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22.11.2005



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22.11.

Studie: Leichte Depressionen machen feinfühliger

ddp

Nashville (ddp). Menschen mit einer leichten Depression sind empfänglicher für den Gefühlszustand anderer als nicht depressive. Zu diesem Ergebnis gelangen Psychologen um Kate Harkness von der Queens-Universität in Kingston. Bisher gingen Forscher eher vom Gegenteil aus, da Depressionen beispielsweise mit einer Reihe von sozialen Problemen verbunden sind. Leicht depressive Menschen achten stärker auf Details in ihrem sozialen Umfeld als ihre gesunden Mitmenschen, fanden die Wissenschaftler hingegen heraus. Über ihre Studie berichten die Forscher im Fachmagazin "Cognition & Emotion" (Bd. 19, Nr. 7, S. 999).

In der Studie zeigten die Forscher 124 Probanden Fotos von Augen mehrerer Männer und Frauen. Die Freiwilligen sollten den Gefühlszustand der jeweiligen Person wie "glücklich" oder "verlegen" erraten. Studienteilnehmer mit milden Symptomen einer Depression lagen dabei mit ihrer Einschätzung viel öfter richtig als ihre nicht depressiven Kollegen. Für die Forscher kam das Ergebnis vollkommen unerwartet. Sie wiederholten daher den Versuch mit einer zweiten Gruppe von Freiwilligen - mit demselben Resultat.

Harkness hat eine mögliche Erklärung für den Zusammenhang zwischen milder Depression und gesteigertem Einfühlungsvermögen. Demnach fühlen sich Menschen mit leichten Symptomen einer Depression anfangs unter Umständen hilflos und entwickeln den Wunsch, die Kontrolle über ihre soziale Welt zurückzugewinnen. Daher achten sie vielleicht stärker und genauer auf ihre Umwelt, um anhand subtiler sozialer Signale die Gedanken und Gefühle ihrer Mitmenschen herauszufinden.

Das Einfühlungsvermögen wird aber nur bei leichten und nicht auch bei schweren Formen von Depression gesteigert: In früheren Studien hatten schwer depressive Teilnehmer wesentlich schlechter als Gesunde abgeschnitten, wenn es darum ging, den Gefühlszustand von Mitmenschen an sozialen Hinweisen wie dem Augenausdruck abzulesen. Depressionen werden von vielen Wissenschaftlern als Kontinuum betrachtet, das in verschiedenen Formen von leicht bis schwer auftreten kann, erklärt Harkness. Ihrer Ansicht nach könne es jedoch durchaus Schwellen geben, bei deren Überschreiten sich der Zustand des Patienten völlig verändere.


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