Direktvermarktung, zu wenig Großverteiler
Schließlich fanden 1998 kurz nach der Errichtung des Betriebes "Pilzproduktion Markgrafenheide GmbH" überwiegend Gehörlose, Epileptiker und später auch Saisonarbeiter eine Anstellung. In der Startphase flossen Fördermittel vom Land, Arbeitsamt und der Stadt. Eine wirtschaftliche Vermarktung der Speisepilze über Großverteiler gelang offenbar nicht. Zusätzlich drückten Überstunden und ausstehende Löhne die Stimmung. Öffentlich wurde weiter erklärt, der Betrieb sei behindertenfreundlich.
Im Oktober 1998 übernahm nach einer Zeitungsmeldung die Wirtschaftsfördergesellschaft des Rostocker Unternehmerverbandes als Gesellschafter die Mehrheit der Firmen-Anteile. Der Versuch, den Pilzhof über eine "Auffanglösung" von seinen Schulden zu befreien und wirtschaftlich flott zu machen, scheiterte. Auch das von den geschäftsführenden Akteuren angestrebte Vorhaben, das Unternehmen in einen zuschussfähigen "sozialen Zweckbetrieb" umzuwandeln, fand beim Land letztendlich auch keine Unterstützung mehr.
Dann die Notbremse: Laut Ausgabe "Bundesanzeiger" 92/16.05.2000 wurde durch Beschluss des Amtsgerichts Rostock vom 30. März 2000 (AZ 61 IN 309/99) über das Vermögen der "Pilzproduktion Markgrafenheide GmbH" das Insolvenzverfahren eröffnet. Damit ist die Gesellschaft aufgelöst. (Siehe auch: Auf dem Pilzhof gingen die Lichter nun endgültig aus, OZ vom 14.04.2000)

Fazit: Um nicht weiterhin die Hoffnungen der Behinderten zu enttäuschen, gehören solche "Integrationsprojekte" bereits in der Planungsphase auf den Prüfstand. Es wurde schon genug Geld verschleudert. Auf keinen Fall stimmt hier das Ergebnis! Öffentliche Auswertung? Fehlanzeige! Doch schon wieder möchten die alten Akteure ungefragt zum nächsten neuen Projekt schreiten. Siehe OZ-Meldung vom 11.02.2004 (Lokalausgabe Rostock).
Roland Hartig
Redaktion Lichtblick (14.02.2004)
AKTUELLE MELDUNG der Ostsee-Zeitung vom 11. Februar 2004

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Meinungen/Leserbriefe zu dieser Seite
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Schreiben von Sandra Rieck, Das Boot Wismar e.V. (Wismar, 16.02.2004)
Von: Das.Boot.Wismar@t-online.de (Sandra Rieck Das Boot Wismar e.V.)
Datum: Mon, 16 Feb 2004 14:54:03 +0100
An: <redaktion@lichtblick-newsletter.de>
Cc: <LPH-MV@t-online.de>
Betreff: Ihr Artikel zur Pilzproduktion
Sehr geehrter Herr Hartig,
jetzt kann ich doch nicht an mir halten und muss Ihnen eine Rückmeldung geben zu Ihrem Artikel im Lichtblick.
Ich finde die Debatte sehr populistisch und unsachlich und möchte mich zu dieser Art "Aufmachung" auf diesem Wege offiziell an Sie wenden.
Keinesfalls mit allen Einzelheiten, wohl aber mit den Schwierigkeiten und Erfolgen der "Pilze" bekannt, finde ich es eine Anmaßung, wie Sie dieses Projekt aburteilen!
Da letzten Endes (auch) die starren Förderkriterien für solche Integrationsunternehmen den Akteuren die Fortführung erschwerten und schließlich nicht mehr möglich machten, sei Ihnen nur am Rande erklärt. Ich sehe es nicht als meine Aufgabe an, Ihnen diese Hintergründe zu erklären, diese wollen Sie bitte bei den Zuständigen sauber recherchieren.
Ich habe mit sehr viel Respekt den Weg verfolgt, der mit den "Pilzen" versucht wurde zu gehen. Sehr wohl waren auch Großabnehmer erreicht worden, die Produktion war ins Laufen gebracht bei allen Schwierigkeiten, die so ein Arbeitsprojekt mit sich bringt.
Wir befinden uns hier auf dem freien Markt - nicht in einer Behindertenwerkstatt. Das ist ein großer Unterschied.
Wer mutig vorangeht und neue Wege beschreitet, der gehört nicht an den Pranger sondern verdient Anerkennung. Es handelt sich hier um ein Projekt auf dem ersten Arbeitsmarkt mit den Besonderheiten des Beschäftigungsanteils Schwerbehinderter - das sind ganz offiziell nicht nur psychisch behinderte Menschen. Diesen Unterton, "unsere psychisch Behinderten" waren nicht dabei, finde ich hier völlig deplatziert. Psychisch schwerbehinderte Menschen haben bessere Chancen der Integration in Arbeit, wenn andere Gruppen vertreten sind, die die Schwankungen ausgleichen können. Dies baut sich langsam auf und ist völlig fachlich richtig.
Mich ärgert einfach Ihre pauschale unsachliche öffentliche (!) Darstellung dieses Projektes. Ich erwarte vom Lichtblick seriöse Auftritte und keine reißerischen Kritiken. Sicher ist es auch Aufgabe der Angehörigenvertretung, zu provozieren. Aber dieser "Beschuss" ist für mich außerhalb des Akzeptablen und kann neuen Projekten nur schaden.
