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29.11.2005



Übersicht "Meldung vom Tage" (November 2005)



29.11.

Marburger Bund sieht Patienten im Ärztestreik hinter sich

ddp

Passau (ddp). Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund zählt beim Arbeitskampf der Ärzte auf die Unterstützung der Patienten. "Niemand will von ausgepowerten Ärzten behandelt werden", sagte der Vorsitzende des Marburger Bundes, Frank Ulrich Montgomery, der "Passauer Neuen Presse" (Dienstagausgabe) laut Vorabbericht. Seit Montag streiken die Ärzte an der Berliner Charité - Europas größtem Klinikum.

Trotz Zeiten knapper Kassen sei er sich der Unterstützung der Bevölkerung sicher, sagte Montgomery. "Wir erhalten schon jetzt sehr viel Zustimmung von den Patienten", sagte er. Vier von fünf Deutschen stünden laut Meinungsumfragen hinter den Ärzten.

Montgomery forderte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) auf, sich als Ministerin nicht mit populistischen Äußerungen in einen Tarifkonflikt einzumischen. "Wir halten an unseren Vorbereitungen für einen Streik in allen 700 kommunalen Krankenhäusern in Deutschland fest", sagte Montgomery. Die Versorgung von Notfallpatienten werde dabei selbstverständlich sichergestellt. "Wir wollen nicht die Patienten, sondern die Arbeitgeber treffen", versicherte der Mediziner.

Die Forderung nach 30 Prozent mehr Gehalt für Klinikärzte kann der Marburger Bund nach den Worten Montgomerys gut begründen. "Wir mussten Reallohnverluste von 7,5 Prozent verkraften, die Verwaltungsdirektoren der Krankenhäuser haben im gleichen Zeitraum sechs Prozent hinzugewonnen", sagte Montgomery. Zusammen mit den Kürzungen beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld und der geplanten Arbeitszeitverlängerung von 38,5 auf 42 Stunden ergebe das 30 Prozent minus in den vergangenen zehn Jahren, die die Klinikärzte zurück haben wollten. Würden die Forderungen nach kürzerer Wochenarbeitszeit und höherem Gehalt erfüllt, entsprächen die Kosten nach Berechnungen des Marburger Bundes einer Steigerung des Beitragssatzes in der gesetzlichen Krankenversicherung um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte.

Montgomery sagte, Wochenarbeitszeiten von mehr als 80 Stunden inklusive Überstunden seien keine Seltenheit bei Ärzten. "Die Gefahren einer solchen Belastung rund um die Uhr sind immens", erläuterte er. "Renommierte Studien belegen, dass Ärzte nach 16 bis 24 Stunden Dienst am Stück ein Koordinations- und Konzentrationsverhalten aufweisen wie Testpersonen mit einem Blutalkoholspiegel von 1,0 Promille", sagte Montgomery.


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