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Startseite Rubrik: Meldung vom Tage aktualisiert 03.02.2004


Übersicht "Meldung vom Tage" (Januar 2004)

09.01.04

Wissenswert: Warum legt sich Fett besonders im Winter auf die Hüfte?


Göttingen (ddp). Viele Menschen futtern sich in der dunklen, kalten Jahreszeit unfreiwillig Fettpölsterchen an. Im Frühjahr quälen sie sich dann mit Diäten, um den Winterspeck wieder loszuwerden. Wieso tun sie das eigentlich?

"Es könnte am Serotonin liegen, das häufig auch als Glückshormon bezeichnet wird", sagt die Biologin Andrea Rodenbeck vom Göttinger Universitätsklinikum für Psychiatrie. Der Botenstoff, der Signale zwischen Nervenzellen überträgt, wirkt vor allem im Gehirn, also dort, wo die menschlichen Gefühle entstehen.

Serotonin beeinflusst unser Lebensgefühl positiv und steuert unter anderem auch den Appetit. Im Herbst und Winter baut der Körper aufgrund der abnehmenden Intensität des Tageslichts Serotonin verstärkt ab und dafür Melantonin auf, das unter anderem den Schlaf steuert. Viele Menschen fühlen sich dann lustlos, müde, sind leichter reizbar und verspüren einen gesteigerten Appetit auf Süßes.

Den Mechanismus, der dem zugrunde liegt, stellt die Wissenschaftlerin wie folgt dar: Der "Rohstoff", aus dem Serotonin entsteht, ist Tryptophan. Tryptophan ist eine Aminosäure, die der Mensch nicht selbst produzieren kann. Sie muss mit der Nahrung aufgenommen werden - etwa in Form von Fisch, Fleisch, Milchprodukten, Bananen und Ananas.

Schokolade kurbelt die Serotoninproduktion gleich doppelt an. Durch die Aufnahme der darin enthaltenen Kohlehydrate produziert die Bauchspeicheldrüse Insulin, gleichzeitig werden viele Aminosäuren - Eiweißbausteine - in die Muskulatur transportiert. Eine Ausnahme bildet die Aminosäure Tryptophan. Die konzentriert sich im Blut und gelangt so ins Gehirn, wo sie in Serotonin umgewandelt wird.

Parallel dazu regt auch das in der Schokolade enthaltene Fett die Serotoninproduktion an. Es löst die Bindung des Tryptophan an das Eiweiß Albumin, so dass mehr Tryptophan ins Gehirn gelangen kann. Daher kommt möglicherweise der besondere "Glückskick" der Schokolade, vermutet Rodenbeck.

Ein weiterer Grund für die Anlage von Fettpolstern könnte nach Darstellung der Biologin darin liegen, "dass die Evolution zwar konsequent auf eine Vermeidung von Unterernährung, nie aber auf eine Vermeidung von Überernährung optimiert werden musste". Bei Kälte brauchte der Mensch der Frühzeit mehr Energie, um seine Körpertemperatur aufrechtzuerhalten. Dieses Mehr an Energie nimmt er offenbar auch heute noch in Form von Nahrung auf, obwohl ihn wärmende Kleidung vor Unterkühlung schützt. Das legt sich dann auf Hüfte und Po.

Auch verleitet die dunkle Jahreszeit zu gemütlichen, faulen Abenden vor dem Fernsehapparat. Nebenbei wird geknabbert, genascht und auch gern das ein oder andere Gläschen getrunken. Süßigkeiten und Knabbereien haben zwar viele Kohlehydrate, aber eben oft auch viel Fett. Alkohol hat zwar wenig Fett, treibt aber das Kalorienkonto in die Höhe und stoppt zudem die Fettverbrennung. Wenn sich der Mensch dann auch noch - wie in der kalten Jahreszeit üblich - weniger bewegt, hat das seine Folgen. Fett macht nun einmal fett.

Dabei würde auch Aktivität an der frischen Luft die Stimmung aufhellen, "denn infolge der Fettverbrennung durch Bewegung und vor allem infolge der Lichteinwirkung wird Serotonin eben nicht so schnell in Melatonin abgebaut", erläutert Rodenbeck. Doch zum Spaziergang im Freien bedarf es einer gewissen "Anschubmotivation". Schokolade ist da oft schneller zur Hand und schmilzt zudem noch ganz von selbst auf der Zunge....



ddp

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