Statt mit unsachlichen Debatten sollte hier im Sinne von Informationstransfer die Wichtigkeit der positiven Begleitung solcher (viel zu wenig existenten) Integrationsprojekte durch die öffentliche Hand unterstützt werden.
Dann leisten Sie einen wirklichen Beitrag zur Verbesserung der Arbeitsmöglichkeiten (für psychisch und andere) schwerbehinderte Menschen. Daran dürften wir - Träger und Interessenverbände gleichermaßen - in heutigen Zeiten ein großes Interesse haben.
Mit freundlichen Grüßen
S. Rieck
"Das Boot" Wismar e.V.
http://www.das-boot-wismar.de
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Roland Hartig zum Beitrag von S. Rieck (19.02.2004)
"Es ist besser, ein Dienst wird nicht aufgebaut, als unter falschen Bedingungen, denn dadurch wird Geld verschleudert, es werden Ressourcen vergeudet, es werden Hoffnungen enttäuscht und 'Alibieinrichtungen' geschaffen!" Das Zitat* stammt von Arnd Schwendy, ehemaliger Geschäftsführer des Dachverbandes Psychosozialer Hilfsvereinigungen e.V. Nichts anderes habe ich mit dem Artikel "Nach dem Scheitern der Pilzproduktion ungefragt zum nächsten Projekt?" gemeint.
Roland Hartig
Redaktion Lichtblick
* Buchtitel: "Wenn nichts mehr ist, wie es war..." (1992, Psychiatrie-Verlag)
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S. Rieck schreibt am 19.02.2004
Lieber Herr Hartig, danke für die Erläuterung. Ich möchte dazu kurz ausführen, dass sicher ein Unterschied darin zu sehen ist, ob ein (Beratungs- oder Betreuungs-)Dienst aufgebaut wird, oder ob versucht wird, ein Unternehmen als Arbeitsprojekt auf dem ersten Arbeitsmarkt zu etablieren.
Bei Ersterem ist eine dauerhafte wenn Sie so wollen "Subvention" durch Förderung notwendig: ist diese nicht wenigstens mittelfristig gesichert, sollte man die Finger davon lassen, weil falsche Hoffnungen geweckt werden. Dort bin ich einer Meinung mit Herrn Schwendy. Hier geht es ja auch vorrangig um Pflichtaufgaben des Staates zur Erfüllung gesetzlicher sozialer Vorgaben auf Unterstützung benachteiligter Menschen. Bei Integrationsunternehmen dagegen muss der Wirtschaftsmarkt (zwar mit Unterstützung von Schwerbehindertenförderung, aber dann eben auch zunehmend ohne) erschlossen und aufgebaut werden. Das SGB IX sieht heute zwar auch Möglichkeiten der Starthilfe vor, aber diese erschöpfen sich sehr schnell.
Beides muss verantwortungsvoll geschehen, da gebe ich Ihnen Recht. Die Perspektive ist jedoch für Integrationsunternehmen eindeutig schwerer zu entwickeln. Darum trauen sich auch Träger erst ab einer gewissen wirtschaftlichen Stabilität (z.B. im Betreiben von Hilfsangeboten) den Schritt zu Projekten auf dem ersten Arbeitsmarkt zu. Das Risiko ist ungleich höher und die Möglichkeit des Scheiterns eben auch. Es gibt bundesweit erst (oder schon !) ca. 700 Integrationsunternehmen, lt. Statistik aus dem Jahr 2000 aber ca. 94 000 (!) Einrichtungen der Wohlfahrtspflege, die soziale Betreuungsaufgaben erfüllen. Wir sollten also nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Das schadet der Argumentation für mehr Beschäftigungsprojekte. Herr Schwendy unterstützt diese Bemühungen durch seine Mitgliedschaft in der Bundesarbeitsgemeinschaft für Integrationsunternehmen sehr engagiert.
Herzliche Grüße
S. Rieck
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Redaktion Lichtblick
Sozialministerium M-V reagiert auf Veröffentlichungen zur Pilzproduktion
Am 24. Februar sind Vertreter des Landesverbandes M-V der Angehörigen und Freunde psychisch Kranker e.V. aufgrund des Artikels "Nach dem Scheitern der Pilzproduktion ungefragt zum nächsten Projekt?" und eines Leserbriefes in der Ostseezeitung (Lokalausgabe Rostock) zu diesem Thema vom Psychiatriereferenten Michael Köpke in das Sozialministerium, Referat IX, eingeladen worden. Bei dem fast dreistündigen Gespräch trugen die Mitglieder des Verbandes ihre Sicht zur ehemaligen Pilzproduktion in Markgrafenheide vor. Dabei hat sich folgende Perspektive ergeben, die in eine Festlegung des Psychiatriereferenten mündete: In Vorbereitung eines weiteren Gespräches mit allen Beteiligten hat der Angehörigenverband dem Psychiatriereferenten einen Fragenkatalog zum ehemaligen Projekt der Pilzproduktion in Markgrafenheide vorab schriftlich vorzulegen. Die Vertreter des LApK begrüßten diese Entscheidung.
Anmerkung: Der Fragenkatalog wurde dem Sozialministerium und der GGP, Herrn Torsten Benz, vorgelegt. Bis heute fand dazu keine Ausprache mit der GGP statt. Auch hier wieder: Fehlanzeige, denn Herr Benz kneift. In die "Pilzproduktion Markgrafenheide GmbH" sind etwa 3,5 Millionen DM Fördermittel geflossen. Viel Steuergeld für ein sehr schlecht vorbereitetes "Experiment". Deshalb auch kein Lob! Roland Hartig (Lichtblick-Newsletter) |
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Übersicht "Meldung vom Tage" (Februar 2004) |
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