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Von Stefan Weißenborn
Schwerin (ddp-nrd). Mindestens jeder Dritte der niedergelassenen Ärzte in Mecklenburg-Vorpommern wird am Mittwoch in Berlin am bundesweiten Ärzteprotesttag teilnehmen. Insgesamt lägen gut 1000 Anmeldungen vor, sagte Dietrich Thierfelder, Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern, am Dienstag in Schwerin. Die Mediziner wollen ihrem Unmut über bürokratische Hürden und Budgetierung Luft machen. Sozialministerin Marianne Linke (Linkspartei.PDS) forderte, den Protest ernst zu nehmen.
Thierfelder kritisierte, eine kostendeckende Versorgung von Patienten sei oftmals nicht mehr möglich. Zudem würden Ärzte rund 60 Prozent ihrer Arbeitszeit unter anderem "mit dem Ausfüllen von Bögen" verbringen. Der Protest sei jedoch zunächst nur für einen Tag vorgesehen. Die ärztliche Notversorgung im Land werde garantiert.
Ulrich Braune, Vorsitzender der chirurgischen Fachverbände in Mecklenburg-Vorpommern, kritisierte das deutsche Gesundheitssystem insgesamt. Es müsse überlegt werden, dessen Finanzierung mit Hilfe von Steuern zu gewährleisten, anstelle ausschließlich die Versicherten zu belasten. Zudem seien aufgrund der aktuellen Gebührenordnung beim ambulanten Operieren Umsatzeinbußen von rund 40 Prozent zu verzeichnen.
Sozialministerin Linke sagte, der Protest zeige die Probleme im Gesundheitswesen auf. Der Sparkurs zu Lasten der Patienten und Mediziner stoße sowohl in den Praxen als auch in den Kliniken an Grenzen. Zur Sicherung des Gesundheitssystems forderte sie die Einführung einer Bürgerversicherung. Sie kündigte an, sich weiterhin für die Honorarangleichung Ost-West einzusetzen. Durch die Anhebung der Versicherungspflichtgrenze wie auch der Beitragsbemessungsgrenze könne ein "Ausbluten der gesetzlichen Krankenkasse" durch den Verlust von Versicherten an private Krankenkassen gestoppt werden.
Die Ersatzkassenverbände im Land (VdAK/AEV) reagierten mit Unverständnis auf die Ankündigung der Praxisärzte, an dem Protest teilzunehmen. Der Leiter der VdAK/AEV-Landesvertretung, Karl Nagel, sagte, die wirtschaftliche Situation im Nordosten mit einer Arbeitslosenquote von 22,1 Prozent zwinge alle Erwerbstätigen und Freiberufler dazu, den Gürtel enger zu schnallen. Mediziner bildeten dabei keine Ausnahme.
Die Protestveranstaltung Berlin wird um 12.00 Uhr durch den Präsidenten der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, eröffnet. Es sei das erste Mal, dass sowohl Klinikärzte als auch niedergelassene Ärzte aller Fachrichtungen gemeinsam protestieren, hieß es. Die Veranstalter rechnen mit mehr als 5000 Teilnehmern.
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