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Von Romy Richter
Berlin (ddp-bln). Die Ärzte des Universitätsklinikums Charité in Berlin streiken ab Montag. Mit der Arbeitsniederlegung wollen sie sich für bessere Arbeitsbedingungen und eine angemessene Vergütung einsetzen. Gemeinsam mit der Ärzteinitiative der Charité und dem Marburger Bund fordern sie einen eigenständigen Tarifvertrag. Der Hartmannbund, Verband der Ärzte Deutschlands, und die Ärztekammer Berlin sicherten den streikenden Charité-Medizinern ihre Unterstützung zu. Unterdessen bedauerte der Charité-Vorstand das Scheitern der Tarifverhandlungen.
Die Streikbereitschaft unter den etwa 2200 Medizinern des Universitätsklinikums Charité ist nach Angaben der Ärzteinitiative "sehr groß". Allein bei einer Abstimmung unter 700 Ärzten votierten 99 Prozent für die Durchführung der am Montag beginnenden Streikwoche, wie Malte Schröder von der Ärzteinitiative am Freitag sagte. Zu den Forderungen eines Zwölf-Punkte-Katalogs gehören unter anderem langfristige Arbeitsverträge, der Stopp des Abbaus ärztlicher Stellen, die Verbesserung der Bedingungen von Forschung und Lehre und die Einhaltung von Arbeitszeithöchstgrenzen. Bereits vor anderthalb Jahren seien so genannte Übergangsverträge eingeführt worden, kritisierte Schröder. Von den damit verbundenen 10 bis 15 Prozent Gehaltsverlust seien etwa 75 Prozent der Ärzte betroffen.
Ein Drittel aller Ärzte wird Schröder zufolge während der Streikwoche die Notversorgung in den Krankenhäusern sicherstellen. Einzige Nachteile für die Patienten könnten längere Wartezeiten in den nächsten Wochen sein. Die meisten hätten bisher "mit großem Verständnis" auf die Streikankündigung reagiert, betonte Schröder. Die Patienten seien persönlich gefragt worden, ob eine Verschiebung ihrer Behandlungstermine möglich sei.
Die Ärzteschaft müsse an einem Strang ziehen, sagte der Vorsitzende des Hartmannbunds, Kuno Winn. Die hohe Qualität der Behandlung im Krankenhaus werde durch schlechte Arbeitsbedingungen gefährdet. Die Abwanderung der Ärzte ins Ausland oder zu alternativen Berufsfeldern müsse gestoppt werden. Der bevorstehende Streik der Charité-Ärzte sei eine notwendige und richtige Maßnahme, unterstrich der Berliner Ärztekammerpräsident Günther Jonitz. Die Sanierung der Charité dürfe nicht auf dem Rücken seiner Leistungsträger ausgetragen werden. Leidtragende der bedenklichen Entwicklung sind nach den Worten von Jonitz die Patienten.
Der Klinikvorstand bedauerte unterdessen das Scheitern der Tarifverhandlungen mit dem Marburger Bund. "Angesichts der schwierigen finanziellen Lage des Klinikums sind wir jedoch nicht in der Lage, der Forderung nach 30 Prozent Gehaltserhöhung nachzukommen", sagte Charité-Sprecherin Kerstin Endele. Die Charité sei auch bereit, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
Für Patientenanfragen wird vom Vorstand der Charité unter Beteiligung der Ärzteinitiative in der nächsten Woche von 8.00 bis 18.00 Uhr eine Hotline eingerichtet. Sie ist zu erreichen unter 030 - 450 550 500.
Aus dem Forderungskatalog der Ärzteinitiative der Charité
Die Ärzteinitiative der Charité hat einen Forderungskatalog aufgestellt, der auf eine angemessene Arbeitsvergütung und bessere Arbeitsbedingungen abzielt. Darin wird unter anderem verlangt:
Abschluss eines Haustarifvertrages
Die Charité-Mediziner erhalten laut Ärzteinitiative derzeit einen Stundenlohn von 14 Euro.
Vergütung sämtlicher Arbeitsleistungen
Monatlich leisten die Ärzte der Charité den Angaben etwa 85 000 unbezahlte Überstunden. Forschungsaufgaben würden zum großen Teil in der Freizeit wahrgenommen.
Kein Abbau ärztlicher Stellen
Verbesserung der Bedingungen für Forschung und Lehre
Gefordert werden Freiräume in Dienstplänen, so dass Forschung nicht mehr nach Feierabend mit Qualitätseinbußen erfolgen muss.
Mehrjährige Vertragslaufzeiten
Zurzeit werden Kurzzeitverträge abgeschlossen.
Einhaltung von Arbeitshöchstgrenzen
Überstunden sollen erfasst und vergütet, Nacht- und Wochenendarbeit mit Zuschlag bezahlt werden. Bereitschaftsdienste im Hause sollen als volle Arbeitszeit gelten. Die Ärzte fordern ein elektronisches Zeiterfassungssystem.
Konzentration auf originäre ärztliche Tätigkeiten
Einfache medizinische und pflegerische Tätigkeiten sowie arztfremde Organisations- und Dokumentationsaufgaben sollten nach Ansicht der Initiative nicht länger wesentlicher Bestandteil des ärztlichen Alltags sein.
Strukturierte und garantierte Weiterbildung
Jede Abteilung soll zur Einrichtung eines Ausbildungsplanes verpflichtet werden.
www.klinikaerzte.org
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