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Verein Irrsinnig Menschlich verleiht zum dritten Mal Preis
für politisches Handeln zugunsten psychisch kranker Menschen

(Berlin, 10. November 2005, pm). Psychisch kranken Menschen eine Lobby schaffen - dafür engagierten sich eindrucksvoll prominente Künstler und Politiker bei der Benefizgala von Irrsinnig Menschlich. Stargäste des Abends waren die Musiker und Sänger Hendrik Bruch und Arnold Fritzsch. Anlässlich der Gala zur Preisverleihung des MUT 2005 unter der Schirmherrschaft von Dr. Klaus Theo Schröder, Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung, waren mehr als 150 Gäste aus Politik, Kultur und Gesellschaft in das Berliner Kleisthaus gekommen. Verliehen wurde der Preis für politisches Handeln zugunsten psychisch kranker Menschen an Dagmar Szabados aus Sachsen-Anhalt. Ehrungen gab es für Hedda Freese und Heike Möhlmann aus Niedersachsen. Neben Dagmar Szabados, Bürgermeisterin für Soziales, Jugend und Gesundheit der Stadt Halle/Saale, riefen weitere Politiker und Künstler zu einem vorurteilsfreien Umgang mit psychisch kranken Menschen auf. "Ich selbst war als Betroffener noch vor einem Jahr nicht in der Lage die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, jemals wieder als Musiker zu arbeiten, an die Öffentlichkeit zu gehen. Es ist so wichtig, offen und ehrlich über psychische Krisen reden zu können", so Bruch.
"Neu an den 10 Nominierungen auf unsere Ausschreibung des MUT 2005 war, dass die Vorschläge stärker als bisher von der Basis, von Selbsthilfeinitiativen Betroffener und Angehörigengruppen kamen", sagt Prof. Matthias C. Angermeyer, Vorsitzende von Irrsinnig Menschlich. Der Leipziger Verein engagiert sich seit seiner Gründung im Jahr 2000 für ein Stück mehr Normalität im Umgang mit psychischer Krankheit - schließlich kann es jeden treffen! Mit seinen Aktionen will Irrsinnig Menschlich über psychische Erkrankungen aufklären und Vorurteile gegenüber Menschen mit psychische Erkrankungen abbauen, denn psychische Gesundheit geht jeden Menschen an.
Die Jury aus Betroffenen, Angehörigen, Journalisten, Politikern und Ärzten entschied sich einhellig für Dagmar Szabados (SPD), Bürgermeisterin für Soziales, Gesundheit und Jugend in Halle (Saale). "Frau Szabados widersteht offenbar schon lange der Versuchung, sich auf den Lorbeeren des Erreichten auszuruhen. Offen und kritikfreudig schaut sie immer, ob sich an der gemeindenahen Versorgungsstruktur in Halle nicht noch etwas verbessern lässt. Ohne ihren erklärten politischen Willen, eine sozialpsychiatrische Versorgung auf hohem Niveau zu etablieren und trotz aller Einsparungsnotwendigkeiten zu erhalten, wäre das in Halle Erreichte nicht denkbar", würdigte Dr. Regina Görner, Vorstandsmitglied der IG Metall und Ehrenjurorin die Preisträgerin. Als Empfänger für die 1.500 Euro Preisgeld - gestiftet von der Lilly Deutschland GmbH - wählte Dagmar Szabados den Landesverband der Angehörigen psychisch Kranker Sachsen-Anhalt e.V. und der Selbsthilfeinitiative Schreibgruppe Regenbogen in Halle.
Ehrungen für persönlichen Mut bekamen Hedda Freese und Heike Möhlmann, Bündnis 90 / Die Grünen, Stadträtinnen in Nienburg / Weser. Beide Politikerinnen stellten sich gegen die Meinung der meisten Menschen ihrer Stadt, die den Bau eines Wohnheims für psychisch kranke Menschen vehement ablehnen. Der Sache ist bis heute nicht ausgestanden.
Mit Herz, Verstand und Überzeugung
Durch die Gala zur Preisverleihung führte Inka Bause, Fernsehmoderatorin und Sängerin. Sie hat als Angehörige erfahren, was es bedeutetet, wenn der Partner psychisch erkrankt. "Ja, ich bilde eben wirklich keine Ausnahme in dem Heer von Menschen, die sich erst engagieren, wenn sie selber zu Betroffenen werden. Aber besser spät als nie."
