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22.11.2005



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22.11.

Studie: Bild der Familien im TV entspricht wenig der Wirklichkeit

ddp

Von Nathalie Waehlisch

Marl (ddp). Das Bild der Familien im Fernsehen ist einer Studie zufolge wenig real. Zwar sei Familie in ihren unterschiedlichsten Ausprägungen auch im deutschen TV überall präsent. Die Auswahl der im Fernsehen dargestellten Familiensituationen entspreche aber wenig der Wirklichkeit, ergab eine am Dienstag vorgestellte Studie des Adolf-Grimme-Instituts im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Sie untersuchte das Bild der Familie in fiktionalen und non-fiktionalen Formaten.

Die Untersuchung kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass die familienpolitische Debatte, die in Deutschland inzwischen alle gesellschaftlichen Gruppen erfasst habe, sich in den elektronischen Medien kaum wiederfinde. In den fiktionalen- wie auch in den Informations-Formaten würden Themen wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, das Bildungsniveau der Kinder, die Erziehungskompetenz der Eltern und das Armutsrisiko von Familien kaum aufgegriffen.

Wie es in einer Zusammenfassung der Studie heißt, ist das vorherrschende Lebensmodell der Serien, Krimis und Fernsehfilme das "großstädtische Singledasein". Familien mit - insbesondere kleinen - Kindern würden kaum gezeigt. Die klassische Kleinfamilie mit zwei leiblichen Kindern, wie sie in der bundesdeutschen Realität vorherrschend sei, gebe es in der TV-Fiktion praktisch gar nicht. "Das Familienbild im Fernsehen wird stattdessen geprägt von weitverzweigten Großfamilien in den Serien, von alleinerziehenden und multi-tasking-begabten alleinerziehenden Frauen im Fernsehfilm und von melancholischen einsamen Wölfen und Wölfinnen im Krimi", heißt es weiter.

Die Geburtenrate der Kriminal-Ermittler und Filmprotagonisten liegt der Studie zufolge "noch weit unter der bereits sehr niedrigen deutschen Geburtenrate von 1,3 Kindern pro Frau". Sie erreiche im Krimi knapp ein Viertel (0,29) und im Fernsehfilm gerade knapp die Hälfte (0,48) dieser Fortpflanzungsrate. Bis zu Dreiviertel aller Protagonisten in den fiktionalen Formaten seien kinderlos.

Festgestellt wird in der Studie auch, dass familienpolitische Meldungen und Themen nicht einmal ein Prozent aller Beiträge in Nachrichten und Magazinen ausmachten. Auffallend sei zudem die "entpolitisierte Behandlung" des Familienthemas.

Die Autoren der Studie, Irmela Hannover und Arne Birkenstock, untersuchten den Angaben zufolge im Jahr 2004 an die 500 Programmstunden mit unterschiedlichen Methoden.

Hannover betonte, eine 1:1-Abbildung der Realität im fiktionalen Bereich sei auch nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Es habe sie aber schon überrascht, dass Singles so dominant seien, dass so wenige Kinder vorkämen und dass die "Normalfamilie" keine Rolle spiele. Sehe auffallend sei auch, dass die Problematik der Vereinbarkeit von Familie und Beruf kein Thema sei. Für alle Beteiligten erstaunlich sei zudem das Ergebnis zum non-fiktionalen Bereich gewesen. Es handele sich bei diesen Fragen offenbar trotz allem immer noch um ein "weiches Weiberthema".


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