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Übersicht "Meldung vom Tage" (Februar 2004)

16.02.2004

Pharmaindustrie will mit Ehrenkodex Korruption eindämmen

ddp
SPD sieht lediglich einen "Trippelschritt"

Von Thorsten Severin

Berlin (ddp). Die forschenden Arzneimittelhersteller in Deutschland legen sich eine "freiwillige Selbstkontrolle" auf. Die Mitgliedsunternehmen des Dachverbandes riefen am Montag in Berlin einen entsprechenden Verein ins Leben. Mit dem Ehrenkodex soll nach Angaben des Verbandes sichergestellt werden, dass es nicht zu Korruptionsfällen kommt und in der Zusammenarbeit von Ärzten und Industrie bestimmte Regeln eingehalten werden. Eine unlautere Beeinflussung der ärztlichen Unabhängigkeit soll so ausgeschlossen werden.

Die Branche steht wegen angeblich unlauterer Wettbewerbsmethoden und wegen des Verdachts der Bestechung von Ärzten seit langem in der Kritik. Mit der neuen Initiative sollen nun beispielsweise als Fortbildungsveranstaltungen getarnte Luxusreisen und teure Geschenke von Pharmaunternehmen an Mediziner der Vergangenheit angehören. Nach Ansicht der SPD ist dieser Ehrenkodex der forschenden Arzneimittelhersteller nur ein "Trippelschritt" und reicht bei weitem nicht aus.

Der neu gegründete Verein soll eine Schiedsstelle ins Leben rufen, die allen Beanstandungen nachgeht und bei Verstößen finanzielle Sanktionen verhängen kann, kündigte der Vorstandsvorsitzende des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VfA), Andreas Barner, an. Bei einem ersten Verstoß droht eine Strafe bis zu 50 000 Euro; bei einem zweiten Vergehen sogar bis zu 250 000 Euro.

Barner verwies darauf, dass in den vergangenen Jahren bereits in Abstimmung mit der Ärzteschaft "klare Standards" verabschiedet worden seien, wie etwa im Mai 2003 die Verhaltensempfehlungen für die Zusammenarbeit der pharmazeutischen Industrie mit Ärzten. Nun gehe es darum, die Einhaltung dieser Empfehlungen sicherzustellen. Der Verein habe sie deshalb zur Grundlage des Kodex gemacht. Die Vereinsmitglieder seien aufgefordert, die Verhaltensstandards firmenintern durchzusetzen.

Fortbildungsveranstaltungen sind laut Barner aber auch in Zukunft unverzichtbar. Allerdings müssten sie auf Wissensvermittlung fokussiert sein. Außerdem werde beispielsweise vorgeschrieben, dass der Arzt in einer vertraglichen Zusammenarbeit mit einem Pharmaunternehmen nur für echte wissenschaftliche oder fachliche Tätigkeiten entlohnt, "aber nicht für seine Verordnungsweise belohnt wird".

Der SPD-Gesundheitsexperte und Vorsitzende des Sozialausschusses, Klaus Kirschner, sagte, freiwillige Verhaltensstandards seien zwar grundsätzlich zu begrüßen, um eine unlautere Beeinflussung der Ärzte zu Arzneimittelverordnungen zu unterbinden. "Dieser Schritt geht jedoch nicht weit genug", kritisierte Kirschner. Es fehle die Verpflichtung der Arzneihersteller, auf alle Naturalrabatte an Apotheker zu verzichten sowie eine Veröffentlichungspflicht von Honoraren an Wissenschaftler und Gutachter, die in Studien Empfehlungen zum Medikamenteneinsatz abgeben. Hier gebe es eine "Grauzone", die von der freiwilligen Selbstkontrolle nicht erfasst werde, bemängelte Kirschner.

Der BKK-Bundesverband will die Arbeit des neuen Vereins "mit Skepsis" verfolgen. Seine Gründung dokumentiere aber immerhin ein gewachsenes Problembewusstsein bei der Pharmaindustrie, sagte ein Sprecher.




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