|
|
Jena (ddp). An Pflegeeltern werden hohe Anforderungen gestellt. Einerseits nehmen sie meist Kinder aus erheblich belasteten Milieus bei sich auf, andererseits schreibt der Gesetzgeber einen zeitlich begrenzten Aufenthalt vor. Soziologen der Universität Jena haben jetzt ermittelt, wie sich Sozialkompetenz bei Pflegekindern entwickelt. Professor Bruno Hildenbrand plädiert dafür, möglichst mit der Herkunftsfamilie zu kooperieren.
"Langfristig bleiben die leiblichen Eltern wichtige Bezugspersonen, mit denen sich das Kind zwangsläufig auseinander setzt", erläutert Hildenbrand. Der Soziologe kritisiert die in Deutschland vorherrschende Praxis, die Heranwachsenden von den Herkunftseltern abzuschotten, um sie ungestört bei den Pflegemüttern und -vätern aufwachsen zu lassen.
Das Beziehungsdreieck zwischen Kind, Herkunfts- und Pflegefamilie eröffne aber für die Identitätsbildung der Kleinen neue Perspektiven, lautet die Erkenntnis der Forscher. "Bindungsschicksale müssen keine Lebensschicksale sein", sagt Hildenbrand.
Ausgehend von dieser Überlegung sollten sich Pflegeeltern nicht als Ersatz, sondern als "Familie eigener Art" begreifen. Die zentrale Leistung bestehe darin, dem Kind andere Erfahrungen zu ermöglichen, als die, die es vorher gemacht hat. Es gehe nicht darum, eine bessere, sondern eine andere Sozialisationspraxis zu etablieren.
Außerdem bestehe die Gefahr, dass Familien ihre Pflegekinder nicht mehr hergeben wollen. "Am besten können pädagogisch geschulte Eltern damit umgehen", sagt der Soziologe. Im Idealfall sollten sie Distanz wahren, wenn es nötig ist und sich dem Kind annähern, so oft es möglich ist. Die Risiken sollten sich die Betroffenen unbedingt bewusst machen. Der Experte rät zudem, einen vertrauensvollen Kontakt mit dem zuständigen Jugendamt zu pflegen.
|
|