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Startseite Rubrik: Meldung vom Tage aktualisiert
10.11.2005



Übersicht "Meldung vom Tage" (November 2005)



09.11.

Mühsames Puzzle im Mordfall Carolin
Gutachter: Spuren stammen "ohne Zweifel" vom 29-Jährigen

ddp

Eklat nach Verlesen eines Briefes

Von Katrin Schüler

Rostock (ddp). Im Mordfall Carolin weisen alle DNA-Spuren zum 29-jährigen Tatverdächtigen. Der kriminaltechnische Gutachter sagte am Mittwoch vor dem Rostocker Landgericht, sowohl ein am Tatort gefundener Zigarettenrest als auch Sperma- und Blutreste am Opfer stammten von dem Beschuldigten. Der vorbestrafte Gewaltverbrecher äußerte sich auch am zweiten Verhandlungstag nicht zu den Tatvorwürfen. Ihm wird vorgeworfen, die Gymnasiastin am 15. Juli in einem Wald in der Nähe des Ostseebades Graal-Müritz vom Fahrrad gerissen, vergewaltigt und ermordet zu haben.

Durch das Schweigen des Tatverdächtigen ist das Gericht weiterhin auf eine mühsame Puzzlearbeit angewiesen. Sieben Zeugen berichteten von ihren Beobachtungen an jenem Sommerwochenende. Fast alle von ihnen erkannten den Angeklagten, der während der dreitägigen Suche nach Carolin die Polizei beim Durchstreifen des Waldes beobachtet haben soll. Der 29-Jährige sei sehr nervös gewesen und habe sich vor den Polizisten versteckt, berichteten die Zeugen.

Der Mann sei schnell ins Visier der Ermittler gerückt, da er als Sittlichkeitsverbrecher nur wenige Tage zuvor aus dem Gefängnis entlassen worden war und in der Nähe wohnte, sagte ein Polizeibeamter. Außerdem hatte sich sein früheres Opfer gemeldet, die am möglichen Tatort und an der Verletzung der Leiche die Handschrift ihres Vergewaltigers erkannt haben wollte. Vor dem Ermittlungsrichter stritt der 29-Jährige die Tat ab, gab aber zu, Carolin an jenem Tag im Wald gesehen zu haben. Erst später verweigerte er jede Aussage.

Auch das Obduktionsprotokoll wurde am zweiten Verhandlungstag verlesen. Allein die Auflistung der schweren Verletzungen an Kopf, Hals und Oberkörper dauerte 23 Minuten. Mit voller Wucht habe der Täter ihr einen schweren Gegenstand, vermutlich einen Stein, ins Gesicht geschlagen, sagte der Gutachter. Der Tod sei nicht sofort eingetreten.

Diese Details hätten der Familie, die als Nebenkläger auftritt, und den im Saal versammelten Angehörigen und Freunde erspart bleiben können, appellierte eine Anklägerin an den Beschuldigten. In der Verhandlung wegen Vergewaltigung, Geiselnahme und schwerer Körperverletzung vor sieben Jahren sei er in vollem Umfang geständig gewesen. Für einen kurzen Moment ließ der Angeklagte daraufhin Regungen erkennen. Nach Rücksprache mit seinem Anwalt jedoch blieb er bei seinem Schweigen.

Einen Eklat gab es beim Verlesen eines privaten Briefes des 29-Jährigen an seine Mutter, die seit Jahren die 1996 geborene Tochter des Angeklagten betreut. Sie solle auf das Mädchen aufpassen, schrieb der Beschuldigte aus der Untersuchungshaft. "Ich möchte nicht, dass ihr irgendetwas passiert. Ich würde mir ewig Vorwürfe machen." Daraufhin gab es ungläubige und wütende Zwischenrufe aus dem Publikum. Der Freund von Carolin musste wegen seiner Äußerung den Saal verlassen.

Der Prozess wird am Freitag mit dem psychologischen Gutachten über den Tatverdächtigen sowie voraussichtlich mit den Plädoyers fortgesetzt. Die Urteilsverkündung ist für nächste Woche geplant.


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