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London (ddp). Der Erreger der weit verbreiteten und meist harmlosen Krankheit Toxoplasmose kann bei der Entstehung von Schizophrenie eine Rolle spielen. Darauf deuten die Ergebnisse einer Testreihe mit Ratten hin. Schon seit längerem steht T. gondii unter Verdacht, psychotische Störungen zu verursachen. Wissenschafter um Joanne Webster vom Imperial College in London wiesen nun erstmals in Tierversuchen nach, dass Toxoplasmose-Medikamente psychotische Störungen lindern können. Ihre Ergebnisse veröffentlichen Webster und ihre Kollegen in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B" (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rspb.2005.3413).
Schon in Versuchen an mit T. gondii infizierten Zellkulturen hatten Forscher Hinweise gefunden, dass Psychopharmaka gegen Schizophrenie die Vermehrung des Parasiten blockieren. Jetzt hat das Team um Webster einen weiteren Schritt unternommen, um den Zusammenhang zwischen dem Parasiten und psychischen Krankheiten aufzuklären. Dazu infizierten sie einen Teil der Versuchstiere mit T. gondii und behandelten sie dann auf verschiedene Art und Weise. Einigen Ratten verabreichten die Forscher Haloperidol, ein gängiges antipsychotisch wirkendes Medikament, andere bekamen die stimmungsaufhellende Substanz Valproinsäure. Wieder andere therapierten sie mit einem Standard-Medikamentencocktail gegen Toxoplasmose. Eine vierte Gruppe von Tieren blieb unbehandelt.
Anschließend führten die Wissenschaftler mit allen Nagern einen Verhaltenstest durch. Dazu präparierten sie jeweils ein Rattenhäuschen mit ratteneigenem Geruch, geruchslosem Wasser sowie mit Katzen- und Kaninchenurin. Diejenigen Nager, die mit T. gondii infiziert waren, aber keine Medikamente erhalten hatten, fühlten sich stark durch das Katzenhäuschen angezogen - ein selbstzerstörerisches Verhalten, das auf eine psychotische Störung schließen ließ. Dabei minderten jedoch nicht nur die Psychopharmaka diese selbstmörderische Tendenz, sondern auch die Toxoplasmose-Therapie. Generell schlugen alle Medikamente bei den Tieren besser an, die mit dem Toxoplasmose-Erreger infiziert waren.
Das sei ein weiterer Hinweis darauf, dass T. gondii bei der Entstehung von Schizophrenie beteiligt sein kann, kommentieren die Wissenschaftler. Da die Psychopharmaka und auch das Toxoplasmose-Medikament im Tierversuch ihre Wirksamkeit gezeigt hätten, seien nun klinische Studien mit Menschen nötig. Diese könnten laut Webster eine bessere Behandlung psychischer Störungen und von Toxoplasmose ermöglichen.
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