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10.11.2005



Übersicht "Meldung vom Tage" (November 2005)



10.11.

Auch im Gesundheitswesen klagen die Deutschen auf höchstem Niveau

ddp

Von ddp-Korrespondent André Spangenberg

Berlin (ddp). "Früher sprachen die Ärzte Latein, heute Englisch. Nur mit den Patienten sprechen sie offensichtlich nicht." Dies ist für Gesundheits-Staatssekretär Klaus Theo Schröder das deutsche Fazit aus einer am Donnerstag vorgelegten Vergleichsstudie der Gesundheitssysteme in sechs Ländern. Danach punktete Deutschland zwar in fast allen Sachbereichen, doch fühlten sich die Patienten zwischen Kiel und Bodensee am wenigsten von allen gut 21 000 Befragten in den USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland informiert.

Während die Einschätzung der Deutschen zu ihrer Versorgung extrem gut im internationalen Vergleich abschnitt und alle die schnelle Behandlung sowie die selten falschen Befunde lobten, zeigten sich gerade mal 16 Prozent der 1474 befragten Bundesbürger subjektiv zufrieden. Den höchsten Zufriedenheitswert gab es in Großbritannien mit 30 Prozent, wo drei Viertel der Patienten mehr als einen Monat auf eine geplante Operation warten müssen und nur jeder Zweite in der Notaufnahme innerhalb einer Stunde behandelt werden kann.

Auch den Vergleich mit den USA, die mit 15 Prozent Anteil der Ausgaben für den Gesundheitssektor am Bruttoinlandsprodukt die Nase vorn haben, braucht Deutschland (11,1 Prozent) nicht scheuen. In beiden Ländern wird rasch für eine Notfallbehandlung gesorgt, und die Wartezeit auf eine fachärztliche Behandlung dauert in der Regel weniger als zwei Wochen. Allerdings verzichten in den Vereinigten Staaten mit 34 Prozent der Befragten mehr als doppelt so viele wie in Deutschland (15 Prozent) aus Kostengründen auf einen Arztbesuch.

"Wir fahren Mercedes, glauben aber einen reparaturbedürftigen Golf zu steuern", sagt der Leiter des deutschen Teils der Studie, Peter Sawicki. Selbst ein verspäteter oder falscher Befund sei in Deutschland "eine eher seltene Sache" genauso wie eine Infektion im Krankenhaus. Was ihm Sorge macht, seien unnötige Doppeluntersuchungen, die von jedem fünften beklagt werden, oder eine überdurchschnittlich hohe Operationsrate gerade unter Privatpatienten.

Was in der Vergleichsstudie besonders auffällt, ist mangelnde Kommunikation der Ärzte mit den Patienten: 77 Prozent - so viel wie in keinem anderen Vergleichsland - gaben an, nicht ausreichend über ihre Verschreibungen aufgeklärt worden zu sein. Zwar liegt kein Land unter 70 Prozent, "aber unter den Schlechten ist Deutschland noch schlechter", sagt Sawicki.

Das gleiche Bild zeigt sich bei der Information der Patienten über Behandlungsfehler. Während in Neuseeland 37 Prozent angeben, sie hätten vom medizinisches Personal darüber Bescheid erhalten, und die Quote in den anderen Ländern zwischen 23 und 26 Prozent liegt, ist Deutschland hier mit 15 Prozent das absolute Schlusslicht.

Wenn der Patient schließlich aus dem Krankenhaus entlassen wird, dann ist das Ergebnis der Befragung wiederum kein Anlass zur Zufriedenheit. 23 Prozent gaben an, keine Verhaltensregeln vom Arzt erhalten zu haben - nur in Großbritannien ist die Quote mit 26 Prozent noch höher. Und wenn es darum geht, ob man "den Sinn und Zweck der Behandlung" verstanden hat, sieht es noch trauriger aus: 14 Prozent haben das in Deutschland "nicht verstanden", in Australien sind es gerade mal 3 Prozent.

Angesichts dieser Zahlen räumt Gesundheits-Staatssekretär Schröder Fehler in der "Arzt-Patient-Kommunikation" ein. Doch von einer Komplettreform des Systems, wie sie fast ein Drittel der Patienten (31 Prozent zu 14 Prozent in Großbritannien) befürwortet, hält er nichts: "Es ist an der Zeit, dass wir Deutschen uns unserer Stärken bewusst werden", fordert er.


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