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Wenig Rückhalt aus der Politik
Von ddp-Korrespondentin Claudia Stäuble
Berlin (ddp-bln). In den Medien sind sie häufig Thema. Die "gefährlichen Verrückten", die ihren Mitmenschen Furchtbares antun. Hinter den Schlagzeilen verschwinde die Mehrheit der psychisch Erkrankten, die nicht gewalttätig sei, sagt die Geschäftsführerin des bundesweit arbeitenden Vereins "Irrsinnig Menschlich", Manuela Richter-Werling. Genau wie das Wissen um psychische Krankheiten hätten auch die Vorurteile zugenommen. Gemeinsam mit ihren Mitstreitern setzt sich Richter-Werling dafür ein, dass Menschen mit Schizophrenie, Ängsten, Depressionen und anderen seelischen Erkrankungen nicht an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.
"Die Betroffenen werden ganz anders behandelt als Menschen mit körperlichen Krankheiten", weiß die 46-Jährige. Die Männer und Frauen litten am meisten unter Stigmatisierung und Ausgrenzung, die das Eingeständnis einer psychischen Erkrankung häufig nach sich ziehe. So würden sie auf ihren Arbeitsstellen oft gemobbt oder ganz verdrängt. Ein normales Leben sei für sie kaum möglich.
Für psychisch erkrankte Jugendliche, deren wichtigste Ziele eine abgeschlossene Ausbildung oder ein fertiges Studium seien, gebe es im Betrieb oder an der Universität kaum kompetente Ansprechpartner. Ein weiteres Problem: "Die jungen Frauen und Männer wissen nicht, was sie in ihren Lebenslauf schreiben sollen, wenn sie wegen ihrer Krankheit pausieren müssen."
Durch Begegnungen mit Betroffenen, darunter Prominenten, sollen das negative Bild von Menschen mit psychischen Krankheiten verändert und Berührungsängste abgebaut werden. "Natürlich macht es uns Angst, wenn sich jemand in seinem Verhalten völlig verändert. Wir möchten immer alles unter Kontrolle haben", sagt Richter-Werling. Das Wichtigste sei aber, dass die Betroffenen von ihren Familien, Freunden und Kollegen trotz ihrer Krankheit angenommen werden.
Beim Kampf um eine stärkere Lobby stößt der im Jahr 2000 in Leipzig gegründete Verein auch in der Politik auf Vorurteile. Ein sehr häufig gebrauchtes Wort, das Parlamentarier bei Debatten im Bundestag für ihre Gegner gebrauchten, sei "schizophren", sagt Richter-Werling. Mit dem Preis MUT zeichnet die Initiative deshalb seit drei Jahren Politiker aus, die sich vorbildlich für psychisch Erkrankte einsetzen.
In diesem Jahr wurde die mit 1500 Euro dotierte Auszeichnung an die Bürgermeisterin der Stadt Halle/Saale, Dagmar Szabados, verliehen. Der am Donnerstag in Berlin vergebene Preis kommt dem Landesverband der Angehörigen psychisch Kranker Sachsen-Anhalt sowie der Selbsthilfeinitiative Schreibgruppe Regenbogen in Halle zugute. Anlässlich der Gala zur Preisverleihung des MUT 2005 unter der Schirmherrschaft von Dr. Klaus Theo Schröder, Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung, waren mehr als 150 Gäste aus Politik, Kultur und Gesellschaft in das Berliner Kleisthaus gekommen. Durch die Gala zur Preisverleihung führte Inka Bause, Fernsehmoderatorin und Sängerin. Stargäste des Abends waren die Musiker und Sänger Hendrik Bruch und Arnold Fritzsch, die selbst schwere psychische Krisen meistern mussten und von ihrem Umgang damit erzählten.
Zahlen und Fakten zu psychischen Erkrankungen in Deutschland
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Etwa jeder dritte Mensch hat einmal in seinem Leben eine behandlungsbedürftige
psychische Krise oder Krankheit durchlebt oder leidet noch daran. |
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Jeder dritte Notarzteinsatz hat mit psychischen Krisen zu tun. |
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Zwischen 1,6 und 4 Millionen Menschen suchen jährlich in Deutschland
psychiatrische Hilfe. 400 000 von ihnen werden stationär behandelt. |
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Zu den schwerwiegendsten psychischen Erkrankungen zählt Schizophrenie.
Rund 800 000 Menschen in Deutschland sind davon betroffen, das ist etwa
ein Prozent der Bevölkerung. An zweiter Stelle stehen bipolare Erkrankungen
wie manische Depression (rund vier Millionen Erkrankte) und Depressionen
(mehr als drei Millionen Betroffene). |
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Jüngere Menschen zwischen 15 und 34 Jahre sind immer stärker von psychischen
Gesundheitsproblemen wie Angststörungen und Depressionen betroffen.
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www.irrsinnig-menschlich.de
Pressemitteilung
MUT-Preisverleihung an Dagmar Szabados
mit den Stargästen Hendrik Bruch und Arnold Fritzsch
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