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Von ddp-Korrespondent Jörn Fabian
Düsseldorf (ddp-nrw). Jeden zweiten Mittwoch im Monat gibt Caroline Sachs zwei Stunden lang Nachhilfeunterricht. Eigentlich unterscheidet die 22-jährige Studentin nichts von anderen Kommilitonen oder Schülern, die auf diese Art ihr Einkommen aufbessern - mit einer Ausnahme. Caroline bekommt für ihre Tätigkeit keinen Cent. Sie gehört zu einer immer größer werdenden Gruppe von Bürgern in NRW, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich engagieren.
Dabei hat die Lehramtstudentin für ihr gemeinnütziges Engagement sowohl idealistische als auch pragmatische Beweggründe. Neben dem guten Zweck gehe es ihr vor allem um die Erfahrungen im Umgang mit Menschen. "Dadurch vollbringe ich eine gute Tat und bekomme gleichzeitig etwas, was man für kein Geld der Welt kaufen kann - soziale Kompetenz", sagt die 22-Jährige.
Denn gerade für den beruflichen Werdegang wird soziales Engagement immer wichtiger. Viele Personalabteilungen schauen nicht mehr nur auf gute Abschlüsse und interessante Praktika. Wichtig ist auch, ob ein Bewerber in seiner Freizeit ehrenamtliches Engagement zeigt. Für ihn seien nicht die Noten auf dem Zeugnis des Bewerbers entscheidend, sondern in welchem Maße er sich sozial engagiere, sagte der gesellschaftsführende Gesellschafter der Theodor Mahr und Söhne GmbH Aachen, Michael Mahr, auf einem Workshop zum "Landesnachweis NRW" in Aachen.
Den "Landesnachweis NRW" hat das Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie vor zwei Jahren eingeführt. Das Zertifikat soll ehrenamtliche Tätigkeiten und die dabei erworbenen Fähigkeiten beglaubigen und bei Bewerbungen als Nachweis dienen. Ausgestellt wird es entweder vom Ministerium selbst oder von den jeweiligen ehrenamtlichen Organisationen, welche die freiwillige Arbeit betreuen.
Das Tätigkeitsprofil des ehrenamtlichen Engagements habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert, weiß Oliver Hesse, Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen NRW. Die klassische ehrenamtliche Laufbahn im Verein sei immer seltener geworden, sagt er. Stattdessen würden die Leute vermehrt nach gezielten, zeitlich befristeten freiwilligen Tätigkeiten suchen.
In NRW wird die Zahl ehrenamtlich Tätiger auf vier bis fünf Millionen geschätzt. Meist engagieren sich dabei Leute im freiwilligen Dienst, die an sich schon einen vollen Terminkalender haben. "Ehrenamtliches Engagement ist leider immer noch sehr vom Bildungsgrad abhängig", berichtet Jutta Stratmann von "Engagiert in NRW". Vor allem Menschen mit geringer schulischer Ausbildung seien weniger in ehrenamtlichen Betätigungsfeldern vertreten.
"Engagiert in NRW" ist ein Internetforum, das sich an Engagierte und Interessierte, aber auch an Träger und Förderer ehrenamtlichen Engagements richtet. Im Auftrag des Ministeriums stellt das Forum Informationen zu rund 400 Projekten und mehr als 1500 Adressen zur Verfügung. Die Angebote reichen von klassischen Ehrenämtern wie der Seniorenarbeit oder der Betreuung von Behinderten bis hin zur Sterbebegleitung im Hospiz.
www.engagiert-in-nrw.de
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