Verständnis, Vertrauen und Hoffnung seien unerlässlich, so die Moderatorin, um solch eine Krise zu überstehen. Davon erzählten auch die Songs von Hendrik Bruch und Arnold Fritzsch, mit denen sie das Publikum im Berliner Kleisthaus begeisterten. Beide Musiker haben seelische Krisen durchlebt und wollen andere Menschen ermutigen, offen damit umzugehen. Hendrik Bruch komponierte deshalb auch das Sounddesign für den ersten Kinospot des Vereins zum Thema Seelische Krankheit, der jetzt in die Kinos kommt. "Die Zusammenarbeit mit Irrsinnig Menschlich", so Bruch, "ist für mich die direkteste Auseinandersetzung mit dieser/meiner Krankheit. Das schärft mein Bewusstsein, zeigt mir, dass diese Krankheit nicht halt macht - schon gar nicht vor einer gesellschaftlichen Herkunft oder Stellung. Und die Auseinandersetzung zeigt mir, wie notwendig es ist, als Betroffener an die Öffentlichkeit zu gehen."
Politiker, Betroffene und Künstler diskutierten mit dem Publikum darüber, wie man Diskriminierung und Ausgrenzung von psychisch kranken Menschen abbauen kann, die unverschuldet - nur wegen ihrer Krankheit - an den Rand der Gesellschaft abgedrängt werden. Mit dabei waren u.a. Karl-Hermann Haack, ehemaliger Behindertenbeauftragter der Bundesregierung, Regina Schmidt-Zadel, die Vorsitzende der Aktion psychisch Kranke und ehemalige Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Bundestages sowie Renate Grötzebach vom Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker (BApK). Einhelliger Tenor aller Beteiligten: Seelische Gesundheit zu fördern, psychische Krankheiten zu verhüten, beides müsse zum gesellschaftlichen Anliegen werden. Das fange bereits in der Schule an. Seit 2001 geht Irrsinnig Menschlich e.V. zu Jugendlichen mit dem Schulprojekt "Verrückt? Na und!". Dabei lernen Schüler Menschen kennen, die psychische Krankheit erlebt haben. Durch persönliche Begegnung lassen sich Ängste und Vorurteile am besten reduzieren. Jetzt hat sich die AKTION MENSCH entschlossen, das erfolgreiche Schulprojekt zu fördern.
Psychisch kranke Menschen brauchen Öffentlichkeit
"Es ehrt uns sehr, dass bekannte Persönlichkeiten aus Kultur und Politik unsere Arbeit anerkennen und unterstützen. Prominente haben einen großen Einfluss auf das öffentliche Meinungsbild und ziehen die Aufmerksamkeit der Medien auf sich", sagte Manuela Richter-Werling, Geschäftsführerin des Vereins Irrsinnig Menschlich. Denn psychisch kranke Menschen brauchen Öffentlichkeit, Fürsprecher und aktive Hilfe. Gerade Politiker sollten mögliche Auswirkungen jeglicher Politik auf den Bereich der psychischen Gesundheit berücksichtigen. In Deutschland sind Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen überdurchschnittlich häufig arbeitslos. Umgekehrt führt der Verlust des Arbeitsplatzes nicht selten zu psychischen Problemen. Seelische Gesundheit zu erhalten und zu fördern sei deshalb eine politische Aufgabe, so die Europäische Ministerielle WHO-Konferenz zur Seelischen Gesundheit Anfang des Jahres in Helsinki. Deshalb werde Irrsinnig Menschlich auch 2006 den MUT-Preis für politisches Handeln zugunsten psychisch kranker Menschen ausloben.
Weitere Informationen bei:
Irrsinnig Menschlich e. V. - Verein für Öffentlichkeitsarbeit in der Psychiatrie
Dr. Manuela Richter-Werling, Johannisallee 20, 04317 Leipzig
Telefon 03 41 / 222 89 90, Telefax 03 41 / 222 89 92
E-Mail: info@irrsinnig-menschlich.de
www.irrsinnig-menschlich.de
DDP-Meldung
"Irrsinnig Menschlich" will Vorurteile gegenüber
psychisch kranken Menschen abbauen
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